„Der Wolf ist an Menschen schlichtweg nicht interessiert“

Vor der Stadtverordnetenversammlung: Demonstration der Initiative „Für die Natur" vor dem Schützenhaus

Die Initiative für die Natur protestierte am Abend der Stadtverordnetenversammlung vor dem Schützenhaus gegen den Antrag der CDU-Fraktion, Werder zur „wolfsfreien Zone“ zu erklären. Foto: wsw

Werder (Havel), 17. Dezember 2018 – Gegen den am Ende mit 15 Ja-, zehn Neinstimmen sowie zwei Enthaltungen angenommenen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, Werder (Havel) zur „wolfsfreien Zone“ zu erklären, protestierten am Abend der Sitzung Mitglieder der “Initiative für die Natur“ Potsdam-Mittelmark. Vor dem Schützenhaus hatten sich die Naturschützer eingefunden, um mit Plakaten und Info-Blättern darauf aufmerksam zu machen, dass der Wolf Teil des Ökosystems sei und jeder Versuch, mit einem „künstlichen“ Management den Bestand kontrollieren zu wollen, keine so umfassende regulierenden Wirkung hätte wie sie die Natur selbst erreicht.

Auch Claudia Fehrenberg (Freie Bürger) – ihres Zeichens Fachtierärztin für Tierschutz – verwies in ihrem Redebeitrag darauf, dass die von der CDU vorgelegte Beschlussvorlage inhaltlich wissenschaftlichen Tatsachen widerspreche und zudem den Leitlinien der Stadt Werder (Havel) entgegenstehen würde. Die Annahme der CDU, eine „fiktive wolfsfreie Zone“ würde dem “Schutz der Bevölkerung und der unbeschwerten Nutzung der Landschaft dienen“, träfe nicht zu, so Fehrenberg.

Sie kritisierte auch das auf der entsprechenden Internetseite beschriebene „Schießen, schaufeln, schweigen“-Motto, wenn es um den illegalen Abschuss von Wölfen geht. In der Gemeinde Werder und ihren Ortsteilen gebe es 119 Tierhalter mit rund 900 Rindern, 400 Schafen und 100 Pferden. Darunter seien auch solche, die sich effektiv und sachgerecht um den Schutz ihrer Tiere vor Beutegreifern kümmerten, so Fehrenberg. Auch die Bedrohung des Menschen sieht sie nicht: „Der Wolf ist an Menschen schlichtweg nicht interessiert“. Eine Gefahr in Brandenburgs Wäldern bestehe für Menschen nicht. Es gebe ausreichend Wild in der Region.

Eine Bejagung des Wolfes missachte außerdem die überaus differenzierten sozialen Gefüge der Rudel. Eine Zunahme des Reißens von Nutztieren als leichte Beute sei nur eine Folge davon. Sie wünsche sich ein sach- und fachgerechtes Umgehen mit diesem Thema, was sich mit Hilfe des Wolfsmanagementplanes und der entsprechenden Fachleuten umsetzen ließe. Allerdings kritisierte sie die manchmal mangelnde Fachkompetenz der entsprechenden Stellen, die Entschädigungen seien bürokratisch und dauerten zu lange. Kommunikation, Transparenz und Vernetzung sowie eine bessere Unterstützung der Tierhalter fordere sie deshalb von der Landesregierung. Zudem sei die Ausweisung einer so genannten „wolfsfreien Zone“ durch eine Gemeinde rechtlich nicht zulässig. Die Kommunalaufsicht könnte solche Beschlüsse beanstanden. Sie forderte die CDU-Fraktion auf, die Beschlussvorlage zurückzuziehen.

Die Beschlussvorlage solle, so CDU-Fraktionschef Hermann Bobka, eine Mahnung in Richtung Landesregierung für die bessere Unterstützung der Bauern sein. „Wir sind nicht gegen den Wolf“, so Bobka. Eine Kontrolle sei aber nötig, ebenso eine Information und Aufklärung der Bevölkerung. 26 Rudel, 12 Paare und 84 Welpen seien im Land Brandenburg aktuell zu Hause. Die Jäger würden klagen, dass nach dem Durchzug von Wölfen die Tiere „vergrämt“ würden. Könnten die Jäger nicht schießen, wäre eine Vergrößerung der Population der Wildschweine die Folge. Das sei ebenso nicht gewünscht, sagte Bobka, der selbst auch Jäger ist.

Bobkas Forderung: Für Brandenburg seien Gebiete im Wolfsmanagementplan in Naturreservaten, Truppenübungsplätzen oder Tagebaukippen auszuweisen, in die sich der Wolf zurückziehen könne, dort würde er auch von Schutzjagden und Gefahrenabwehr unbehelligt bleiben.

Wie Peter Hinze schloss sich auch Anja Spiegel (SPD) der Forderung von Claudia Fehrenberg an, dass die CDU den Antrag zurückziehen solle. Ansonsten würde ihre Fraktion den Beschluss auf jeden Fall der Kommunalaufsicht zur Prüfung übergeben. Peter Hinze verwies auf die Möglichkeit, einen entsprechenden Antrag im Kreistag zu stellen, dass sich die Landesregierung erneut mit dem Thema beschäftigen solle.

Zu prüfen, ob die in der Stadtverordnetenversammlung gefassten Beschlüsse rechtmäßig seien, sei auch ihre Aufgabe, sagte Bürgermeisterin Manuela Saß und erbat die Vorträge der Redner. (wsw)


Werder soll “wolfsfreie Zone” werden

Werder (Havel), 5. Dezember 2018 - Erneute Kritik am aktuellen Wolfsmanagementplan des Landes: Hatten wir jüngst über den Krielower Bauern Marco Hintze berichtet, der...