Die Ferienwoche vom Zuckerbaum

Eine Woche unbeschwert Kind sein können

Werder (Havel) OT Glindow, 17. Juli 2020 – Auf der Streuobstwiese wird fleißig gewerkelt. An allen Ecken und Enden sieht man kleine Baumeister und Handwerkerinnen, die emsig bohren, schleifen, streichen, kleben, knoten und tackern. Ab und an meldet sich ein kleiner Architekt und bittet um Hilfe beim Sägen oder Hämmern. 


Unter schattenspendenden Bäumen, zwischen denen bunte Wimpelketten fröhlich im Wind flattern, können die 17 Kinder, die an der diesjährigen Sommerferienwoche des Zuckerbaum e.V. teilnehmen, einen eigenen Rückzugsort fertigen. Das Motto der Projektwoche lautet nämlich ein „Raum für MICH!“. 

Nicht jedes Kind, das auf die Streuobstwiese nach Glindow kommt, hat einen eigenen Raum zu Hause. Sein Alltag ist meist geprägt durch die Sorgen um das kranke Geschwisterkind. Oft ist der private Rückzugsort knapp bemessen, denn zwischen Pflegebett, Spezialnahrung und Platz für Pflegepersonal ist es nicht immer möglich, ein eigenes Zimmer zu haben. 

Ein kleines Nest, ganz nach den eigenen Wünschen zu gestalten, stand somit in der Ferienwoche im Vordergrund. Die Kinder, die zwischen vier und 15 Jahre alt sind, konnten selbst entscheiden, wie ihr persönlicher Raum in Größe und Aussehen werden sollte. Nach vielen Stunden emsiger Arbeit präsentierten die kleinen HandwerkerInnen stolz ihr Werk. Entstanden sind kunterbunte Häuschen, die mit viel Liebe und Feuereifer gestaltet, die Persönlichkeit der Kinder widerspiegeln. 

Einige von ihnen brauchten ihren Raum tatsächlich auch nur für sich und verweigerten anderen den Zugang. „Das ist auch gut so“, erklärt uns Doreen Bendler vom Zuckerbaum e.V. „Die Kinder müssen ständig Rücksicht nehmen, zur Seite rutschen, Lärm und Hektik ertragen.“ 

Die Häuser bleiben bis zum Ende der Sommerferien stehen, sodass sich die Eltern die Bauten auch einmal anschauen können. Auf einen Familientag am Ende der Ferienprojektwoche wurde in diesem Jahr verzichtet. Zu groß war die Sorge, wenn so viele Eltern, kranke Geschwister und Großeltern zum gemeinsamen Feiern kommen würden. In diesem Jahr können alle Familien einen privaten Tag auf der Streuobstwiese genießen und nach Herzenslust schauen und staunen. 

In Kooperation mit dem KINDERHILFE e.V. Potsdam und finanziert durch die Unterstützung der Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam sowie durch Privatspenden konnte die Ferienwoche auch in diesem Jahr realisiert werden. „Leider mussten wir einigen Kindern auch absagen. Wir hoffen sehr, dass wir diesen Kindern eine zusätzliche Ferienwoche im Herbst ermöglichen können. Doch leider fehlen uns hierfür noch Spenden. Durch die vielen Absagen im Zuge der Corona-Pandemie haben wir zur Zeit keinerlei Spendeneinnahmen“, berichtet Doreen Bendler. 

Zum Glück halfen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche freiwillige Helfer aus Glindow, Potsdam, Berlin, Brandenburg, Prenzlau, Bielefeld und Wuppertal mit, um den gesunden Geschwistern eine unbeschwerte Woche zu ermöglichen. „Sicherlich ist diese Woche nicht der bequemste Urlaub, aber in jedem Fall mein glücklichster im Jahr“, verrät uns ein Helfer, bevor er wieder unterstützend einem kleinen Baumeister zur Hand geht. (wsw)

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