Die gefällten Erlen stapeln sich am „Kleinen Entenfängerteich“

Schwielowsee OT Wildpark-West, 12. März 2020 – Wenn der Kurfürst Friedrich III. damals Hunger auf einen leckeren Entenbraten hatte, bevorzugte er die Wildenten, die im „Kleinen Entenfängerteich“ vor Wildpark West gefangen wurden. Heute steht das 1694 errichtete Areal unter Denkmalschutz. Das Denkmal ist das älteste seiner Art in Deutschland und das einzige im Land Brandenburg.

Doch so unberührt, wie der „Kleine Entenfängerteich“ die letzten Jahre war, ist er nicht mehr. Im Zusammenhang mit zahlreichen Baumfällungen kam es am 2. und 3. März auf der als Denkmal ausgewiesenen Fläche des Kleinen Entenfängerteichs vor Wildpark-West zu massiven Eingriffen in den Wald und den Bodenbereich. Durch den Einsatz eines Baggers beim Verbringen der Erlenstämme wurde der südwestliche Teil des Denkmals und Teile des Rastplatzes in Mitleidenschaft gezogen.

Der Bereich Untere Denkmalschutzbehörde teilte auf Nachfrage mit, dass es sich bei den Arbeiten um Pflegemaßnahmen handelt: „Die Inaugenscheinnahme der Arbeiten wurden als denkmalrechtlich erlaubnisfähig eingeschätzt und durch den Mitarbeiter denkmalrechtlich mit der Auflage erlaubt, die Arbeiten zu dokumentieren und die Dokumentation bei der Unteren Denkmalschutzbehörde abzugeben. Die zur Fällung vorgesehen Erlen, gehören nicht zur geschützten Denkmalsubstanz. Durch ihre Entfernung werden die Alt-Eichen am Rand der Entenfängeranlage gefördert und optisch freigestellt. Damit wird der ehemalige Entenfängerteich als Fläche wieder erlebbar.“

Zuvor war kurzfristig ein Baustopp ausgesprochen worden, da die Arbeiten nicht angemeldet waren. „Waldsiedlung Wildpark-West“ e.V. als gemeinnützig anerkannte Körperschaft zur Förderung des Umwelt- und Naturschutzes und der Landschaftspflege hatte sich noch am späten Abend des 2. März an die zuständigen Kontrollbehörden gewandt und gebeten, den Sachverhalt zu prüfen und bis dahin die Rodungen auszusetzen. Die Arbeiten wurden nach Prüfung vor Ort wieder aufgenommen.

„Es kann nicht sein, dass ‘Pflegemaßnahmen’ tatsächlich zu einer Beschädigung des Denkmals führen und die Behörde darüber hinweg geht“, so Vertreter der „Waldsiedlung-Wildpark-West“ e.V. Und auch die anerkannte Autorin Marianna von Klinski-Wetzel kritisierte bei einem Pressetermin am 5. März, dass dem Denkmal im Bereich der sogenannten SW-Pfeife großer Schaden zugefügt wurde und auch innerhalb des Denkmals durch das Rücken der gefällten Bäume, hauptsächlich aber durch den Einsatz des schweren Geräts Bodenverdichtungen von vermutlich irreparablem Ausmaß stattfanden.

Der Verein „Waldsiedlung-Wildpark-West“ fordert Aufklärung und Offenlegung, warum die Arbeiten auf diese Art und Weise durchgeführt wurden und wer die Verantwortung dafür trägt und wie die entstandenen Schäden im und um das Denkmal wieder in Ordnung gebracht werden und wer die Kosten dafür trägt. Auch der Rastplatz, unmittelbar am Denkmal gelegen und erst vor einigen Jahren erneuert,wurde in Mitleidenschaft gezogen. Bereits 2008 wurden mehrere Erlen an der königlichen Entenfanganlage im Wildpark-West abgeholzt, um den „Kleinen Entenfangsee“ wieder zugänglich zu machen. Zwei Tage waren die Waldarbeiter zu der Zeit beschäftigt, wieder Licht ins Dickicht zwischen die wuchernden Erlen am Ufer zu bringen. Um den Boden zu schonen, zogen die beiden Pferde Lonny und Svenja die schweren Stämme aus dem Wald.

Auftraggeber der aktuellen Arbeiten ist der Landesforst Brandenburg. Der zuständige Revierförster erklärte bei einem Gespräch am 3. März, bei dem auch der Landesvorsitzende des NABU Brandenburg Friedhelm Schmitz-Jersch vor Ort war, keine Veranlassung zu sehen, Denkmal- oder andere Behörden von den Arbeiten in Kenntnis zu setzen. „Wo gehobelt wird, fallen auch Späne“, argumentierte er. Dabei ist auf dem Einweisungsschreiben ausdrücklich vermerkt, dass beim Rücken der Baumstämme „besondere Vorsicht“ angewandt werden muss, da es sich um ein Denkmal handelt. (wsw, j.f.)