Die Glindower Orgel klingt wieder

Bis in die Fußsohlen sind die Orgelklänge zu spüren, die Kantor Bernhard Barth aus Glindow der Gesell-Orgel aus dem Jahre 1853 entlockt. Dass die Glindower Orgel endlich wieder klingt, ist vielen Unterstützern zu verdanken. Doch bis es so weit war, war es ein mühevoller Weg.

Werder (Havel) OT Glindow, 18. Juni 2021 – Die frühere Pfarrerin Andrea Paetel erinnert sich: „Was lange währt, wird endlich gut! 2012 habe ich meinen Dienst hier in Glindow begonnen und schnell bemerkt, dass die Orgel nicht ihren vollen Klang hat. Und natürlich ist dies auch der Ortsgemeinde aufgefallen. Durch die unerschütterliche Beharrlichkeit, u.a. von Carsten Schäfer und Elke Liehre, die mit viel Herzblut und Engagement Spenden gesammelt haben, und den großen Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde ist es innerhalb von vier Jahren gelungen, die Glindower Orgel endlich wieder in ihrem alten Glanz und vor allem alten Klang erstrahlen zu lassen!“

Im Ersten Weltkrieg waren die Prospektpfeifen der Glindower Orgel zu Kriegszwecken ausgebaut worden. In den 1970er Jahren wurde eine notdürftige Reparatur durchgeführt. Seit Beginn der 2000er war das Instrument in einem beklagenswerten Zustand und am Ende überhaupt nicht mehr spielbar.

Die Gestaltung des Orgelprospekts entspricht dem neogotischen Stil des Kircheninneren und wurde wie die ganze Kirche von dem berühmten Hofarchitekten Ernst August Stüler gestaltet. Das 1853 gefertigte Instrument war eine der ersten in dieser Bauweise und ein Prototyp für eine ganze Generation von Orgeln in der preußischen Kaiserzeit. Die Glindower Orgel hat also einen besonderen überregionalen Wert. Dafür wurde sie im vergangenen Jahr von der Stiftung Orgelklang zur deutschen „Orgel des Monats September 2020“ gewählt.

Die Restauration hat die Firma Alexander Schuke Orgelbau aus Werder (Havel) verantwortet. Die Tischlerarbeiten hat Diplom-Restaurator Udo Drott aus Bad Belzig übernommen. Allein drei Wochen hat der Anstrich gedauert. „Wir haben hier eine Technik aus dem 19. Jahrhundert angewendet: Früher wurde für den Bau günstiges Kiefernholz verwendet. Um dennoch den Eindruck von hochwertigem Eichenholz zu erwecken, hat man deckend die Maserung von Eichenholz aufgemalt.“

Bis zwei Tage vor der offiziellen Einweihung der restaurierten Orgel am 17. Juni, wurde an der Gesell-Orgel gewerkelt. Wegen des kalten Frühlings hatten sich die Arbeiten verzögert. Nun strahlt die Königin der Instrumente von Glindow wieder in neuem Glanz und kann wieder Gottesdienste begleiten, Konzerte ermöglichen und für die Ausbildung ehrenamtlicher Organisten aus der Region zur Verfügung stehen.

Rund 58.000 Euro hat die Instandsetzung gekostet. Die Finanzierung war nur möglich durch die Unterstützung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse sowie von vielen Förderern. Eine Tafel mit rund 150 Namen wird zur Erinnerung und als Dank für die Unterstützer*innen in der Kirche angebracht.

2021, im Jahr der Orgel, ist eine Sonderkonzertreihe vorgesehen: jeden Sonntag im August jeweils um 17 Uhr spielen die Organist*innen aus der Region auf der Orgel. Zu diesem Anlass hat die Ev. Heilig-Geist-Kirchengemeinde Werder (Havel) ein „Orgelbuch“ zur Region Werder und Töplitz herausgebracht.

Das erste Mal vor größerem Publikum wird die Glindower Orgel zum Kirsch- und Ziegelfest erklingen. Nachdem das beliebte Glindower Fest im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste, darf in diesem Jahr wieder gefeiert werden – zwar etwas kleiner als zuvor, aber nicht weniger unterhaltsam.

Das Festkomitee berichtet, dass das Kirsch- und Ziegelfest am Samstag, dem 3. Juli, von 11 bis 20 Uhr auf dem Gelände des „Schützenverein zu Glindow 1924 e. V.“ stattfindet.

Der Einlass ab 10 Uhr erfolgt am Tor Glindower Mühlenstraße, wo auch die Einlasskontrolle der Gäste erfolgt. Das Fest wird vom Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm, der amtierenden Kirschkönigin Christiane Küstner und der aktuellen Kirschprinzessin Jessica Hein eröffnet und beginnt mit einem musikalischen Frühschoppen des Ketziner Blasorchesters. Das über den Tag verteilte Kinder- und Familienprogramm wird von „Purfürst & Wein“ gestaltet. Zudem wird Nicolas Freese auftreten.

Am Nachmittag erfreut das „Comédie Soleil“ mit seiner Vorführung „Fontane auf See“. Einer „Buchlesung unterm Blätterdach“ vom Heimatverein, mit Erinnerungen und Geschichten aus Glindow vor 70 Jahren, kann man auf dem oberen Gelände lauschen. Diverse Stände locken mit Angeboten: Basteln, Malen, Töpfern.

Am Stand des Ortsbeirates kann man sich über das Ortsentwicklungskonzept informieren und es gibt dazu einen Malwettbewerb „Mein Glindow”. Und natürlich kann man den Bogenschützen des Schützenvereines zuschauen und auch einmal selbst das Bogenschießen testen. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Das Fest endet um 20 Uhr.

Zum Gelingen können alle Gäste beitragen, indem sie die aktuell verbindlichen Sicherheitsmaßnahmen akzeptieren und einhalten. Teilnehmen kann jeder, der die vollständige Corona-Impfung oder die Genesung nachweisen kann oder über einen tagesaktuellen Negativtest verfügt, der ggf. noch vor Ort im mobilen Testzentrum in der Plötziner Straße 69 vorgenommen werden kann.

Wegen der vorgeschriebenen Erfassung der Kontaktdaten der Gäste macht sich ein Kartenvorverkauf notwendig. Er findet am 19. und 20. Juni sowie am 27. Juni, jeweils von 11 bis 14 Uhr, und am 29. Juni von 18 bis 19 Uhr, im Heimatmuseum, im Kietz 3 statt.

Auch am Sonntag, dem 4. Juli 2021, gibt es zahlreiche Angebote. So gibt es in der Dorfkirche einen Tag der offenen Tür, in den Keramischen Werkstätten eine Sommerausstellung, im Glindower Heimatmuseum einen Museumsflohmarkt und das Märkische Ziegeleimuseum hat geöffnet. Das volle Programm gibt es hier. (wsw, s.h.)