Die Helfer auf vier Pfoten der Polizeidirektion West

Die Diensthunde der Polizeidirektion West heißen Ronja, Linus und Holly und sind nicht weniger interessant, als ihre Pendants aus der beliebten Kinderserie „Paw Patrol“. Denn wenn jemand Hilfe braucht, sind sie sofort bereit – kein Einsatz zu groß, keine Pfote zu klein!

Tino Schurad mit Holly, Linus und Ronja, Fotos: wsw

Werder (Havel), 30. August 2021 – „POLIZEI! Bleiben Sie stehen, oder ich setze den Diensthund ein!“ – Der Flüchtige denkt jedoch nicht daran, seinen Schritt zu verlangsamen und entfernt sich weiter. Der Polizist ruft erneut: „POLIZEI! Bleiben Sie stehen, oder ich setze den Diensthund ein!“ Neben ihm wartet bereits Ronja auf ihr Zeichen. 


Und dann sprintet die Malinois-Hündin los und saust in einem Affenzahn auf den Mann zu, der sich nun nicht mehr fortbewegt, sondern bedrohlich vor der Hündin positioniert. Ronja reagiert blitzschnell und verbeißt sich in seinem Arm, die simulierten Schläge mit einem Softstock, mit dem sich der Mann verteidigt, beeindrucken die Hündin nicht.

Zum Glück ist das nur ein Trainingsmoment und Ronja trottet nach der Übung stolz mit dem Hetzarm (das ist der Überzug, der den menschlichen Arm vor den Bissen des Hundes schützt) vom Gelände.


Wir sind zu Besuch bei der Diensthundestaffel der Polizeidirektion West. Ein Trainingsgelände der Hundestaffel befindet sich an der Phöbener Chaussee zwischen Werder (Havel) und Phöben. Insgesamt gibt es 14 Diensthundeführer in der Polizeidirektion West und etwa ebenso viele auch in den anderen drei Direktionen Nord, Süd und Ost.

„Ein Nachwuchsproblem haben wir nicht“, erzählt uns der Leiter der Diensthundstaffel Tino Schurad. „Das Interesse intern ist groß. Es dürfen nur ausgebildete Polizisten die Ausbildung zum Diensthundeführer machen. Man sollte die einjährige Ausbildung und die Verantwortung für den Hund jedoch nicht unterschätzen.“

Die Bindung, die Diensthundeführer und Diensthund eingehen, hält bestenfalls viele, viele Jahre. Ein bis drei Jahre sind die Hunde alt, wenn sie ihren Dienst bei der Polizei antreten. Die bevorzugten Rassen sind Deutscher Schäferhund, Malinois, Airedale Terrier und Riesenschnauzer. „Diese Hunde zählen zu den sogenannten Gebrauchshunderassen. Das bedeutet, dass sie für einen ganz bestimmten Zweck eingesetzt werden, in unserem Fall als Spür- und Schutzhund“, so Tino Schurad. 

Und weiter: „Wir bekommen die Hunde von Züchtern und Verkäufern, die genau wissen, worauf es bei einem Polizeihund ankommt. Die Hunde müssen eine mittlere Reizschwelle haben, einen ausgeprägten Beute,- Spiel und Wehrtrieb, ein großes Selbstbewusstsein, eine ausgeprägte Härte und das alles gepaart mit einer zuverlässigen Führigkeit.“

Diese Anforderungen sind wichtig, damit Hunde wie Ronja im Polizeialltag bestehen können. Von den 14 Diensthunden der Polizeidirektion West werden acht Hunde als „Fährtenspürhunde“, vier als „Rauschgiftspürhunde“ und zwei als „Sprengstoffspürhunde“ eingesetzt. Neben der jährlichen Spürhund-Prüfung müssen die Hunde auch regelmäßig die Schutzhund-Prüfung ablegen. „Die Suche nach vermissten Personen macht etwa 90 Prozent der Einsätze aus“, erklärt der Leiter der Diensthundstaffel. „Im September des letzten Jahres konnte Riesenschnauzer Linus innerhalb von wenigen Stunden sogar zwei Personen ausfindig machen. Die eine war ein älterer Herr, der aus einer Demenzklinik in Teltow verschwunden ist, und der zweite ein Autodieb, der nach einem Unfall auf der A10 über den Acker abgehauen ist – erfolglos.“

Der sechsjährige Riesenschnauzerrüde ist wahrlich eine imposante Erscheinung. Wir erfahren, dass die Hunde auch gezielt zur Deeskalation eingesetzt werden und ihre Präsenz in den meisten Fällen auch eine abschreckende Wirkung beim Gegenüber erzielt. „Wenn Hunde wie Linus die Polizisten bei ihrem Streifendienst begleiten, überlegt es sich der Eine oder die Andere doch zweimal, ob sie Krawall machen oder abhauen wollen. Der Hund hat doch meist die Oberhand.“ 

Ausnahmen sind, wenn Waffen bei einem Einsatz mit ins Spiel kommen. „Die Hunde werden natürlich nicht absichtlich in Gefahr gebracht. Wenn bei einer Demo zum Beispiel Steine durch die Gegend fliegen, sind die Polizisten durch ihre Sonderausrüstung geschützt, die Hunde tragen keine Helme, also werden sie schnellstmöglich aus der Gefahrenzone gebracht.“

Auch wenn die Wörter „Diensthunde“ und „Gebrauchshunderasse“ recht nüchtern klingen, sind die Hunde doch auch immer ein Teil der Familie ihres Diensthundführers. Wenn sie ihren aktiven Dienst dann im Alter zwischen acht und zehn Jahren beenden, verbringen die meisten Hunde ihren Lebensabend weiterhin bei der Bezugsperson, die die letzten Jahre an ihrer Seite war.

Abschließend verrät uns Tino Schurad noch: „Die Diensthundestaffel bei der Polizei hat bei einigen Menschen keinen allzu guten Ruf. Dabei kommt die Tätigkeit als Diensthund dem Wesen der genannten Rassen am nächsten, da wir die natürlichen Triebe der Hunde fördern.“ 

Er selbst hat als Leiter der Diensthundestaffel übrigens keinen Diensthund: „Ich verbringe die meiste Zeit am Schreibtisch und koordiniere die Einsätze und Termine der Staffel. Bisher habe ich noch keinen Hund gefunden, der mich bei der Büroarbeit unterstützen kann.“

Zum Abschied staunen wir noch einmal über Ronjas ausgeprägten Geruchssinn, als sie mühelos im hohen Gras unseren versteckten Autoschlüssel findet. Wir lernen: „Hunde riechen in 3D. Wenn Menschen in einen Raum kommen, sagen sie vielleicht ‚Oh lecker, hier wurde gerade ein Kuchen gebacken!‘, Ronja weiß, dass der Kuchen links in der Ecke auf einem Hocker steht.“ Gut, diese Kuchen-Spürnase besitzen  vielleicht auch einige Menschen. (wsw)