Die Ostdeutsche Meisterschaft im Bogenschießen

Am 5. und 6. September fand die Ostdeutsche Meisterschaft im Bogenschießen wieder beim Schützenverein zu Glindow 1924 e.V. statt.

Werder (Havel) OT Glindow, 11. September 2020 – Die Ostdeutsche Meisterschaft, oder kurz ODM, ist inzwischen schon eine traditionsreiche Veranstaltung. Bereits zum 18. Mal wurde sie ausgetragen. Die erste ODM in Glindow fand schon 2005 statt. Damals war der Bogensportplatz noch gar nicht ganz fertig, und da es in den Tagen vor dem Wettkampf kräftig geregnet hatte, versanken die Schützen im Schlamm. “Viele erinnern sich noch daran”, verrät uns Ulrich Wolff vom Schützenverein zu Glindow 1924 e.V.

Seitdem ist der Rasen aber angewachsen, und der Bogenplatz in Glindow ist inzwischen einer der schönsten und größten in Ostdeutschland. Deshalb fand die ODM seit 2005 jedes Jahr wieder in Glindow statt, oft im September als Saisonabschluss. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Corona erforderte für die Organisatoren ein paar zusätzliche Überlegungen. Bogenschießen ist naturgemäß ein kontaktloser Sport, der im Freien stattfindet. Die Infektionsgefahr ist daher gering. “Wir haben eine 70 Meter breite Schießlinie, ausreichend Platz also, um Abstand zu halten”, so Ulrich Wolff.

Zudem wurde ein umfangreiches Hygienekonzept ausgearbeitet, das dafür sorgte, dass alle gesetzlichen Bestimmungen zum Gesundheitsschutz eingehalten wurden. Und so entschied sich der Schützenverein zu Glindow 1924 e.V., auch im Corona-Jahr 2020 die ODM unter Einhaltung aller notwendigen Vorsichtsmaßnahmen stattfinden zu lassen.

Die Ausschreibung ergab rund 140 Teilnehmer mit dem Recurve-, Compound- und Blankbogen. Die Schützen wurden auf die drei Durchgänge am Samstagvormittag, Samstagnachmittag und Sonntag verteilt. Startlisten wurden erstellt und umgestellt, Kampfrichter verpflichtet, Scheiben aufgebaut, Hinweisschilder angebracht, Essen und Getränke eingekauft, Toiletten geputzt, ein Siegerpodest gebaut, Sponsoren angesprochen.

So konnte der Wettkampf am 5. September pünktlich um 9 Uhr mit dem Einschießen beginnen. Dieser erste Durchgang war für die Schüler und Jugend Recurve sowie für die Offene Klasse. Am Samstagnachmittag folgten dann die Junioren, Masters und Senioren Recurve sowie die Blankbogenschützen. Der 6. September war der Tag der Compoundschützen und der Damen und Herren mit dem Recurvebogen.

Die Vereine aus dem Großraum Berlin waren selbstverständlich mit vielen Teilnehmern vertreten. Und auch viele alte Bekannte aus Blankenfelde, Hennigsdorf, Frankfurt/Oder, Hohen Neuendorf und Berlin, aber auch aus Rostock, Bautzen, Leipzig und Wismar ließen sich die ODM in Glindow nicht entgehen.

Den Rekord für die weiteste Anreise halten Timo und Linda Durchdewald aus Nieder-Florstadt, in der Gegend um Frankfurt am Main. Der älteste Teilnehmer war mit 71 Jahren Helmut Geffke aus Hohen Neuendorf. Er gewann Silber bei den Senioren mit dem Blankbogen.

Bei bedecktem, aber zum Glück meist trockenem Wetter am Samstag und schönem sonnigen, aber kühlem Wetter am Sonntag wurden beeindruckende Leistungen erzielt. Nicht wenige Schützen erreichten ein Niveau, das in einem normalen Jahr auch für die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft gereicht hätte. Einige Beispiele: Sybille Wiese erzielte fantastische 651 Ringe bei den Blank Seniorinnen und nahm die Goldmedaille mit nach Hennigsdorf. Timo Durchdewald aus Nieder-Florstadt war nicht nur der Teilnehmer mit der weitesten Anreise, sondern siegte mit starken 600 Ringen auch bei den Blank Herren. Bestleistungen gab es auch bei den Schülern A mit dem Recurvebogen: Raphael Zipfel aus Müllrose schoss 653 Ringe und blieb damit nur einen einzigen Ring unter seinem eigenen Landesrekord aus dem Vorjahr. Doch selbst diese großartige Leistung wurde noch übertroffen, nämlich von Stella Mrotzeck vom BSC BB Berlin mit 667 von 720 möglichen Ringen.

Auch die Gastgeber aus Glindow konnten mit dem sportlichen Ergebnis zufrieden sein: Das Team aus Damon Buchholz, Karl Lüdicke und Oskar Bieselt holte mit jeweils weit über 500 Ringen Gold, Silber und Bronze bei den Schülern Blank. Franziska Frenzel, die erst vor wenigen Monaten von Recurve und Compound umgestiegen war, holte sich mit 535 Ringen auf Anhieb Silber und gleich auch eine Scheibennadel. Drei Bronzemedaillen gingen an Ingo Bieselt und Natascha Eckelt bei den Blank Masters männlich bzw. weiblich und an Antonia Fleischhauer in der Offenen Klasse.

Die Ostdeutsche Meisterschaft 2020 war ein schöner, reibungslos ablaufender Wettkampf auf einem großen Platz mit vielen tollen Ergebnissen. Da immer nur verhältnismäßig wenige Schützen gleichzeitig auf dem Platz anwesend waren, war die Stimmung ruhig, freundschaftlich und entspannt. Alle Schützen waren froh, nach vielen traurigen Monaten endlich wieder einen Wettkampf schießen, mit anderen Bogenschützen sprechen und das eigene Können zeigen zu dürfen.

Der Schützenverein zu Glindow dankt allen, die dieses große Ereignis möglich gemacht haben, den Scheibenschleppern, Tischaufbauern, Kuchenbäckern, Toilettenputzern, Getränkeverkäufern, Desinfektionsmitteleinkäufern, Rasenmähern und Kreidelinienziehern.

“Wir danken den Kampfrichtern Andreas Schwotzer, Wolf Dausch, Armin Weichert und Jacob Lindemann für ihre souveräne Wettkampfleitung. Peter Sauer kümmerte sich in bewährter Weise um Startlisten und Ergebnisse und ist auch durch einen zusammengebrochenen Drucker nicht aus der Ruhe zu bringen. Wir danken unseren Sponsoren: est Bogensport aus Berlin spendierte schöne Sachpreise und Gutscheine für alle Medaillenträger. Christian Große, Sigmar Wilhelm und Fred Witschel zeigten bei den Siegerehrungen die Verbundenheit der Stadt Werder und des Ortsteils Glindow mit dem Schützenverein. Die Kirschkönigin Christiane und ihre Prinzessin Jessica verbreiteten etwas königlichen Glanz auf unserer bescheidenen Wiese. Und wir danken natürlich den Sportlern, die teilweise weite Anfahrten früh am Morgen und viele Staus in Kauf genommen haben, um dabei zu sein. Wir hoffen sehr, Euch alle im nächsten Jahr wieder bei uns zu sehen, dann hoffentlich unter günstigeren Bedingungen, wenn es heißt: Auf zur Ostdeutschen Meisterschaft 2021 in Glindow!”, so Ulrich Wolff abschließend. (u.w., wsw)