Die Pilzexpertin aus Caputh

Sylvia Hutter, Foto: privat

Schwielowsee OT Caputh, 2. November 2018 – Wer Fragen rund um das Thema Pilze hat, ist bei Sylvia Hutter genau an der richtigen Adresse. Die gebürtige Österreicherin hat Biologie an der Karl-Franzens-Universität in Graz studiert und ihre Dissertation über Waldpilze geschrieben. Sie absolvierte ein Permakultur-Design-Training in der Schweiz, legte ihre Pilzsachverständigen-Prüfung beim Brandenburgischen Landesverband der Pilzsachverständigen ab, erwarb ihren Kräuterschein bei der IHK-Berlin und ist seit 2014 selbständig in Schwielowsee OT Caputh tätig. Hier bietet sie unter anderem Pilzwanderungen an. Zur Zeit schreibt sie an einem Buch über den Pilzanbau. 

Gerade nach einem trockenen und heißen Sommer wie in diesem Jahr kann die Pilzausbeute im Herbst gering ausfallen. Hier möchte Sylvia Hutter in ihrem Buch Tipps und Anleitungen geben, wie man im heimischen Garten selbst Pilze anbauen kann. „Die wenigsten Pilze mögen Hitze, Trockenheit und Wind. Erst wenn es genügend geregnet hat und die Temperaturen weder zu hoch noch zu niedrig sind, lassen sich viele blicken“, so die Expertin. 

Die Hauptsaison für Pilze ist meist im September/Oktober, doch eigentlich kann man das ganze Jahr über Pilze finden. Aber nicht alle Pilze, die man findet, sind auch essbar. „Weltweit wurden bisher rund 140.000 Arten beschrieben, in Deutschland zählt man über 6.000 Großpilzarten. Doch nur wenige hundert Arten sind auch essbar und auch nur einige davon wirklich schmackhaft und häufig zu finden“, verrät Sylvia Hutter.

Viele der Waldpilze sind sogenannte Mykorrhizapilze. Diese sind mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze verbunden, die Pilze erhalten die durch die Photosynthese der (grünen) Pflanzen erzeugten Assimilate und liefern der Pflanze Nährsalze und Wasser. So findet man in Kiefernwäldern bevorzugt Maronen-Röhrlinge und in der Nähe von Eichen und Buchen fühlen sich Steinpilze sehr wohl. Doch Vorsicht! Auch der grüne Knollenblätterpilz, dessen Verzehr tödlich sein kann, wächst unweit von Eichen. Sylvia Hutter rät: „Wer sich unsicher ist, was für Pilze im Körbchen gelandet sind, kontaktiert am besten einen Pilzsachverständigen (www.blp-ev.de). Während der Hauptsaison stehen Mitglieder des Pilzvereins auch immer Dienstag, Donnerstag und Samstag von 9 bis 12 Uhr auf dem Bassinplatz in Potsdam.“ 

Früher hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass man Pilze unbedingt abschneiden muss und nicht herausdrehen darf. „Dem Myzel ist das relativ egal. Ähnlich wie bei einem Apfelbaum essen wir vom Pilz nur die Fruchtkörper. Und ob der Apfel selbst vom Baum fällt, abgeschnitten oder abgedreht wird, hat keinen Einfluss auf den Baum.“ 

Sylvia Hutters Begeisterung für Pilze ist riesig: „Pilze sind einfach ein tolles Nahrungsmittel! Sie sind kalorienarm und enthalten viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien. Ein echtes Superfood! Natürlich soll man Pilze aber nicht in Massen, sondern in Maßen genießen.“ (wsw)

5 Tipps für Pilzanfänger

  1. Um viele Pilze zu finden, ist die Witterung entscheidend. Wenn es ausreichend feucht und nicht zu kalt oder zu warm ist, kann man sein Glück versuchen. 
  2. Am besten geht man in einen Mischwald. Dort gibt es die meisten Arten zu finden. Pilze wachsen aber nicht nur im Wald, sondern auch auf Wiesen, an Wegrändern, in Parks, am Waldrand und auf Lichtungen – Halten Sie die Augen offen! 
  3. Der Pilzanfänger sammelt am besten Röhrlinge, das sind die mit dem Schwamm auf der Hutunterseite. Bei den Röhrlingen gibt es nämlich keine tödlich giftigen Arten. Trotzdem ist es natürlich wichtig, auch diese richtig zu bestimmen oder bestimmen zu lassen.
  4. Pilze sollte man nicht roh verzehren. Am besten schmecken sie angeröstet in der Pfanne oder in einer leckeren Sahnesauce. 
  5. Am besten putzt man die Pilze noch im Wald, indem man die schmutzigsten Stellen mit dem Messer wegschneidet. Zu Hause bürstet man die Pilze ggf. ab oder säubert sie mit einem Pilzmesser. Die Pilze sollten dann, je nach Größe etwa 15 Minuten in der Pfanne erhitzt werden.