Die Zukunft der Pflege

v.li.: Achim und Antje Germar, Miriam Kobela

Werder (Havel), 7. August 2019 – Ein geliebtes Familienmitglied in fürsorgliche Hände zu geben, in eine wohlige Umgebung mit Erinnerungsstücken aus der eigenen Vergangenheit, gewohnten Gerüchen und in eine Gemeinschaft – „Das ist die Zukunft der Pflege“, erzählt Antje Germar, die gemeinsam mit ihrem Mann Achim eine neue Wohngemeinschaft für Senioren in der Nähe des Werderparks eröffnet hat. 

Die Germars bringen für dieses Projekt 22 Jahre Erfahrung im Pflegebereich mit, haben eine Hauskrankenpflege und eine Wohngemeinschaft in Berlin. „Der Wunsch um eine weitere Wohngruppe, schlummerte schon länger in uns“, geben die beiden zu. Man habe sich jedoch mehr oder weniger auf das Schicksal verlassen und eines Tages kam die passende Immobilie fast von allein. Mit der gebürtigen Werderanerin Miriam Kobela haben die Germars eine zuverlässige Stütze an ihrer Seite.

In dem Komplex am Werderpark vereinen sich zwei Wohnformen unter einem Dach. In den beiden oberen Geschossen befinden sich barrierefreie Eigentumswohnungen, die zwei Flügel der Wohngruppe befinden sich im Erdgeschoss und sind durch einen großen Wohlfühl- und Gemeinschaftsraum miteinander verbunden. Insgesamt 10 Seniorinnen und Senioren finden hier Platz, mit der Auslastung lasse man sich jedoch bewusst Zeit. Noch können gerne Anfragen gestellt werden.

„Wir werden unser Haus nicht auf Druck füllen. Besonders in der ersten Zeit nach dem Umzug möchten wir uns viel Zeit für jeden Bewohner nehmen können. Auch die Beratung der Angehörigen ist uns sehr wichtig“, erklärt Achim Germar. So gehen die erfahrenen Pflegefachleute auch mit zu den Senioren nach Hause, beraten, was am besten mitgenommen werden sollte, dokumentieren, in welcher Anordnung die Bilder an der Wand oder die Püppchen auf der Anrichte drapiert sind, um im neuen Zuhause alles an seinen neuen „alten“ Platz zu stellen.  

Auch im Gemeinschaftsraum sollen sich zukünftig die Erinnerungen der Senioren wieder finden. So kann jeder sein Stück Vergangenheit einbringen und zum Wohlfühlambiente aller beisteuern. In drei Schichten werden die Bewohner 24 Stunden am Tag umsorgt, wobei jeder seinen individuellen Tagesrhythmus selbst bestimmt. Gekocht und entschieden was auf den Tisch kommt, wird gemeinsam. Auch die Familien sind herzlich eingeladen, mal ein Lieblingsgericht oder die Kekse, die schon als Kind gemeinsam gebacken wurden, im Haus zuzubereiten. 

„Der Geruch von frisch gekochten Speisen sorgt für Appetit und ruft heimelige Erinnerungen wach“, sagt Miriam Kobela, die sich als Projektleiterin um die Qualitätssicherung kümmert. Als Angehöriger soll man guten Gewissens nach einem Besuch nach Hause fahren, wohlwissend, dass das geliebte Familienmitglied gut umsorgt ist. Dass dieses Gefühl unbezahlbar ist, wissen die Germars aus eigener Erfahrung. Ihre gehörlose Tochter brauchte in den letzten Jahren große Unterstützung und es war schwer, den Kopf freizubekommen, wenn sich die sorgenvollen Gedanken stets und ständig um das Wohlbefinden des Schützlings drehen. Genau dieses Wissen um die Wichtigkeit von Vertrauen in das Pflegepersonal bildet die Grundlage für das Konzept, das nun in Werder umgesetzt wurde. (wsw)