DIGI CAMPS – Life in Balance

Drei Tage lang wurden die SchülerInnen der Carl-von-Ossietzky-Oberschule mit angegliederter Primarstufe in Workshops über die Schnelligkeit der Digitalisierung sensibilisiert.

v.l.: Matthias Jonas (BG3000), Ines Lenius , Christa Bellin und Katharina Milák von der CvO und Nico Huber (BARMER) mit SchülerInnen, die am DIGI CAMP an der CvO teilgenommen haben., Foto: wsw

Werder (Havel), 30. Januar 2020 – Als “Generation Y” werden gerne die Jahrgänge bezeichnet, die zwischen 1981 und 1995 geboren wurden. Menschen, die in diesem Zeitraum geboren wurden, sind von klein auf mit der Technik der digitalen Welt in Berührung gekommen: E-Mails, Internet, ICQ, Mobiltelefone, Computerspiele … all das war ein wichtiger Bestandteil des sozialen Miteinanders. Wikipedia beschreibt diese sogenannten “Digital Natives” u.a. wie folgt: Diese allgegenwärtige Ausstattung und die massive Interaktion damit führe zu anderen Denkmustern und zu einem fundamentalen Unterschied, Informationen zu verarbeiten. Sie seien gewohnt, Informationen sehr schnell zu empfangen, sie lieben es, in Multitasking zu arbeiten. Sie lieben den Direktzugriff auf Informationen (im Gegensatz zum seriellen), ziehen die Grafik dem Text vor und funktionieren am besten, wenn sie vernetzt sind.

Erinnern Sie sich noch an das Einwählen damals ins Internet, wo man bei jedem Krächzen des Modems hoffte, dass es klappt? Oder an die ersten LAN-Partys, bei denen man sich vorzugsweise mehrere Tage in abgedunkelten Kellerräumen mit seinen unhandlichen Computern, meterlangen Kabeln und zu viel Chips zum gemeinsamen Zocken verabredete? Oder daran, dass im Internet surfen und gleichzeitiges Telefonieren nur bedingt möglich war?

Die junge Generation von heute kann darüber nur schmunzeln. Schon die Kleinsten können mit dem Smartphone besser umgehen, als ihre Eltern, da sie von Geburt an damit aufgewachsen sind. Die Jugendlichen von heute haben jederzeit und an jedem Ort Zugang zu allen Medien. Das Smartphone, das iPad oder die Smart Watch sind ständige Begleiter. Die Kinder sind immer online und dadurch auch nie mehr allein…?

Dieser und vieler weiterer Fragen gingen rund 130 Schülerinnen und Schüler der Carl-von-Ossietzky-Oberschule mit angegliederter Primarstufe vom 27. bis zum 29. Januar im “DIGI CAMPS – Life in Balance” nach. 80 SchülerInnen der Klassenstufe 7 und 50 SchülerInnen der Klassenstufe 6 haben gemeinsam mit ihren KlassenlehrerInnen an dem dreitägigen Workshop zum Thema “Soziale Netzwerke” teilgenommen.

Der ständige Zugang zu allen wichtigen und unwichtigen Informationen, die permanente Erreichbarkeit Tag und Nacht und die Gefahr von Cyber-Mobbing und Cyber-Kriminalität lassen die Jugendlichen schnell an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen. Rücken- und Nackenschmerzen, Unter- bzw. Übergewicht, Kopfschmerzen sowie Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und emotionale Einsamkeit sind nur einige mögliche Folgen von digitalem Stress. Wo hört die digitale Unabhängigkeit auf und ab wann beginnt die Sucht?

Grundlage des Präventionsprojektes vor digitalem Stress “Immer online – nie mehr allein?” bzw. “DIGI CAMPS – Life in Balance” ist ein gemeinsames Projekt der Krankenkasse BARMER und BG3000 in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland. Ziel des interaktiven Bildungsformats ist es, Chancengleichheit und digitale Bildung für alle Kinder voranzutreiben. Erfahrene Referenten aus der Jugendarbeit und dem Gesundheitswesen, Experten aus der Wirtschaft sowie junge Profis aus der Praxis geben Einblicke in ihre Arbeit.

An der CvO war z.B. die Bloggerin Laura Brodda (http://allthatchoices.com) mit von der Partie, die den Kindern im Workshop “Bloggen, wie es dir gefällt” zeigte, wie man einen eigenen Blog zu einem selbst gewählten Thema erstellt, worauf man bei der Gestaltung achten sollte und welche Nutzungsbedingungen man unbedingt beachten muss, wenn man sich Bildmaterial aus dem Internet sucht. Wir haben einigen Schülern über die Schulter geguckt und waren beeindruckt von der Kreativität der jungen WorkshopteilnehmerInnen.

Auf dem Schulhof ging es währenddessen aktiv zu. Die Schülerinnen und Schüler des Workshops “Instagram entdecken” hatten die Aufgabe, Instagram-Fotos/Stories u.a. zum Thema “(Anti)-Mobbing” zu erstellen. Hier konnten wir auch einige Feedbacks der Schüler zum DIGI CAMP einfangen, die durchweg positiv waren. Weitere Workshops waren u.a. “iPads & Co.” und “Prezi – Powerpoint war gestern”.

Das Mindestalter von Instagram, Snapchat, TikTok, Facebook und Twitter liegt bei 13 Jahren, YouTube und Whatsapp setzen 16 Jahre voraus. Das Alter wird bei der Anmeldung abgefragt, wirklich kontrolliert wird es nicht. Nico Huber, Vertriebsbeauftragter bei der BARMER, erklärte im Gespräch: “Die Nutzung von Instagram, TikTok & Co. beginnt für die meisten Jugendlichen mit einem Betrug, da sie bei der Angabe ihres Alters schwindeln. Wenn alle Freunde dort aktiv sind, fühlen sich viele Kinder unter Druck gesetzt, dort auch mitzumachen. Hier müssen dann die Eltern unbedingt reagieren und die Kinder im Vorfeld über die Gefahren der digitalen Welt so gut es geht aufklären.”

Dass das DIGI CAMP an der CvO Halt machte, war sowohl für die SchülerInnen als auch für die LehrerInnen ein Glücksgriff: “2019 stimmte der Bundestag dem Digitalpakt für Schulen zu und stellte fünf Milliarden Euro für die digitale Ausstattung unserer Bildungseinrichtungen bereit. Damit hat Schule nicht mehr nur die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler auf ein selbstständiges, selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben vorzubereiten, sondern auch im Bereich der Medienerziehung eine große Verantwortung. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, sind wir froh, dass das DIGI Camp uns die Möglichkeit bietet, durch ausgewählte Workshops unseren Unterricht und Projekte sinnvoll zu unterstützen und unseren Schülerinnen und Schülern Gefahren und Chancen der Mediennutzung aufzuzeigen.”

Jede Generation sucht sich ihr Medium, wo sie sich frei bewegen kann. Früher traf man sich in Chatrooms, dann aktivierte man einen Account bei studiVZ, wechselte dann aber schnell zu Facebook. Als die jungen Leute merkten, dass sich bei Facebook eher die “Älteren” herumtummeln, zogen sie weiter zu Instagram. Haben wir noch gelernt, Bilder für die Ewigkeit zu machen, macht die heutige Jugend sie nur noch für den Augenblick. Die App Snapchat wirbt mit dem Slogan “Die schnellste Art, einen Moment zu teilen”. Kaum ist der Moment mit einem Bild geteilt, verschwindet er auch schon wieder.

Die moderne Technik und die damit verbundenen unzähligen digitalen Möglichkeiten bringen Erwachsene schnell an ihre Grenzen. Doch anstatt die Augen davor zu schließen und die digitale Revolution zu verteufeln, sollten wir – vor allem in Hinblick auf unsere Kinder – auch immer versuchen, möglichst “up to date” zu sein. Um auch die Lehrer an der CvO digital fit zu machen, gibt es Überlegungen für ein DIGI CAMP für Erwachsene. Die Anmeldung hierfür läuft bereits.

Wenn das Modem damals trotz minutenlangem krächzenden Einwählen keine Verbindung zum worldwideweb herstellen konnte, haben wir uns offline eine Beschäftigung gesucht. Heute gibt es eigentlich überall Internet. Fluch und Segen zugleich. (wsw)