Dominik Henning ist Azubi des Monats März

Zusammen aufwachsen, Kindheitserinnerungen miteinander teilen und immer verbunden zu sein – das sind Geschwister. Doch kann es funktionieren, dass der große Bruder den kleinen ausbildet? Kann es. In der Helektron Elektrotechnik in Werder (Havel) treten Unternehmenschef Maximilian Henning und sein Auszubildender Dominik den Beweis an.

v.l.: Maximilian und Dominik Henning mit Andreas Körner-Steffens (HWK), Fotos: wsw

Werder (Havel), 31. März 2021 – Mama Christiane Henning ist stolz: Auf Sohn Maximilian, der seit 2018 Geschäftsführer seiner eigenen Firma Helektron Elektrotechnik ist, und auf Sohn Dominik, der von der Handwerkskammer Potsdam zum Azubi des Monats März ausgezeichnet wurde. Eine Erfolgsgeschichte, die im Kinderzimmer der beiden Brüder ihren Anfang nahm.

Als wir am 23. März gemeinsam mit Andreas Körner-Steffens von der Handwerkskammer Potsdam die Räumlichkeiten der Helektron Elektrotechnik in der Vulkan-Fiber-Fabrik am Bahnhof betreten, ahnt Dominik Henning noch nichts. Eigentlich sollte er an diesem Tag auf einer Baustelle in Berlin unterwegs sein, aber sein Bruder und Ausbilder Maximilian lockte ihn an dem Dienstag unter einem Vorwand in die Firmenzentrale. 

Der 24-Jährige wusste nicht, dass sein 28-jähriger, großer Bruder ihn für den „Azubi des Monats“ vorgeschlagen hatte, zuvor hatte dieser sich mit Mama Christiane Henning beraten, die als Assistentin der Geschäftsleitung ebenfalls in dem Familienbetrieb tätig ist. Beide waren sich sofort einig: Dominik wäre genau der richtige für diese besondere Auszeichnung, die die Handwerkskammer seit Juli 2014 an Auszubildende verleiht, die durch ihr herausragendes Engagement überzeugen.

Dass Handwerksbetriebe über Generationen hinweg Bestand haben und oftmals auch durch mehrere Familienmitglieder betrieben werden, ist in der Branche nicht unüblich. Aber dass der große Bruder den kleinen Bruder ausbildet, ist doch etwas besonderes. Man wächst zusammen auf, teilt Kindheitserinnerungen miteinander und fühlt sich dem anderen immer verbunden – doch hält das Geschwisterband auch eine berufliche Zusammenarbeit aus? „Uns verbindet seit der Kindheit ein gesunder brüderlicher Wettkampf“, erklärt Helektron-Geschäftsführer Maximilian schmunzelnd. Er selbst hat 2014 seine Meisterausbildung abgeschlossen – mit gerade einmal 21 Jahren und mit Auszeichnung.

Vor drei Jahren gründete Maximilian dann die Helektron Elektrotechnik in Werder (Havel) und war mit gerade einmal 25 Jahren Unternehmenschef: „Zur Zeit beschäftigen wir 15 Festangestellte und 30 Leiharbeiter – doch da ist noch Luft nach oben. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitarbeitern.“

Eine weitere Säule für Wachstum schafft die Ausbildung des jüngsten Henning-Sprosses. Und diese Ausbildung klappt so gut, dass Dominik, der aktuell im dritten Lehrjahr lernt, sich nun Azubi des Monats März 2021 nennen darf. Sein Ehrgeiz kommt nicht von ungefähr. Die beiden Brüder lebten längere Zeit zusammen in einer Wohngemeinschaft in Potsdam und oftmals lernten sie gemeinsam bis tief in die Nacht

Schon sehr früh baute der Werderaner Computer auseinander und wieder zusammen. Technik faszinierte ihn von klein auf und begleitete ihn durch seine schulischen Jahre. Mit dem Technikabitur, bei dem Mathematik und Technik mit erhöhten Anforderungen im Fokus standen, legte er praktisch den Grundstein auch für eine Ausbildung zum Beruf des Elektronikers. Zunächst wählte er jedoch den Weg des Studiums. Mehrere Semester BWL und Mathematik brachten ihm allerdings nicht die Erfüllung und ließen den damaligen Studenten seine Entscheidung in Frage stellen.

„Dominik begleitete natürlich auch schon als Student den Aufbau unserer Firma, zunächst im Büro, später auch auf den Baustellen. Dabei reflektierte er logischerweise auch seinen eigenen Werdegang und hinterfragte, ob die Gesellschaft den x.ten Betriebswirtschaftler wirklich brauche oder doch besser Menschen, die anpacken und mit ihrer Arbeit gestalten. Und so kam es, dass er sich für eine Ausbildung und den Beruf des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik entschied. Ich habe mich gefreut“, erinnert sich Chef, Ausbilder und Bruder Maximilian Henning.

Also gab Dominik das Studium auf und startete ab September 2019 richtig durch. Auf Grund seiner Leistungen und des Abiturs in der Tasche stieg er sofort ins zweite Lehrjahr ein. Schnell fand er seinen Platz im Unternehmen und in der Berufsschule, dem OSZ Technik Teltow. Als Klassenbester wird er von seinen Klassenkameraden auch für die vielen Fachgespräche geschätzt.  

Mit seinem Wissen steht er inzwischen auch den beiden weiteren Auszubildenden des Unternehmens zur Seite. Wie groß sein Ehrgeiz ist, zeigte auch die Vorbereitung auf seine eigene Zwischenprüfung: In seiner Freizeit übte er so lange an einer eigens für die Auszubildenden im Unternehmen errichteten Übungswand, um seine Installationskenntnisse zu festigen und zu optimieren, bis auch das kleinste Detail saß.

Doch nicht nur in seiner Ausbildung gibt der 24-jährige sein Bestes. Auch gesellschaftlich will er sich einsetzen. Ihm ist es wichtig, dass Menschen gerecht behandelt werden und niemand benachteiligt wird. Auch deshalb möchte er nach der Ausbildung am OSZ Teltow ein Tutorium leiten. In diesem Rahmen unterstützt er dann andere Schülerinnen und Schülern bei ihrer Prüfungsvorbereitung.

Beruflich stehen die Zeichen für Dominik ebenfalls auf Grün. Auf Grund seiner außergewöhnlichen Leistungen wird Dominik seine Ausbildung im Sommer 2021 frühzeitiger beenden, denn der Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Gesellenprüfung wurde von der Elektro-Innung Potsdam genehmigt. Im Familienunternehmen kann er sich selbst nach seiner Lehre und den Betrieb gemeinsam mit seinem Bruder weiterentwickeln. Und dabei steht ganz sicher auch der Meisterabschluss auf der Agenda.

„Wir können privates und berufliches ganz gut trennen“, versichert Firmenchef Maximilian Henning, und Mama Christiane ergänzt mit einem Zwinkern: „Als Kinder hatten sie sich aber öfter mal in den Haaren! “ (wsw, hwk)