Ein Leben in Bildern

Nach 20 Jahren künstlerischen Schaffens möchte Oda Schielicke nun etwas kürzertreten. / Offenes Atelier am 20. Oktober

Werder (Havel), 15. Oktober 2019 – Einen bestimmten Stil oder eine bestimmte Technik werden Kunstfreunde im Atelier der Künstlerin Oda Schielicke in den Havelauen nicht finden, denn in den Bildern steckt viel mehr als nur Pinselstriche. „Jedes meiner Werke spiegelt mein Inneres oder einen Lebensumstand, in dem ich mich gerade befinde, wider“, erklärt sie mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Die Künstlerin strahlt vor Lebensfreude, hat zu jedem Thema eine flotten Spruch auf den Lippen und schaut, trotz von Krankheit geprägtem Start ins Jahr 2019, positiv und freudig in die Zukunft.

Ihre Ateliergalerie in den Havelauen, der Ort, den sie seit vier Jahren mit Kunst belebt, sie dort erschaffen und auch anderen Künstlern als Plattform geboten hat, wird am Monatsende ihre Türen schließen. Kunst gab es hier nicht nur in Form von Gemälden. Zwischen den wechselnden Ausstellungen begegneten sich hier auch immer wieder Menschen bei Lesungen, Kabarett-Abenden und Konzerten. 

Ihre künstlerische Laufbahn begann Oda bereits vor 20 Jahren in Caputh. Hier hat sie sich durch viele nationale und internationale Aktivitäten einen Namen gemacht. Bis in Galerien in New York und Kaliningrad haben es ihre Werke geschafft. „Es war eine schöne, produktive Zeit mit vielen interessanten Begegnungen, mit Höhen und Tiefen, mit Erfolgen und Durststrecken“, erzählt sie weiter. 

Ihre Begeisterung und Kreativität konnte Oda auch an viele kleine und große Künstler vermitteln und lehren, die ihr auch heute noch die Treue halten. Man hatte gemeinsam viel Spaß. Wer Oda erlebt, glaubt sofort, dass ihre Freude an der Kunst ansteckend ist und dass eben diese Freude etwas ist, das bleibt!

Nicht nur Kreativität, sondern auch viel Fleiß und Ausdauer gehören zu einem erfolgreichen Künstler. Wenn jedoch durch gesundheitliche Gründe die Kraft nachlässt, muss man loslassen können und leichtere Dinge tun. „Die Zeit ist nun reif für meine eigene Malerei. Ich werde zwar die Räume in den Havelauen verlassen, aber ich werde mir meinen eigenen Freiraum schaffen, mit neuen Ideen, Gedanken und Bildern. Mich zurückzuziehen, bedeutet für mich nicht aufzuhören. Jede Nische, jeder Raum, jeder Platz mit Sonne, Licht und Schatten werden mir reichen, meine Staffelei aufzustellen oder meinen Skizzenblock zu zücken.“ Werder zu verlassen, kommt Oda dabei nicht in den Sinn, hier habe sie, neben ihren Caputher Weggefährten, auch viele neue Freunde gefunden, für die sie sich nun mehr Zeit nehmen will. 

Wer noch einmal die Gelegenheit nutzen möchte, in ihrem Atelier zu stöbern, ist am 20. Oktober recht herzlich auf Kaffee, Kuchen und ein Glas Wein eingeladen, bevor das Licht an der Hafenpromenade ausgeht. Über die frei gewordene Zeit von Oda Schielecke freuen sich sowohl die beiden Atelierhunde Friedrich und Toni, als auch die neunjährige Enkelin, die die Kreativität der Oma geerbt hat und irgendwann vielleicht mal in ihre bunten Fußstapfen treten wird. (wsw)