Ein süßer Apfel muss noch lange nicht schmecken

Werder (Havel), 9. April 2020 – Das meint die Autorin Ingeborg Lauwaßer in ihrem neuesten Kochbuch. Es liegt in der Luft, mit dem Beginn des Frühlings heißt es, den Wintermief abstreifen und ab in den Schrebergarten. Früher war er der Inbegriff von Spießigkeit, heute scheint jeder Zweite den Wunsch nach grüner Idylle zu verspüren.

Unser Zeitgeist ist mehr denn je vom Wunsch nach einem gesunden Leben erfüllt. Dabei bedeutet es nicht, faul auf dem Rasen zu liegen. Das eigene Fleckchen Erde verspricht auch eine Art Rettung: In Krisenzeiten kann man sich notfalls mit Kartoffeln, Gemüse und Obst versorgen. Schon die Vorstellung, man könnte sich aus eigener Hände Arbeit beköstigen, hat etwas Beruhigendes. Da spielt es keine Rolle, ob zu groß, zu klein, zu krumm oder zu unförmig! Krummes und Unförmiges schmeckt lecker, denn im Gemüsebeet herrscht Anarchie. Der Natur ist es nämlich schnurz, ob Gemüse oder Obst irgendwelchen Normen oder Standards entspricht. Wer im Garten selber Obst und Gemüse anbaut, weiß das. Da wachsen Tomaten, die aussehen, als hätten sie eine Nase, Karotten umarmen sich gegenseitig und knubbelige Kartoffeln sind auch keine Seltenheit.

Im kommerziellen Gemüseanbau ist das nicht anders. Dort wird jedoch alles, was zu klein, zu groß oder zu krumm ist, aussortiert und wandert nicht in den Verkauf, sondern wird an Tiere verfüttert, untergepflügt oder (leider) teilweise sogar entsorgt. Das geht so nicht, man kann auch aus krummem und unförmigem Obst und Gemüse etwas Köstliches zaubern, gerade wenn es vom eigenen Acker kommt. Wer sein eigenes knackiges Gemüse erntet oder frisches auf dem Markt einkauft, schmeckt den Unterschied. 

Die einfachen Freuden im Grünen – wir finden sie, auch ohne eigenes Land zu besitzen. Hochbeetkästen sind eine Alternative. Gibt es ein natürliches Bedürfnis, in der Erde zu wühlen, sich am Wochenende mit Ohrenkneifern und Blattläusen herumzuschlagen, um am Montag mit schwarzen Fingernägeln wieder im Büro zu sitzen? Unbedingt! Mit Kind und Kegel auf dem Land und in der Natur finden Sie zu Ihren Wurzeln zurück. 

Fett galt jahrelang als größtes Übel, doch mittlerweile wissen wir, die eigentlichen gefährlichen Dickmacher sind Kohlenhydrate und Zucker. Gesundes Essen, gesunde Umwelt – haben Sie auch schon mal daran gedacht, einfach weniger Fleisch zu essen? Weil auch Sie der Meinung sind, dass das besser ist für die eigene Gesundheit, die Umwelt und die Tiere sowieso? Bei unseren Vorfahren kam Fleisch recht selten auf den Tisch, dafür mehr  Obst und Gemüse vom eigenen Acker. Man wusste sich mit allerlei Kräutern und Heilpflanzen selbst zu helfen – sanfte Alternativen aus der Natur. Seit Jahrhunderten ist Werder durch seinen Obstanbau bekannt und wurde zu Recht als die Obstkammer Berlins bezeichnet. Das milde Klima, heller, lehmiger Sandboden – ideale Voraussetzungen für eine riesige Sortenvielfalt. So waren es vor allem Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Johannis- und Stachelbeeren sowie Him- und Erdbeeren, die das Gebiet um Werder bekannt machten. Den blühenden Obstbäumen verdankt Werder seinen Beinamen „Blütenstadt“.  

In dem Buch “Ein süßer Apfel muss noch lange nicht schmecken” mit seinen frischen und vielseitigen Rezepten für eine gesunde Ernährung erfahren Sie auch etwas über Werders Kirschadel, essbare Schönheiten, dem Gold der Wiese, und vieles mehr. Das 155 Seiten starke Buch mit zahlreichen Fotos kostet 12 Euro und ist bei Amazon ISBN 978-3-9821772-0-5 oder über www.Havel-Kuenstler.de erhältlich.