Eine ruhige Kugel schieben?

Nicht mit Lennart Stoof! Der Zehnjährige wurde aufgrund seiner herausragenden Leistungen in den Beobachtungskader des Deutschen Bohle-Kegel-Verbandes berufen

Werder (Havel), 5. November 2021 – „Eigentlich muss man nur die Kugel halten und geradeaus laufen können – wobei letzteres meist gar nicht so einfach ist“, erklärt uns Ronny Gutschmidt die Grundvoraussetzungen für den Start einer Keglerlaufbahn. Wir sind zum Training der Nachwuchskegler des KSC Victoria 77 Neu-Plötzin e.V. eingeladen und können uns in den Räumlichkeiten in der Adolf-Damaschke-Straße von dem Können der Jungen und Mädchen im Alter zwischen sieben und zehn Jahren überzeugen.

Unser Augenmerk liegt dabei besonders auf Lennart Stoof. Der Zehnjährige wurde aufgrund seiner herausragenden Leistungen in den Beobachtungskader des Deutschen Bohle-Kegel-Verbandes berufen. Schaut man dem Fünftklässler beim Kegeln zu, merkt man schnell, dass Kugelhalten und Geradeauslaufen allein nicht genügen: Konzentration, Ehrgeiz und eine große Portion Talent sind ebenso wichtig, um die Kunststoffkegel am Ende der Bahn zielgenau zu treffen.  

Das Talent wurde dem zehnjährigen Werderaner in die Wiege gelegt: Sein Vater Dietmar Stoof kegelt erfolgreich beim SV 90 Fehrbellin e.V. in der Kegelbundesliga, wo auch Lennart im Hintergrund begann, die ersten Kugeln zu schieben. Klar, dass Lennarts kleiner Bruder Niklas mit seinen sieben Jahren auch vom Kegel-Fieber erwischt wurde und in die Fußstapfen seines Papas und großen Bruders treten möchte.

Lennart kegelt bereits seit vier Jahren. „Als ich mit dem Kegeln angefangen habe, habe ich die Kugel noch mit zwei Händen über die Bahn geschoben“, erinnert sich der junge Werderaner lachend. Heute hat er die richtige Technik bereits perfektioniert und verinnerlicht, und er weiß, dass das Aufwärmen und das Ausdehnen beim Training ganz besonders wichtig sind: „Sonst bekommt man wirklich großen Muskelkater!“ 

Die Nachwuchskegler des KSC Victoria 77 Neu-Plötzin e.V. sind zur Zeit zu fünft. Gespielt wird mit einer kleineren Kugel als sie die Erwachsenen nutzen, und bei jedem Wurf ist es das Ziel, sechs Kegel zu erwischen. Jeder Kegel, der zusätzlich fällt bzw. stehen bleibt, wird gezählt. Beim Training haben die Nachwuchsspieler jeweils 100 Kugeln geschoben, 25 Kugeln pro Bahn. Am Ende stand auf Lennarts Anzeigetafel als Summe 682, das macht ein Plus von 82 Kegeln – eine beachtliche Leistung! 

Solche Trainingsergebnisse und auch die Ergebnisse von Wettkämpfen, die in der letzten Zeit jedoch nur wenig stattgefunden haben, werden an die Landesjugendtrainer übermittelt. Diese wiederum melden dann besonders sportlich erfolgreiche Kandidaten an den Bundestrainer. Insgesamt werden zehn Spieler für den Beobachtungskader ausgewählt – und Lennart ist in diesem Jahr einer von ihnen! Bis Juni nächsten Jahres werden Lennarts Trainings- und Wettkampfergebnisse nun notiert und mit etwas Glück und Talent wird er am Ende eines von acht Nachwuchstalenten sein, die in einem Trainingslager nochmal ihr Können unter Beweis stellen. Die fünf Besten von ihnen werden dann in die U14 Nationalmannschaft aufgenommen. 

Dass KSC Victoria 77 Neu-Plötzin e.V. eine Kegler-Erfolgsschmiede ist, beweisen die Ergebnisse aus vergangenen Jahren: So war zum Beispiel die Frauenmannschaft der Neu Plötziner Kegler 2018 Landesmeister, Aaron Sandow – Neffe des Vereinsgründers Udo Sandow – war Mitglied in der U14-Nationalmannschaft, Ausnahmetalent Jonathan Jaeger war 2013 und 2018 Deutscher Meister und spielt heute ebenfalls erfolgreich in der Kegelbundesliga.

Dort möchte Lennart in der Zukunft auch gerne spielen: „Ich möchte wie mein Papa Polizist werden und auch irgendwann in der Kegelbundesliga erfolgreich sein.“ Bis dahin wird der Zehnjährige, der die Grund- und Oberschule Carl-von-Ossietzky besucht, noch einige Kugeln schieben, doch wenn er sich die Begeisterung für den Kegelsport bewahrt, werden wir wahrscheinlich noch einiges von Lennart hören. 

Als wir uns verabschieden, steckt gerade ein Mädchen ihren Kopf durch die Tür – sie möchte gerne einmal beim Training mitmachen. Udo Sandow verrät: „Interessierte können dreimal ein Schnuppertraining bei uns mitmachen. Wir freuen uns immer über Nachwuchsspieler, aber natürlich auch über Erwachsene, die mit uns kegeln möchten. Und natürlich sind auch Sponsoren immer willkommen.“ (wsw)