Eine Stimme, die im Gedächtnis bleibt

Der Schauspieler und Off-Sprecher Martin Baden ist am 1. Januar 2019 im Tatort "Der höllische Heinz" zu sehen / Seine Kindheit verbrachte der 35-Jährige in Werder

Schauspieler und Off-Sprecher Martin Baden besuchte uns in unserem Büro auf der Insel, Foto: wsw

Werder (Havel), 27. Dezember 2018 – Es nehmen ja nun nicht so oft Schauspieler und erfolgreiche Sprecher auf dem Sofa in unserem Büro auf der Insel Platz. Umso gespannter waren wir auf den Besuch von Martin Baden, der an einem grauen Novemberfreitag Zeit für uns hatte. “Ich bin gerade auf dem Weg zu meinem Papa, um meine Winterreifen zu wechseln”, verrät uns der 35-Jährige. Sein Vater ist der bekannte Off-Sprecher Olaf Baden, der den meisten als Stimme von “Panda, Gorilla & Co.” und “Fakt” bekannt ist.

Doch an diesem Freitagmorgen galt unser Interesse ausschließlich Martin Baden, der das Gespräch mit einer tollen Nachricht eröffnete: “Am 1. Januar 2019 bin ich in einer Hauptrolle im Tatort neben Christian Ulmen und Nora Tschirner zu sehen. Als Einstimmung auf das Tatortjahr 2019 wird ‘Der höllische Heinz’ am Neujahrsdienstag ausgestrahlt als eine Art ‘Eventtatort’ im Westernformat.”

Das ist nicht der erste Tatort, in dem Martin Baden mitwirkt. Bereits im September dieses Jahres wurde “Tiere der Großstadt” mit ihm ausgestrahlt. In seiner Schauspiel-Vita findet man zudem Rollen in dem Til-Schweiger-Movie Klassentreffen 1.0, beim Großstadtrevier, beim Polizeiruf und vielen weiteren. 

Der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist er durch seine Rolle als Nils Hoffmann in der Erfolgsserie “Unter Uns” von Januar 2011 bis Dezember 2012. “Ich wurde damals oft auf der Straße erkannt. Viele Menschen haben sich gefreut, ein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen anzutreffen. Nur den meist jungen Männern mit dicken Armen war es nach dem ersten euphorischen ‘EEEY, DU BIST DOCH DER NILS!’ dann doch irgendwie peinlich, dass sie sich als Soap-Gucker geoutet haben”, erinnert sich Martin. Für ihn war es damals nicht leicht, so einen problembehafteten Charakter wie Nils zu spielen. “Die Drehs waren reine Fließbandarbeit. Und wenn man dann noch jemanden spielt, der seine Aggressionen nicht unter Kontrolle hat, macht das was mit einem.” Nach zwei Jahren entschloss er sich, dass seine Rolle aus der Serie herausgeschrieben werden soll. Das muss man sich mit Ende 20 erstmal trauen, eine bekannte Serie von sich aus zu verlassen! Geholfen hat ihm hierbei sein zweites, sehr erfolgreiches Standbein, die Off-Sprecherei. Doch beginnen wir beim Anfang…

Geboren ist Martin am 18. Juli 1983 und aufgewachsen ist er in Groß Kreutz, bis er gemeinsam mit seiner Familie 1992 nach Glindow zog. Nachdem er die Grundschulzeit an der Waldorfschule in Werder (Havel) verbrachte, wechselte er zur siebenten Klasse an die Eliteschule des Sports nach Potsdam. “Die staatliche Schule war eine völlig neue Welt für mich. Ich wurde mit den ganzen Klischees über Waldorfschüler konfrontiert, bis ich selbst daran geglaubt habe, nicht so clever wie meine neuen Mitschüler zu sein. Ehrgeizig wie ich bin, habe ich mich dann einfach noch mehr angestrengt und siehe da, plötzlich war ich Klassenbester. Soviel zum Singen und Klatschen”, erinnert sich Martin lachend. Nach seinem Abitur 2003 besuchte er einen Stunt Workshop der Babelsberg Action Unlimited Productions sowie den Workshop “Talents getting started” an der ISFF Berlin bevor er von 2005-2008 an der Schauspielschule “Der Kreis” (Fritz-Kirchhoff-Schule) in Berlin seine Ausbildung machte. Im Jahr 2009 besuchte er den Lehrgang “Camera Actors Studio” an der ISFF Berlin.

“Ich wusste schon früh, dass ich in die Medienbranche möchte”, berichtet Martin. “Die einzige Bedingung für mich war, bloß nicht das zu machen, was mein Vater macht.” Doch wie sagt man so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Als der kleine Martin in der Schulzeit wenig Begeisterung und Talent fürs Vorlesen zeigte, hatte ihm sein Vater schon früh immer wieder Texte gegeben, die er laut vortragen sollte. “Das war zugegeben ganz schön nervig, aber so habe ich nicht nur meine Vorlesefähigkeiten verbessert, sondern habe mir so auch meinen brandenburgischen Dialekt abgewöhnt.” Der Grundstein für seine heutige Karriere war also gelegt. Als Ende der 1990er-Jahre die Camcorder den deutschen Markt erreichten, zog es den damals 14-Jährigen Martin immer öfter vor und hinter die heimische Kamera. Bei einer Hausparty 1999 zog er mit seinem Camcorder umher, um seine Gäste zu filmen, doch seine Freunde waren eher schüchtern und kamerascheu. Also musste er selbst vor die Kamera und amüsierte sich prächtig über sich selbst. “Ich glaube da habe ich zum ersten Mal gewusst, dass ich später beruflich vor einer Kamera arbeiten möchte”, erinnert sich Martin.

Doch bevor er seine Schauspielkarriere ausbauen konnte, fasste Martin als Off-Sprecher beruflich Fuß. Seine tiefe, männliche Stimme sorgte nicht nur bei uns während des Gesprächs für Begeisterung, sondern überzeugte bisher auch schon zahlreiche Firmen. Die Liste der Produktionen, in denen Martins Bass-Stimme bereits im Einsatz war, ist lang. Hervorzuheben sind unter anderem Werbespots, Imagefilme und Dokumentationen für VHV-Versicherungen, Renault, TerraX, The Voice of Germany und L’Oréal. “Hauptsächlich arbeite ich in verschiedenen Tonstudios in Berlin, ich bin aber auch in München und Hamburg unterwegs oder arbeite in dem Tonstudio in meinem Elternhaus in Glindow. Durch die sichere Einnahmequelle als Off-Sprecher konnte ich mich in meiner Schauspielkarriere freier verwirklichen.”

Seine Schauspielrollen sind meist problemhafte Charaktere. So spielte Martin zum Beispiel im letzten Teil der von Das Erste 2016 ausgestrahlten Doku-Drama-Trilogie “Mitten in Deutschland: NSU” den Neonazi Jonas Breiling, der dem Verfassungsschutz als V-Mann Informationen übermittelt. Die erfolgreiche Produktion wurde 2016 mit dem Deutschen Fernsehpreis und 2017 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. “Man taucht als Schauspieler komplett in seine Rolle ein und gerade das Spielen von schwierigen Charakteren hat auch einen Einfluss auf einen selbst. Wie man damit umgeht, musste ich im Laufe der Zeit erst lernen. In den vergangenen Jahren bin ich entspannter und freier geworden und kann recht gut reflektieren, wer ich bin. Das hat auch einen Einfluss auf die Rollen, die mir angeboten werden. So war ich letztens zum Beispiel bei einem Casting für die Rolle eines Oberarztes. Daran war in Zeiten, als ich Unter-Uns-Schauspieler war, noch nicht zu denken. Mein Traum ist die Verkörperung eines eigenen Seriencharakters, wie Christoph Maria Herbst als Stromberg. Es soll am besten etwas Skurriles sein mit viel Humor. Vielleicht findet sich ja jemand, der mir die passende Rolle auf den Leib schreibt”, verrät Martin augenzwinkernd.

Die Nähe zum Wasser schätzt der sportbegeisterte 35-Jährige ganz besonders, Foto: Urban Ruths

An seine Kindheit in Werder hat Martin nur schöne Erinnerungen. Die beste Zeit erlebte er damals auf “seinem” Abenteuerspielplatz, den Glindower Alpen. Und auch das Erkunden der ehemaligen Russenkasernen in den Havelauen sorgte bei ihm und seinen Freuden für puren Nervenkitzel. Besonderen Eindruck hat jedoch sein Ferienjob nach dem Abitur im Inselparadies Petzow hinterlassen. “Ich habe von 2003 drei Sommer lang dort als Betreuer gearbeitet und die Zeit war einfach klasse! Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hat mir gezeigt, dass mein Einsatz einen positiven Einfluss auf die Kids hat. Ich habe Verantwortung für die Ferienkinder übernommen und dabei auch sehr viel über mich gelernt.”

Wer Martin Baden gerne einmal privat sehen möchte, kann auf der Baumblüte sein Glück versuchen. “Seit meinem 14. Lebensjahr war ich bis auf ein, zwei Ausnahmen jedes Jahr bei der Blüte. Die ersten Jahre tummelte ich mich noch auf dem Rummelplatz, bis es dann mit der Zeit an die Regattastrecke bis hin zum Marktplatz ging. Die letzten Jahre war ich eher in den Gärten unterwegs. Man wird ja doch älter und genießt dann eher die Ruhe.”

Heute wohnt Martin Baden gemeinsam mit seiner Freundin und zwei Katzen in Babelsberg. “Potsdam war ein guter Kompromiss. Ich habe lange Zeit in Berlin gelebt, da war es mir auf Dauer aber zu stressig. Ich habe auch nach einer Wohnung in Werder gesucht, bin aber nicht fündig geworden. Babelsberg bietet eine gute Anbindung an Berlin – da muss ich ja oft beruflich hin, liegt aber auch nah an meinen Eltern, die ich immer wieder gerne besuche. Außerdem wohnt mein jüngerer Bruder auch in Potsdam. Also bin ich mit der Kompromisslösung ganz zufrieden.”

Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei Martin Baden für seine Zeit und Offenheit bedanken und wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft nur das Beste. Den Tatort am 1. Januar werden wir auf jeden Fall anschauen! (wsw)


Auszug aus der Pressemappe “TATORT: Der höllische Heinz”:
Gespräch mit Schauspieler Martin Baden

In „Der höllische Heinz“ spielen Sie Nick Kircher, den Anführer des Motorradclubs. Wie würden Sie ihn beschreiben?
Nick ist ein absolut spannender Charakter. Trotz seiner vielen Fehlbarkeiten hat er es geschafft, sich den Respekt einer ganzen Rocker-Mannschaft zuverdienen – das finde ich bemerkenswert.

Nick kämpft um die Anerkennung seiner Mutter Ellen Kircher, die ihn als Kind ins Heim gegegeben hat und ihn ständig zurückweist. Ist er zu belächeln oder zu bemitleiden?
Dieses Loch in sich wird Nick nie füllen können. Ohne die Liebe der Mutter aufzuwachsen, ist definitiv hart. Ich denke, er sollte einfach mal in den Arm genommen werden.

„Der höllische Heinz“ ist nicht Ihr erster Tatort. Was ist das Besondere an diesem Format für Sie? Wie haben Sie die Arbeit am Weimarer Set empfunden?
Den „höllischen Heinz“ mit anderen Tatorten zu vergleichen, würde mir schwer fallen. Hier eröffnet sich uns eine „Wild-West-Welt“ mit tierisch tollen Typen. Dass so einige der Macher mit Spencer-Hill Filmen aufgewachsen sind, lässt sich unschwer erkennen. Ich habe mich am Set sehr wohl und verstanden gefühlt.

Martin Baden als Nick Kircher im Tatort "Der höllische Heinz", Foto: Anke Neugebauer