Einladung zum „Bürgerdialog“

Im Schützenhaus am Mittwoch, dem 5. September - miteinander ins Gespräch kommen. Zu Gast sind die Bürgermeisterin Manuela Saß und Pfarrer Georg Thimme

Werder (Havel), 30. August 2018 – Eine der vielen Veranstaltungen innerhalb der Aktionswoche „Weltoffenes Werder“ lädt alle Werderanerinnen und Werderaner zum „Bürgerdialog“ ein. Am Mittwoch, dem 5. September, beginnt dieser Dialog mit den Bürgern um 19 Uhr im Schützenhaus in der Uferstraße.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß und Pfarrer Georg Thimme werden zum Thema „Toleranz als Kitt der Gesellschaft“ sprechen. Wie ein Miteinander unterschiedlicher Ansichten, Lebenseinstellungen und Sitten in unserer Stadt Werder (Havel) im Miteinander in Gesellschaft und Politik gelingen kann, soll dann mit den Gästen der Veranstaltung diskutiert werden.

Werders Bürgermeisterin Manuela Saß. Foto: Stadt Werder (Havel)

Bürgermeisterin Manuela Saß

Was bedeutet für Sie persönlich das Wort „Toleranz“?
Andere Menschen mit ihren Meinungen und Handlungen akzeptieren zu können, auch wenn es einem vielleicht nicht so sehr gefällt, das ist Toleranz in meinen Augen. Toleranz heißt für mich auch, Menschen so gegenüberzutreten, wie ich es selbst von ihnen erwarte. Das ist nicht immer große Politik, sondern beginnt in der Familie, der Nachbarschaft oder im Arbeitskollegium.

Kann man Toleranz lernen? Wie?
Man muss sie sogar lernen, muss in sich hinein horchen, wie strapazierbar die eigene Toleranz ist. Da sind wir alle jeden Tag gefragt. Auf der anderen Seite kann ich von meinem Gegenüber Respekt und Rücksichtnahme verlangen.

Ist es nicht manchmal zu einfach, zu behaupten, man sei tolerant – ist es nicht vielmehr wichtiger, zu diskutieren und dabei vielleicht auch mal festzustellen, dass man komplett anderer Meinung ist?
Natürlich gehört es zur Toleranz, komplett andere Meinungen anzuhören. Tolerante Menschen, die sich zuhören können, finden bei einem solchen Austausch vielleicht sogar Gemeinsamkeiten in ihren Positionen und nähern sich an. Die reden gar nicht viel über Toleranz. Meine Erfahrung ist sogar, dass diejenigen, die am lautesten Toleranz einfordern, manchmal selbst nicht unbedingt die Tolerantesten sind.

Angesichts des kommenden Zuzugs von Geflüchteten nach Werder: Wie kann man Ihrer Meinung nach bei den Werderanern das Interesse für andere Kulturen wecken?
Ich glaube, dass das Interesse für andere Kulturen bei vielen Werderanern bereits sehr ausgeprägt vorhanden ist, allein schon durch Urlaubsreisen. Andererseits leben sehr viele Werderaner vom Fremdenverkehr. Dass wir in unserem Erholungsort tolle Gastgeber sind, hat eine sehr lange Tradition. Je mehr man von anderen Menschen weiß, desto leichter wird es, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Fehlende Information und Unwissenheit nährt hingegen die Angst vor dem Fremden.

Warum sollten die Werderanerinnen und Werderaner die Veranstaltung „Bürgerdialog – Toleranz als Kitt der Gesellschaft“ besuchen?
Weil es wichtig ist, nicht nur tolerant zu sein, sondern auch darüber zu reden.

Werders Pfarrer Georg Thimme. Foto: privat

Pfarrer Georg Thimme

Was bedeutet für Sie persönlich das Wort „Toleranz“?
Toleranz bedeutet für mich auszuhalten, dass es Menschen mit Überzeugungen gibt, die ich nicht teile. In einer demokratisch verfassten Gesellschaft wie der unserigen ist es nicht nur normal, sondern auch wichtig, dass sich gesellschaftliche Prozesse im Zusammenspiel der unterschiedlichen Meinungen entwickeln. Toleranz ermöglicht erst eine kontroverse aber sachliche Diskussion auf Augenhöhe, frei von gegenseitigen Verletzungen.

Kann man Toleranz lernen? Wie?
Mir hilft es, mir immer wieder neu vor Augen zu halten, dass auch ich nicht sicher sein kann im Recht zu sein.

Ist es nicht manchmal zu einfach, zu behaupten, man sei tolerant – ist es nicht vielmehr wichtiger, zu diskutieren und dabei vielleicht auch mal festzustellen, dass man komplett anderer Meinung ist?
Toleranz bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Mir ist die Meinung anderer nicht egal. Dazu gehört eben auch, sich mit der Meinung anderer auseinander zu setzen, neugierig zu sein auf deren Überzeugung und Argumentation. Wenn diese offene Einstellung alle Diskussionpartner haben, kann wunderbares Neues entstehen. Und wo es zu keiner Einigung kommt, sieht unsere Demokratie Mehrheitsbeschlüsse vor oder den Rechtsweg. Das Ergebnis gilt es dann auszuhalten und zu akzeptieren.

Angesichts des kommenden Zuzugs von Geflüchteten nach Werder: Wie kann man Ihrer Meinung nach bei den Werderanern das Interesse für andere Kulturen wecken?
Das geht nur über gegenseitiges Kennenlernen. Ich finde es immer wieder spannend und bereichernd, über meinen eigenen Horizont hinaus zu blicken, Neues kennen zu lernen und anderen Menschen zu begegnen. Wenn es gelingt, solche Begegnungen zu ermöglichen, ist ein erster Schritt in die Richtige Richtung getan. Hier sind jedoch alle Träger gesellschaftlicher Belange gefragt, also neben der Stadtverwaltung und dem Landkreis in erster Linie auch unsere Vereine, kulturelle und soziale Einrichtungen und natürlich die beiden Kirchen.

Warum sollten die Werderanerinnen und Werderaner die Veranstaltung „Bürgerdialog – Toleranz als Kitt der Gesellschaft“ besuchen?
Ich erwarte und freue mich auf eine spannende Diskussion nicht nur mit der Bürgermeisterin, sondern unter den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern über das, was uns in Werder verbindet, aber auch über die Themen, an denen wir noch arbeiten müssen.