Einweihung eines Ehrenmals für Kriegsopfer in aller Welt

Trompetensolo zur Einweihungszeremonie. Auf der Bank rechts: Rudolf Osburg., Foto: Klix

Werder (Havel) OT Töplitz, 10. Mai 2019 – In Töplitz ist am 9. Mai ein neues Ehrenmal in Form einer Weltkugel eingeweiht worden, es trägt die Aufschrift „Den Opfern von Krieg in aller Welt“. Mit diesem Ehrenmal wurde das Vermächtnis von Gertrud Osburg (1926-2011) umgesetzt. Sie lebte in den 1930er- und 1940er-Jahren in Töplitz und hat hier ihre Kindheit verbracht.

Die schönen Kindheitserinnerungen, so erzählte sie es ihrem Mann Rudolf Osburg, sind durch den 2. Weltkrieg getrübt worden. Ihr Bruder Alfredo Gericke, Jahrgang 24, war jung eingezogen worden und fiel an der russischen Front. Gertrud Osburg hinterließ der Stadt Werder (Havel) eine Schenkung, um in Töplitz an dieses und andere Kriegsschicksale zu erinnern.

„105 Jahre sind seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vergangen, 74 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkriegs“, sagte Werders 1. Beigeordneter Christian Große zur Einweihungszeremonie. Viele Millionen Menschen seien in Kriegen gefallen, wurden umgebracht, gefoltert, misshandelt oder vertrieben. Junge Männer seien als Kanonenfutter an verlorene Fronten geschickt worden.

Besonders der 2. Weltkrieg sei noch tief im Gedächtnis der Stadt verwurzelt. „Aus der Fliegerschule in Werder (Havel) sind in der Nazizeit junge Piloten zu verbrecherischen Kampfeinsätzen geschickt worden, von denen sie häufig nicht nach Hause kehrten“, so Christian Große. Andersdenkende und jüdische Mitbürger seien verfolgt und ermordet worden.

Doch der Krieg sei damals nach Deutschland zurückgekehrt. Die Stadt Werder selbst sei durch glückliche Umstände vor Zerstörung bewahrt geblieben. Aber sie habe sich durch die Kriegsopfer ebenso verändert wie durch die Flüchtlinge. „Seit 1945 lebten wir Europäer im Frieden, die Deutschen seit 1990 gemeinsam in Freiheit und Demokratie“, so Christian Große.

„Deutsche Soldaten sind an internationalen Anti-Terror-Einsätzen beteiligt, um unsere Sicherheit zu verteidigen.“ Und auch bei diesen Auslandseinsätzen seien immer wieder Opfer zu beklagen. „Unser Gedenken gilt heute in Töplitz den Menschen, die in verbrecherischen Kriegen in aller Welt ihr Leben gelassen haben.“

Der Töplitzer Ortsvorsteher Frank Ringel sagte, dass den zwei Weltkriegen im vorigen Jahrhundert 127 Töplitzer zum Opfer gefallen seien. „Das entspricht einem Viertel der damaligen Einwohnerzahl und zeigt die Unsinnigkeit jeglicher Kriegsgewalt.“ Der 89-jährige Rudolf Osburg nahm an der Einweihung des Ehrenmals teil und war sichtlich bewegt. Die Botschaft des Ehrenmals gefalle ihm. „Das ist sehr gut gelungen und ganz im Sinne meiner Frau gestaltet worden.“

Der Töplitzer Ortsbeirat bedankt sich bei Herrn Rudolf Osburg für das Vermächtnis seiner Frau Gertrud Osburg und der damit verbundenen Errichtung des Denkmals. “Für unsere Insel Töplitz ist es das erste und einzige kulturelle Denkmal der Erinnerung, abgesehen von den Baudenkmälern. Der kommunale Friedhof, welcher eine Stätte der Erinnerungskultur ist, wurde somit aufgewertet und stellt den sinnvollsten Standort für dieses Ehrenmal dar”, so Frank Ringel. Der Ortsbeirat hat sich bei dem Wittwer, Herrn Rudolf Osburg für das Vermächtnis seiner verstorbenen Frau Gertrud Osburg mit einem kleinen Geschenk in Form eines Fotos des alten und neuen Ehrenmals bedankt und ihm weiterhin Gesundheit und Wohlergehen gewünscht. (wh, wsw)

Christian Große, Rudolf Osburg und Frank Ringel