Einwohnerversammlung auf der Bismarckhöhe

Werder (Havel), 6. November 2016 – Am 4. November fand die Einwohnerversammlung zum Baumblütenfest statt, zu der alle Werderanerinnen und Werderaner von Bürgermeisterin Manuela Saß eingeladen waren. Knapp 260 Einwohner folgten der Einladung und waren gespannt, welche neuen Erkenntnisse die Stadtverwaltung bereithalten wird.

Der große Saal der Bismarckhöhe war in vier Bereiche geteilt, die unterschiedliche Themenschwerpunkte behandelten: Vergabeverfahren, Einwohnerbeteiligung, Baumblütenfest 2020 und Feedback aus der Bevölkerung. In einem rotierenden System hatten die Besucher die Möglichkeit, den Referenten der verschiedenen Themen zu lauschen und anschließend Fragen zu stellen, bis ein Gong den Wechsel ankündigte. So wurden die Besucher in kleinere Gruppen unterteilt, die ein direktes informieren möglich machen sollten. Die Akustik spielte leider an dem Abend nicht so richtig mit, die Referenten – Christian Große, Dr. Linus Strothmann und Stefan Marten – hatten Mühe, gehört zu werden und die Fragen der Einwohner gingen im Stimmengewirr oft unter. Doch anschauliche Poster an den Stationen visualisierten die Schwerpunkte und die Referenten standen auch im Anschluss an die Informationsrunden zum Austausch mit den Einwohnern bereit. So hatte jeder Besucher die Möglichkeit, die nötigen Informationen trotz schlechter Akustik zu erhalten.

1. Station: Vergabeverfahren / Christian Große, 1. Beigeordnete der Stadt Werder (Havel)

An dieser Station ging es um die Gründe, aus denen das Baumblütenfest für das kommende Jahr abgesagt werden musste. Werders 1. Beigeordneter Christian Große gab Informationen mit einem Vertreter der Rechtsanwaltskanzlei Dombert, die das Vergabeverfahren geführt hatte. Eine Zuschlagserteilung auf das im Verfahren eingegangene Angebot sei nicht in Betracht gekommen, weil wesentliche Zielvorstellungen und Vorgaben aus den Vergabeunterlagen nicht erfüllt gewesen waren, so Christian Große.

Beispielhaft nannte er die Risiko- und Kostenverteilung zwischen der Stadt und dem potenziellen Konzessionsnehmer, die Laufzeit der ausgeschriebenen Konzession, die Haftung des Konzessionsnehmers und den Vorbehalt der Abänderung des Veranstaltungsortes aufgrund von Sicherheitsaspekten. Die Vorgaben resultierten aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Eine Abänderung wäre vergaberechtlich unzulässig gewesen.

2. Station: Einwohnerbeteiligung / Dr. Linus Strothmann, Referent für Einwohnerbeteiligung

Dr. Linus Strothmann informierte über die verschiedenen Phasen des Einwohnerbeteiligungsverfahrens. Wir hatten den neuen Referenten für Einwohnerbeteiligung vor einiger Zeit zum Gespräch getroffen, das hier nochmal nachzulesen ist. Nach der Informationsphase, in der sich das Verfahren zur Zeit befindet, folgen die Befragungsphase (Nov 19-Dez 19), die Diskussionsphase (Feb 20-Apr 20), die Entwicklungsphase (Apr 20-Jun 20) und die Entscheidungsphase (Juli 20), an deren Ende schließlich der Neustart (Sommer 20) stehen soll, der die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses beinhaltet.

“Die Stadtverordneten wünschen sich ein Feedback aus der Bevölkerung, und meine Aufgabe ist es jetzt, die Meinung der Werderaner zum Baumblütenfest herauszufinden”, so Linus Strothmann. Mittels eines Fragebogens, der in den nächsten Wochen alle Werderaner erreichen soll, werden in vier Abschnitten die persönlichen Gedanken zum Baumblütenfest erfragt. Im ersten Abschnitt soll man angeben, wie oft man welche Angebote des Baumblütenfestes, wie zum Beispiel die Höfe oder den Rummel, besucht hat. Im zweiten Teil wird gefragt, was an dem Fest stört, der dritte Teil beschäftigt sich mit den schönen Seiten des Baumblütenfestes. Und im vierten Abschnitt sollen die Befragten angeben, was sie sich in Zukunft für das Fest wünschen. Der erste Probelauf des Fragebogens innerhalb der Stadtverwaltung lief positiv, jetzt haben alle Stadtverordneten den Fragebogen erhalten, um nochmal zu prüfen, ob der Fragebogen z.B. frei von Suggestivfragen ist.

3. Station: Baumblütenfest 2020 / Stefan Marten, Marketing-Leiter der Stadt Werder (Havel)

Wie das Baumblütenfest 2020 aussehen wird, darüber informierte Stefan Marten. Neben den Rahmenbedingungen präsentierte er die geplanten Aktivitäten für das kommende Jahr sowie die Themen, die noch in Klärung sind.

Nach der Absage des Festes soll es zwar keine Festmeile geben. Das Öffnen der Höfe im Obstpanoramaweg und der Stadtgärten soll aber dennoch möglich sein und werde von der Stadt unterstützt. Die Stadt könne sich vorstellen, den Hohen Weg zum Monatswechsel April/ Mai für zwei Wochenenden und den 1. Mai zu sperren und die Koordinierung von Aktivitäten der Akteure zu übernehmen. In einer eigens gegründeten Interessengemeinschaft Hoher Weg haben sich acht Gartenbesitzer organisiert, die ihre Gärten öffnen wollen. Der Werdersche Obst- und Gartenbauverein will die Plantagen am Obstpanoramaweg öffnen. Baumblütenlauf und Festumzug möchte der Stadtsportbund organisieren.

4. Station: Feedbackwände / Manuela Saß, Bürgermeisterin

An der vierten Station war das Engagement der Veranstaltungsbesucher gefragt. Zu sieben Punkten sollten sie in Stichpunkten ihre Wünsche, Anregungen und Kritik äußern und hatten zudem die Gelegenheit, mit der Bürgermeisterin direkt das Gespräch zu suchen.

1.) Kritik und Lob zum bisherigen Fest (Auszüge)
– (zu viel) Rummel auf der Insel
– zu viele Bühnen
– schlechte Werbung für Werder (in bisheriger Form)
– tolles Fest mit vielen Gästen – große Außenwirkung für Werder
– regionale Produkte, leckere und hochwertige Obstweine
– zu viel Alkohol, zu wenig Inhalt
– toll, dass es eine Befragung gibt – doof, diese vereinzelten Miesmacher
– 10 Tage Remmi-Demmi das hält man schon mal aus
– Bahnhof – Weg zum Fest wird sich selbst überlassen, ist nicht erschlossen
– jedes Jahr gefühlt lauter
– prima: am nächsten Morgen ist alles wieder sauber

2.) Generelle Wünsche für das Baumblütenfest (Auszüge)
– den Rummel aus dem Stadtgebiet verlagern, zum Strengfeld oder in die Havelauen
– Stadt ist Veranstalter und Organisator
– Blütenzauber HAKKE Music
– Insel freihalten, Schiffsanleger ändern
– öffentlich organisierte Sicherheit
– gebt der Jugend aus Werder einen Platz zum Feiern während der Baumblüte
– Baumblütenkönigin und Umzug
– Tanz in den Mai
– Blütenrundfahrten zu den Ortsteilen ausbauen
– Entscheidung zwischen zwei Varianten durch Bürger und nicht durch Stadtverordnete

3.) Ideen und Wünsche zur Festorganisation (Auszüge)
– Sicherheit auch auf der Festmeile, Eisenbahnstraße! Nach 22 Uhr für Ruhe sorgen
– viele kleine Bühnen, keine Großbühnen
– Verlagerung von Konzerten auf Freilichtbühne im Stadtwald
– Insel muss massiv entlastet werden, keine Schausteller
– Bühnen auf der Friedrichshöhe und Bismarckhöhe
– Umzug besser: Start Insel – Ziel Hoher Weg
– in 2020 Fahrgeschäfte auf dem Hartplatz

4.) Wie kann das Fest nachhaltiger werden? (Auszüge)
– regionale Produkte in den Vordergrund stellen, weniger Gewerbe von Taschen, Perücken und Nippes
– Mehrwegbecher
– mehr Toiletten

5.) Wie können Belästigungen und Einschränkungen reduziert werden? (Auszüge)
– kostenlose Toiletten
– Polizei in Zivil
– Shuttle zu Parkplätzen für Anwohner
– Alkoholkontrolle schon im Zug aus Berlin

6.) Wie können Alkohol und Drogenmissbrauch eingedämmt werden? (Auszüge)
– kostenloser Wasserausschank (Trinkbrunnen)
– höhere Preise für alkoholische Getränke
– Kontrolle nach Jugendschutzgesetz durch Wirte und Ordnungsamt

7.) Offene Themenwand (Auszüge)
– diese Veranstaltung ist nur noch peinlich
– warum ein Vergabeverfahren? Warum organisiert Stadt das Fest nicht selbst?
– dürfen einige wenige über die Geschichte der Stadt entscheiden?
– diese Veranstaltung ist eine Farce
– Ich bin erschrocken, wie aggressiv mir als Zugezogener das Recht abgesprochen wird, mit zu entscheiden.
– warum muss ein 140 Jahre altes Fest neu erfunden werden

„Die Veranstaltung war in dieser Form ein Experiment und die Akustik auf der Bismarckhöhe war bei rund 260 Gästen leider nicht optimal“, räumte Bürgermeisterin Saß nach der Einwohnerversammlung ein. Man werde daraus lernen. In den Evaluationsbögen, die die Veranstaltungsteilnehmer ausfüllen konnten, habe sich aber auch gezeigt, dass vor allem Betroffene ihre Vorschläge und Wünsche einbringen und sich zu Wort melden konnten. Manuela Saß: „Diese Möglichkeiten hätte es in einer klassischen Podiumssituation, in der oft nur wenige aus dem Publikum zu Wort kommen, womöglich nicht gegeben. Insofern war die Veranstaltung auf Augenhöhe letztendlich ein Versuch, es anders zu machen.“ (wsw, wh)