Enttäuschung über Entscheidung des Ortsbeirats

Werder (Havel) OT Glindow, 18. Februar 2021 – Anfang Januar hatten wir darüber berichtet, dass das Aktionsbündnis Weltoffenes Werder für die neu entstehende Straße zum zukünftigen Bildungscampus den Namen “Resi-Salomon-Straße” vorschlägt.

Am vergangenen Mittwoch hat sich der Ortsbeirat mit Mehrheit von CDU, Freien Bürgern und der SPD für die Bezeichnung “Zum Schulcampus” entschieden.

In einem Statement des Aktionsbündnisses heißt es hierzu: “Wir sind enttäuscht über die Entscheidung (…). Auch wenn diese Parteien mehrfach betont haben, wie wichtig eine aktive Erinnerungskultur ist, wollten ihrer Vertreterinnen und Vertreter im Ortsbeirat diesen konkreten Schritt um die Erinnerung an den Holocaust und die Gewaltverbrechen der Nazis wach zu halten, nicht gehen.

Wir sind besonders auch deshalb verärgert, weil keine inhaltlichen Argument gegen den Vorschlag vorgebracht und mit dem Aktionsbündnis auch nicht der Dialog über das Anliegen gesucht wurde. Gerade in den aktuellen Zeiten wäre ein gemeinsames und klares Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus besonders notwendig und wichtig gewesen. Doch offenbar wurden hier parteipolitische Abwägungen und Befindlichkeiten über das inhaltliche Anliegen gestellt und zivilgesellschaftliches Engagement der Bürgerinnen und Bürger nicht besonders wertgeschätzt.”

In dem Schreiben steht weiterhin, dass sich das Aktionsbündnis Weltoffenes Werder wünschen würde, dass die Stadtverordneten in der SVV Werder und die Bürgermeisterin ihr Anliegen für die “Resi-Salomon-Straße” dennoch aufnehmen und den Austausch mit dem Aktionsbündnis dazu suchen.

Zahlreiche Organisationen, Parteien und Unternehmen und rund 100 Bürgerinnen und Bürger aus Glindow und Werder unterstützten den Vorschlag des Aktionsbündnisses.

Resi Salomon und ihre beiden Söhne hatten ihren letzten Wohnsitz in Werder in der Klaistower Straße 70, nur unweit vom neuen Schul-Campus entfernt. Sie führte dort eine Gärtnerei. 1942 wurde Resi Salomon von den Nazis zunächst in das Ghetto von Warschau und anschließend in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort umgebracht. Ihr Sohn Hans Siegfried wurde nur wenige Wochen später nach Minsk deportiert und dort von den Nazis ermordet. (wsw, r.s.)