Erdbeeren aus Werder!

Werder (Havel), 29. Mai 2018 – In hochsommerliche Hitze wurde heute auf dem Karfunkelberg im Werderschen Ortsteil Plessow die Erdbeersaison eröffnet. Der Werdersche Obst- und Gartenbauverein hatte dazu heute an die zwei Hektar große Erdbeerplantage des Familienbetriebes von Gerd Barth und Sven Remus eingeladen und auch Christian Große, erster Beigeordneter der Stadt, und die Baumblütenkönigin Peggy Sinning ließen sich von der “Königin der Früchte” locken. Und wer mag sie nicht – die Fragaria ananassa (botanisch: Nüsschen, Sammelnussfrucht)?

„Wir bestimmen, wann wir hier bei uns mit der Ernte beginnen“, sagte Walter Kassin als Chef des Obst- und Gartenbauvereins. Brandenburgweit wurde die Saison auf Einladung des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg mit dem Agrarminister Jörg Vogelsänger in Wesendahl offiziell bereits in der vergangenen Woche gestartet. „Das war uns zu früh“, so Kassin. „Wir wollen, dass die Saison eröffnet wird, wenn die Kunden dann bei uns auch am Wochenende wirklich Erdbeeren kaufen können“. Er kündigte an, dass das auch künftig so gehandhabt wird. Heiko Wels ergänzte, dass die Selbstpflücke bei ihm am Donnerstag beginnt. Jeweils von 8 bis 17 Uhr könne man in der Ziemensstraße in Glindow die Körbe füllen.

Im Moment sei es schwierig, den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagte Gerd Barth. Das läge an der schlechten Ernte des vergangenen Jahres. „Das versuchen wir in diesem Jahr wieder auszubessern. Wir als kleiner Betrieb sind nicht so sehr daran interessiert, von staatlicher Seite gefördert zu werden, weil das für uns einfach zu kompliziert ist“, bemängelt er den hohen Aufwand an Schreibarbeit. Positiv bei ihnen sei aber, dass sie eine eigene Bewässerungsanlage hätten und demzufolge das Obst und das Gemüse ordentlich wachsen könne. Angesichts der derzeitigen Trockenheit ein großes Plus für den Familienbetrieb, der jährlich von polnischen Erntehelfern unterstützt wird. „Die kommen seit Jahren zu uns und bringen schon ihre Kinder mit. Und die werden anständig bezahlt“, sagt Sven Remus.

Auf den zwei Hektar Erdbeeren von Barth/Remus wachsen fünf verschiedene Sorten, drei seien derzeit erhältlich. Die frühe Sorte Clery wuchs schon unter Vlies, die Korona ist die Standardsorte, „geschmacklich wohl am besten“, ordnet Gerd Barth ein. Im Verkauf sei die Korona allerdings schwierig, denn sie ist empfindlich. „Die für uns neue Sorte Asia hat sehr große Früchte, schmeckt und ist nicht so empfindlich“, so Barth. Zudem würde die alte Sorte Pegasus angepflanzt, die sei zum Verkauf an den Großhandel wichtig. Als späte Sorte gibt es die besonders dunkle Malwina. „Die geht schon fast in die Kirschernte hinein“, so Barth. „In diesem Jahr wohl nicht“, ergänzt er, „weil wir nächste Woche auch schon Kirschen ernten können. Die Witterung eben“. Die Direktvermarktung von Barth/Remus mit Ständen auf dem Frischemarkt Werder, in Potsdam und Berlin mache bei ihnen 70 bis 80 Prozent aus. Der Kilopreis liege derzeit bei etwa fünf bis sechs Euro. Eine Rekordernte erwartet Gerd Barth nicht – aufgrund der Hitze würden die Erdbeeren zwar rot werden, aber nicht sehr groß. Die Erträge schwanken zwischen fünf und zehn Tonnen pro Jahr. Im frühen Bereich erwarte er aber eine gute Kirschernte.

Das Überleben solcher kleinen Betriebe könne gesichert werden, so der erste Beigeordnete, wenn die Leute wirklich saisonal und regional einkaufen. Christian Große: „Fahren Sie mit Ihren Kindern mal zu einem Obsthof raus und lassen Sie die Kinder die zur Erntezeit hier gewachsenen Früchte mit denen aus einem Vollsortimenter kosten und vergleichen”. Er sei sich sicher, dass es eine klare Entscheidung für den hiesigen Obstanbau geben würde. Auch er kritisierte die Antragsflut, die die kleinen Betriebe bewältigen müssten, um Unterstützung vom Land wie im vergangenen Jahr nach den verheerenden Frösten zu bekommen. „Da muss etwas passieren, Hilfe muss schnell und mit einer einfachen Variante zu erhalten sein“.

Bei Barth und Remus wird nicht nur geerntet – es gibt es täglich vor dem Mittagessen ein großes Glas pürierte Erdbeeren als Getränk, wie Sven Remus berichtet. Eine gute Idee, sich mit den wertvollen Inhaltsstoffen der Erdbeere zu versorgen …  (wsw)

Wissenswertes

Erdbeeren haben kaum Kalorien – nur 32 Kilokalorien je 100 Gramm Früchte. Der Vitamin C-Gehalt liegt mit 60 Milligramm pro 100 Gramm Fruchtfleisch höher als bei Zitronen beziehungsweise Orangen. Die Früchte enthalten wichtige Mineralstoffe wie Kalzium, Kalium, Phosphor und Eisen. In der Volksmedizin gelten sie als wirksames Mittel gegen Blutarmut und werden wegen ihres hohen Salizylsäuregehalts zur Linderung von Gicht und Rheuma empfohlen.

Damit all die guten Eigenschaften zur Geltung kommen, sollte man Erdbeeren, die nicht gleich verarbeitet werden, nur ungewaschen in den Kühlschrank legen, um den Geschmack besser zu erhalten. Reife Erdbeeren erkennt man an gleichmäßig roten, glänzenden Früchten. Außerdem duften sie aromatisch. Wichtig ist auch, die Beeren niemals unter fließendem Wasser abzuspülen. Der harte Strahl kann die empfindliche Oberfläche beschädigen und ebenfalls Aroma ausschwemmen. Besser ist es, die Erdbeeren in einer Schüssel mit stehendem Wasser zu säubern. Die Blätter und den Strunk entfernt man dann erst nach dem Waschen. (Quelle: Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg)