Erfahrungsbericht: Auslandspraktikum in Schweden

v.l.: Frau Rudolf (Ausbilderin), Antonia Proschwitz, Marissa Lorenzen und Herr Kramer (Abt.-Leiter im OSZ Werder), Fotos: Privat

Werder (Havel), 22. August 2019 – Am 8. August haben Marissa Lorenzen und Antonia Proschwitz im Oberstufenzentrum Werder Europässe übergeben bekommen. Die beiden jungen Frauen lernen im zweiten Jahr den Beruf der Biologisch-Technischen-Assistentin und haben im Sommer ein achtwöchiges Praktikum in Schweden absolviert. Als Mobilitätsberaterin der IHK Potsdam stand den beiden Karin Bethke zur Seite, die auch die Fördermittel von ERASMUS PLUS vermittelte.

An dem bundesweiten Projekt “Berufsbildung ohne Grenzen” beteiligen sich über 40 Kammern im gesamten Bundesgebiet. In den vergangenen zehn Jahren vermittelte und organisierte die IHK Potsdam für über 600 Auszubildende Auslandspraktika. Die Hauptaufgabe des Projektes “Berufsbildung ohne Grenzen” ist es, die grenzüberschreitende Mobilität von Auszubildenden während der Ausbildung sowie von jungen Fachkräften in Europa und weltweit zu fördern. Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht es, Teile der beruflichen Ausbildung im Ausland durchzuführen, wenn es dem Ausbildungsziel dient. Diese Reisen werden durch ERASMUS-PLUS-Fördermittel finanziert.

Und so konnten auch Marissa Lorenzen und Antonia Proschwitz vom Oberstufenzentrum Werder zu einem achtwöchigen Praktikum in Schweden antreten. Ihre Erfahrungen teilten sie bei der Übergabe der Europässe am 8. August mit ihren Mitschülern und Fachlehrern. “Natürlich war die Aufregung am Anfang groß, aber wir hatten uns ausgiebig auf diesen Tag vorbereitet und zurückblickend sind wir sehr zufrieden mit unserer Präsentation”, verrieten uns Marissa und Antonia. “Es war ein schönes Gefühl, unsere gesammelten Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen und sie dazu zu motivieren, ebenfalls ein Auslandspraktikum in Betracht zu ziehen und in den nächsten Ferien nach Schweden zu fahren. Unsere Präsentation beinhaltete auch die Thematik, mit der wir uns während unseres Praktikums beschäftigt haben.”

Ihre spannenden Erfahrungen haben Marissa Lorenzen und Antonia Proschwitz in einem tollen Bericht zusammengefasst, den sie uns zur Verfügung gestellt haben:

„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“, so hat es Goethe einst formuliert. Auch wir, Marissa Lorenzen und Antonia Proschwitz, waren davon überzeugt, dass uns ein Auslandspraktikum diese Chance bietet. Mit diesem Gedanken begaben wir uns auf unsere Reise nach Südschweden, auf der wir neben Berufs- auch Lebenserfahrungen dazugewannen.

Das achtwöchige Betriebspraktikum ist ein wichtiger Bestandteil unserer zweijährigen Ausbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin (BTA) am Oberstufenzentrum Werder. Dabei kann der Auszubildende wählen, ob er diese in Deutschland oder, gefördert durch die IHK Potsdam, im Ausland absolvieren möchte. Während der zwei Monate arbeitet man in einem chemischen-biologischen Unternehmen und gewinnt einen Einblick in den Arbeitsalltag eines BTAs.

Wir entschieden uns dazu, unser Praktikum im Ausland zu realisieren und wählten Schweden als unser Zielland. Schweden ist ein sehr fortschrittliches, umweltbewusstes und innovatives Land, was wir hautnah miterleben durften. Neben einer hochkomplexen Mülltrennung und mit Biogas fahrenden Bussen waren die E-Scooter fest integriert in das Straßenleben von Schwedens Großstädten. Dadurch, dass wir täglich rund 30 km mit dem Fahrrad zurücklegten, passten auch wir uns dem umweltbewussten Lebensstil an und erkundeten die umliegende Umgebung. Neben atemberaubenden Landschaften und lebhaften Städten bietet Schweden auch idyllische Parks, die zum Verweilen einladen.

Wir wohnten in Lomma, einem modernen Ort zwischen Lund und Malmö. Lomma ist besonders beliebt aufgrund seines wunderschönen Strandes und dem kleinen gemütlichen Hafen im Zentrum der Kommune. Wir wohnten etwas außerhalb in einem kleinen, hübsch eingerichteten Apartment, welches unsere Vorstellungen weit übertraf. Wir kochten zusammen, planten unsere Freizeit, erledigten Hausarbeiten und lernten, wie es ist, für sich selbst verantwortlich zu sein. Wir fühlten uns sofort wohl in unserer Unterkunft, wodurch die anfängliche Aufregung schnell verflog und wir uns auf die kommenden Wochen freuten.

In unseren ersten Tagen wurden wir herzlich begrüßt, sowohl von unserem schwedischen Vermittler als auch von unserem Praktikumsbetrieb. Wir erkundeten die umliegenden Städte, Lund und Malmö, und machten uns mit der schwedischen Mentalität und der Sprache vertraut. Lund ist einerseits bekannt für die Universität, welche aus historischen Gebäuden besteht und einen Großteil der Stadt ausmacht, andererseits für die zwei Wissenschaftsparks, welche stetig wachsen. Unser Praktikumsbetrieb, Cellevate, ist ein Teil des Wissenschaftsparks „Medicon Village“ und beschäftigt sich mit einer neuen Generation von Zellkultivierungssystemen. Das Start-up-Unternehmen stellt mittels Elektrospinning Nanofasern her, die später für die 3D-Zellkultivierung genutzt werden können. Nanofasernetzwerke schaffen bessere Kultivierungsbedingungen und ahmen natürliches Gewebe nach. Schon in den ersten Arbeitswochen vermittelte uns das Team das Gefühl, ein gleichwertiger Mitarbeiter zu sein. Im Vorfeld wurden wir darüber informiert, dass Schweden auf strenge Arbeitshierarchien verzichte und dass Stille am Arbeitsplatz ein Zeichen von Zufriedenheit und Vertrauen ist. Dies ließen uns auch unsere Kollegen spüren und es entwickelte sich eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre. Die Arbeit bereitete uns eine Menge Freude und Spaß begleitete unseren Arbeitsalltag. Am Anfang hatten wir Angst vor der Spracharriere im Betrieb aufgrund der vielen Fachbegriffe, doch dies legte sich schnell und die Verständigung in englischer Sprache klappte reibungslos.

In unserer Freizeit trafen wir jede Woche Praktikanten aus aller Welt in einer kleinen urigen Bar. Wir tauschten uns aus, lernten einander kennen und wurden dabei mit fremden Kulturen vertraut. Wir unternahmen viel zusammen, fuhren beispielsweise nach Helsingborg oder Kopenhagen und verbrachten dort ein paar schöne Stunden. Während unseres Aufenthalts kamen wir auch in den Genuss, mehrere schwedische Feiertage mitzuerleben, wie den Nationalfeiertag der Flagge oder das Mittsommerfest. Oftmals radelten wir ohne Ziel durch die Gegend, dabei entdeckten wir geheime Plätze und das wahre schwedische Leben.

Die Zeit in Schweden ist eine der schönsten Erfahrungen, die wir bis jetzt gemacht haben. Wir sind sehr froh darüber, die Chance genutzt zu haben, unser Praktikum im Ausland zu absolvieren. Es bleiben Menschen, die wir in unser Herz geschlossen haben, sowie wunderschöne Erinnerungen und Erfahrungen, die unser Leben bereichert haben und die wir nie vergessen werden. Nach anfänglichen Zweifeln und Ängsten verging die Zeit leider viel zu schnell. Wir können jedem empfehlen, der gerade nach einer neuen Herausforderung sucht und seine Englischkenntnisse aufbessern möchte, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Gerne möchten wir euch an unserem Leitsatz, welcher sich im Laufe der Wochen entwickelt und uns in vielen Situationen weitergeholfen hat, teilhaben lassen: “Stop thinking, start doing!“

Es ist schon eine beeindruckende Leistung, wenn junge Menschen sich entschließen, die gewohnte Umgebung zu verlassen und einfach Neues versuchen! Die Europässe, die die beiden jungen Frauen im Anschluss an ihr Praktikum überreicht bekamen, bedeuten den beiden sehr viel: “Es ist schön, eine offizielle Bestätigung für unseren Auslandsaufenthalt und unsere Tätigkeiten im Praktikumsbetrieb in den Händen zu halten. Aus diesem Grund, sind die Europässe von großer Bedeutung für uns und lassen sich auch in zukünftigen Bewerbungen sehen.”

Auf die Frage, ob sie sich nochmal für ein Praktikum entscheiden würden, verrieten sie uns: “Wie man unserem Erfahrungsbericht entnehmen kann, sind wir sehr glücklich darüber, die Chance genutzt zu haben, unser Praktikum im Ausland zu realisieren. Wir werden diese Zeit immer in Erinnerung behalten und könnten uns vorstellen, nochmals ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Zudem hat uns unser Praktikumsbetrieb angeboten, dass wir nach unserer Ausbildung zurück nach Schweden kommen können, um ein Teil ihres Unternehmens zu werden. Wir fühlen uns sehr geehrt über dieses Angebot.”

Für die Zukunft haben die beiden Auszubildenden natürlich auch schon tolle Pläne. Marissa zieht zum Beispiel einen erneuten Aufenthalt in Schweden oder in einem anderen Land in Betracht und möchte eine Arbeitsstelle finden, bei der sie sich wohl fühlt und von ihren Erfahrungen profitieren kann.

Antonia strebt nach der Ausbildung ein duales Studium im biologischen/chemischen Bereich an. Sie möchte auf dem Gebiet der Forschung und Innovation Fuß fassen und eventuell ein Teil eines Start-up-Unternehmens werden. Und genau wie Marissa kann sie sie sich ein weiteres Praktikum im Ausland vorstellen, denn Berufserfahrung kann man nie genug sammeln.

Wir wünschen den beiden viel Erfolg bei ihrem weiteren Berufsweg und bedanken uns für die schönen Einblicke in ihr Auslandspraktikum. Vielleicht haben jetzt ja auch noch andere Azubis und schulische Absolventen Lust bekommen, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. (wsw)

Marissa und Antonia möchten die tollen Erfahrungen aus Schweden nicht missen und andere Schüler motivieren, auch ein Auslandspraktikum zu absolvieren.