Es geht ums Essen

Fotografien von Ingo Kuzia und Walter Schönenbröcher noch bis 11. November zu sehen

Darf man da drauftreten? Kurator Frank W. Weber platzierte zwei Bilder des Fotografen Schönenbröcher auf dem Boden der Galerie. Foto: wsw

Werder (Havel), 29. Oktober 2018 – Für gewöhnlich verstehen wir unter „foodporn“ mit dem entsprechendem Hashtag ein möglichst ansprechend fotografiertes Essen. In den sozialen Medien war das eine Zeitlang wirklich sehr modern und immer noch gibt es reichlich Posts zu diesem Thema. Unter dem entsprechenden Hashtag gibt es mehrere Millionen (!) Bilder, die in selbstdarstellerischer Absicht verkünden, wie über die Maßen lecker das vor einem stehende Essen ist und das man sich das schließlich auch leisten kann. Diese Bilder zeigen ausschließlich das unberührte Essen, schön angerichtet, quasi mit dem Vermerk „kulinarisch wertvoll“ versehen. Punker ist schon, wer eine zerkochte, geplatzte Bockwurst auf einem Pappteller mit Knick und einem hingeschlodderten Mostrich-Klecks postet. Aber auch der bekommt die begehrten Likes. In einer Welt, in der inflationär fotografiert wird. Weil man nicht mehr nur 30 Bilder auf dem Film in der analogen Kamera hat, für die man außerdem noch wissen müsste, was es mit Belichtung und Blende auf sich hat. „Im Jahr 2017 wurden weltweit mehr Fotos geknipst und ich benutze das Wort geknipst ganz bewusst, als in den 200 Jahren seit der Erfindung der Fotografie fotografiert wurden“, betont auch Frank W. Weber, Künstler und Kurator der Stadtgalerie. Für die vierte Ausstellung im zehnten Jahr des Bestehens des Kunst-Geschosses bringt er erneut ein Künstler-Doppelpack in die Blütenstadt. Die Fotografien sind bis zum 11. November 2018 zu sehen.

„Mahlzeit“

Foodporn erwartet den Besucher der aktuellen Ausstellung in unserer Stadtgalerie Kunst-Geschoss NICHT. Denn Katzen posten ihre Mahlzeiten nunmal nicht.
Aber ums Essen geht es dennoch. Vor den fantastisch tiefenscharfen Fotografien von Ingo Kuzia steht man hin- und hergerissen zwischen „Oh, wie krass“ und „Bäh, muss man denn tote Tiere fotografieren?“ Klarer Sieger in diesem gedanklichen Hin- und Her ist die Bewunderung, denn angesichts der ästhetischen Anmutung der Bilderserie – insgesamt 21 Fotografien – versucht man, wirklich jedes Detail des Motivs zu erfassen. Und ja, man schaut dabei tief ins Innere der Katzen-Beute. Was ihm seine Katze als „Schau mal, was ich für Dich gerissen habe“-Objekt vor die Füße legte – Katzenbesitzer kennen dieses Angeber- und Dankbarkeitsgehabe der Tiere – fotografierte Kuzia.
Unterschiedlichste Tiere, der Hintergrund der 40×60-großen Bilder immer weiß. Welch’ großartige Idee des Fotografen! Bemerkenswert, sehenswert.

Ebenfalls ums Essen geht es bei den Fotografien von Walter Schönenbröcher. Diese Mahlzeit ist allerdings schon vorbei – #foodporn wäre nicht mehr möglich. Denn die Tische, die Schönenbröcher aus der immer gleichen Draufsicht abbildet, zeigen, wie es aussieht, wenn man fertig ist: Serviette hinwerfen, zahlen, aufstehen. Auf Wiedersehen. Um die vielfältigsten Hinterlassenschaften, das schmutzige Geschirr mit klebrigen Resten, die Krümel, zerknülltes Papier – kümmern sich andere. Ob opulent mit Vor- und Nachspeise von feinem Geschirr bei Kerzenlicht oder nur der schnelle Kaffee aus dem Becher – der Fotograf hielt für diese Serie das Servicepersonal davon ab, zwischendurch den Tisch auf- oder abzuräumen. Er wollte die Situation in Gänze zeigen, die auch einen Blick auf landeskulturelle Eigenheiten bei Tische zulässt. In Hong Kong, Zypern, New York, Berlin, Cottbus, Dubai, Newark, London und Teneriffa stehen die Tische, über die sich der Fotograf Schönenbröcher für diese Serie beugte, auf einem Stuhl oder einen kleiner Leiter stehend. Neugierig erforscht man diese Tische – was gab es da wohl? Keine Umkehrung von #foodporn, denn die künstlerische Umsetzung des Themas verlangte nach mehr als dem schnellen Foto und vielleicht noch dem Einsatz von diversen Schönheits-Filtern mit dem Mobil-Telefon. (wsw)


Ausstellung bis 11. November 2018, geöffnet immer Donnerstag, Samstag, Sonntag von 13-18 Uhr, der Eintritt ist frei.
Informationen zum Kunst-Geschoss auf der Internetseite gibt es hier.

Außerdem: 15 Fotografien des Werderaner Jürgen Steinberg aus der Serie „Nordland“ sind derweil in der „Galerie am Glas“ in der Mitteletage des Schützenhauses zu sehen. Jürgen Steinberg hat in einer umfangreichen Serie seine Eindrücke während einer Reise durch Norwegen festgehalten. Mit diesen Impressionen wird eine grandiose und monumentale Landschaft in schwarz/weiß Aufnahmen gezeigt. Die Ausstellung ist auch außerhalb der Öffnungszeiten der Stadtgalerie zu besichtigen.

Ein Blick auf den Tisch - das sind die Hinterlassenschaften der Menschen. Ein Blick an die Wand: das sind die Hinterlassenschaften der Katze. Mahlzeit! Foto: wsw

Ausschreibung zur Beteiligung an der Ausstellung

„3. Bestandsaufnahme für Textilkunst und Kunsthandwerk“ in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss in Werder (Havel)

Im Januar 2019 findet in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss die dritte Ausstellung mit Textilkunst und Kunsthandwerk statt. Es wird einer breiten Gruppe von Kunstschaffenden auf dem Gebiet der Kalligraphie, Textilgestaltung, Schmuckgestaltung, künstlerischen Holz-, Glas- und Metallbearbeitung, Keramik die Teilnahme ermöglicht.

Mit dieser Ausstellung zeigen wir in der Stadt Werder (Havel) welches Potential wir an Laien und Berufsschaffenden auf den jeweiligen kunsthandwerklichen Gebieten haben. Zur Ausstellung werden Vorführungen in verschiedenen Techniken in einem Rahmenprogramm zu sehen sein.

Sie haben die Möglichkeit sich für diese 3. Bestandsaufnahme für Textilkunst und Kunsthandwerk zu bewerben, wenn Sie folgende Bedingungen erfüllen:

1. Sie als Erwachsener in Werder (Havel) oder einem der Ortsteile wohnen, leben oder Ihre Arbeitsstätte in Werder (Havel) haben.

2. Sie sich mit hohen künstlerisch, handwerklichem Anspruch in einem der oben genannten, Genres beschäftigen als:

• Berufskünstler/in

• semiprofessionelle/r Künstler/in

• Amateur mit hohem handwerklichem Anspruch und Fertigkeiten

• pro Teilnehmer/in können zwei (in Absprache mehr, z.B. bei Gruppen) Werke eingereicht werden.

• Ausstellungsdauer vom 30. Januar bis 10. März 2019

• Verfügbarkeit der einzureichenden Arbeiten ab Anfang Januar 2019 in der Galerie

• Bewerbung per e-Mail unter info@kunst-geschoss.de mit folgendem Inhalt

• Name und Vorname oder Gruppenname

• Wohnanschrift bzw. Atelier und Werkstattanschrift

• Telefonnummer

• Mailadresse

• Geburtsdatum (bei Gruppen Gründungsdatum)

• Beruf

• Vita und ev. Bisherige Ausstellungen auf dem Gebiet

• digitale Fotografien im Anhang (300 dpi) der auszustellenden Objekte

  Mit Titel, Format, Technik, Jahr und Versicherungswert

• Bewerbungsende, Sonntag 9. Dezember 2018

• Darüber hinaus eingehende Bewerbungen können nicht berücksichtigt werden!

Bei Fragen steht Ihnen der Kurator der Stadtgalerie unter info@kunst-geschoss.de oder 0172-173 80 81gern zur Verfügung.