Ferienprojektwoche auf der Streuobstwiese

Der Zuckerbaum eV. und der KINDERHILFE e.V. haben ein tolles Ferienprogramm für gesunde Geschwisterkinder von schwerkranken Kindern auf die Beine gestellt

Doreen Bendler vom Zuckerbaum e.V., Foto: wsw

Werder (Havel) OT Glindow, 9. Juli 2019 – Ein dunkelbrauner Labrador schlendert gemütlich durchs Gras, ein Mädchen liegt in einer Hängematte und liest, zwei Jungs naschen eine Wassermelone, während bunte Wimpelketten leicht im Wind wehen. Man fühlt sich inmitten dieser idyllischen Natur sofort entschleunigt und möchte sich sogleich zu den zwei schnatternden Mädchen auf die bunte Decke legen. Was sich die beiden wohl für Geheimnisse zu erzählen haben?

Wir sind zu Besuch auf der Streuobstwiese vom Zuckerbaum e.V. Jeder, der schon einmal von der Arbeit dieses besonderen Vereins gehört hat, weiß, dass jedes Kind, das hier auf den ersten Blick so unbekümmert durch die Wiesenblumen springt, eine traurige Geschichte zu erzählen hat. Der Zuckerbaum e.V. kümmert sich um die gesunden Geschwister schwerst und unheilbar kranker Kinder. Diese sogenannten Schattenkinder kommen im Alltag oftmals zu kurz, weil die ganze Kraft der Familie für die Pflege des kranken Geschwisterkindes benötigt wird. Zwei Brüder zum Beispiel haben einen Bruder zu Hause, der seit zweieinhalb Jahren im Wachkoma liegt. Der Kleine ist gerade einmal viereinhalb Jahre alt. Ein anderes Mädchen mit einem selbstgebastelten Strohhaarband auf dem Kopf trägt eine kleine Schatulle mit Fotos immer bei sich. Darin befinden sich Bilder ihrer bereits verstorbenen Geschwister. Die Last, die auf den kleinen zarten Schultern dieser Kinder liegt, ist unbeschreiblich. Sie müssen viel zu früh erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Hier auf der Streuobstwiese können sie einfach wieder Kind sein.

In der Ferienprojektwoche vom 1. bis zum 7. Juli hat der Zuckerbaum e.V. gemeinsam mit dem KINDERHILFE e.V. unter dem Motto “Eine Woche nur für MICH” ein tolles Programm für die sieben Mädchen und sechs Jungen im Alter zwischen sechs und 13 Jahren auf die Beine gestellt. “Zu den 13 Kindern, die hier jeden Tag auf der Wiese sind, kommen noch etwa 15 Helfer hinzu”, erklärt uns Doreen Bendler vom Zuckerbaum e.V. “Es kommen extra freiwillige Helfer aus Bielefeld, Bayern oder Prenzlau, die hier auf der Wiese ihre Zelte aufgeschlagen haben, um uns in dieser Woche zu unterstützen.”

Ohne die Unterstützung der Ehrenamtlichen wäre die Durchführung solch einer Ferienprojektwoche auch gar nicht möglich. Die Küchenfeen bereiten täglich leckeres Essen zu, ein eigener Shuttledienst holt die Kinder, die zum Teil aus Potsdam und Berlin kommen, früh ab und bringt sie nachmittags wieder nach Hause, Zelte müssen auf- und wieder abgebaut werden und den Kindern wird eine Fülle an Aktivitäten geboten, bei denen eine erwachsene, helfende Hand nicht fehlen darf.

So probieren sich einige wagemutige Kids am (gesicherten) Baumklettern, andere Kinder formen im Ton-Zelt in einer Gemeinschaftsarbeit eine große Ritterburg aus Ton, in einem anderen Zelt können die Kinder malen und basteln und auf einer Decke haben vier kleine Mädchen bei unserem Besuch einen “Beautysalon” mit Schminke, Nägel lackieren und Haare frisieren eröffnet. Und wer lieber alleine sein möchte, findet in den vielen Hängematten Platz. Ein Morgen- und Abendkreis mit Doreen rahmte jeden Tag auf der Streuobstwiese inhaltlich ein und in einem täglichen Arbeitskreis konnten die Kinder ihre eigenen Stärken erörtern.

Am ersten Tag der Ferienprojektwoche gingen die Kinder auf eine große Schnipseljagd durch Glindow. Startpunkt war die Wiese an der Glindower Grundschule, von wo es zu Tante Uschi ging. Dort erhielten die Kinder einen Stadtplan und einen ersten Hinweis, der sie in die Obstland-Apotheke führte. Von dort ging es weiter ins Kleine Seerestaurant, wo neben Kirschkernweitspucken auch ein Pizzaessen auf dem Plan stand. Die nächste Station war das Heimatmuseum, gefolgt von der Feuerwehr. Hier durften die Kids sogar in einem Feuerwehrwagen Platz nehmen. Von dort ging es über den Hort Sunshinekids zur letzten Station, dem Spielplatz hinter der Grundschule. Die Kinder, die in fünf verschiedenen Gruppen unterteilt und immer im Abstand von zehn Minuten die Schnipseljagd erfolgreich gemeistert haben, erhielten als Gewinn jeweils ein Puzzlestück pro Gruppe. Zusammengesetzt ergab das Puzzle eine Schatzkarte, die sie zu einer großen Truhe führte. In ihr befanden sich viele kleine Schatztruhen, die die Kinder in ihrer Ferienprojektwoche dekorieren und mit allerlei Erinnerungsstücken füllen konnten.

Nastja Bohlmann vom KINDERHILFE e.V. erzählt uns: “Für die Vorbereitung der Woche haben wir fünf Treffen und etwa eine Million Telefonate gebraucht. Unser Verein arbeitet seit dem letzten Jahr gemeinsam mit dem Zuckerbaum e.V. an der Ferienprojektwoche. Wir brauchten ein Team, das die Woche inhaltlich ausarbeitet, ein anderes Team, das sich das Programm für die Kinder überlegt sowie ein Organisationsteam.” “Und wir mussten natürlich schauen, wie wir das alles finanzieren”, ergänzt Doreen Bendler. Das Essen, die ganzen benötigten Materialien, ein Mietwagen und eine Fahrkostenpauschale für die ehrenamtlichen Helfer, die von weiter weg kommen, sind nur einige Punkte auf der Kostenliste. Sowohl der Zuckerbaum e.V als auch der KINDERHILFE e.V. finanzieren sich allein durch Spenden.

Am Sonntag, dem 7. Juli, fand die große Abschiedsveranstaltung der Ferienprojektwoche statt. An diesem Tag durften auch die Eltern und Geschwister auf die Wiese kommen und sich die ganzen tollen Bastelarbeiten, Bilder und Tonfiguren ansehen, die die Kinder während der vergangenen Tage gefertigt haben. “Wir haben noch so viel Energie für weitere Veranstaltungen dieser Art”, berichtet Doreen. Doch wie bei allem, fehlt es auch hier an Geld. Wer spenden und den Verein unterstützen möchte, findet unter www.zuckerbaum.org und www.kinderhilfe-ev.de die entsprechenden Informationen. “Wir freuen uns aber auch über Spielmaterialien wie Wikinger-Schach oder Bälle. Wer will, kann einfach bei mir anrufen unter 01523 3855319 und nachfragen, was gerade benötigt wird”, schlägt Doreen zum Abschied vor.

Bereits zum siebten Mal fand diese tolle Ferienprojektwoche statt. Hoffentlich ist auch im nächsten Jahr wieder Geld für die Durchführung da. (wsw)