Flatter-Ulme (Ulmus laevis) wird Baum des Jahres 2019

Wer die buschigen Blüten der Flatter-Ulme einmal im Wind hat tanzen sehen, weiß woher die Art ihren Namen hat. 2019 rückt die Baum des Jahres Stiftung damit eine Ulmenart ins Licht der Öffentlichkeit, die bisher wenig bekannt ist.

Fühlt sich am Wasser pudelwohl: die Flatter-Ulme, Foto: A. Roloff

Potsdam, 29. November 2018 – Am 9. November wurde mit der Flatter-Ulme (Ulmus laevis) eine „starke Brandenburgerin“ zum Baum des Jahres 2019 ernannt. Sie folgt damit auf die Ess-Kastanie, die 2018 das Rennen machte.

Der Landesbetrieb Forst nutzt den inzwischen 31. Baum des Jahres, um auf die vielen Baumarten hinzuweisen, die es im Kiefernland Brandenburg gibt. So stehen die „Bäume des Jahres“ für versteckte Vielfalt und Besonderheiten der Brandenburger Wälder. Bereits vor zehn Jahren hat das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) ein bundesweites Projekt zur Erfassung seltener Baumarten geleitet und dabei 58.158 der oft versteckt im Wald vorkommenden Flatter-Ulmen erfasst. Die Flatter-Ulme kommt nach der elektronischen Wald-Datenbank „DSW2“ auf nur rund 300 Hektar im gesamten Wald vor, der jedoch eine Größe von 1,1 Millionen Hektar hat. Mecklenburg-Vorpommern folgt mit 24.576 und Sachsen-Anhalt mit 16.353 Bäumen. Alle anderen Bundesländer haben deutlich geringere Werte von unter 10.000 Bäumen.

Ulmen sind Bäume, die schon seit der Steinzeit eine große Bedeutung im Leben der Menschen in Mitteleuropa hatten. Leider sind sie heute sehr selten geworden und vielen Menschen unbekannt. In Deutschland kommen drei der weltweit 45 Arten der Gattung Ulmus vor. Das sind die Flatter-Ulme, die Berg-Ulme und Feld-Ulme.

Doch wo Berg- und Feld-Ulme insbesondere durch ihren dramatischen Rückgang traurige Berühmtheit erlangt haben, zeigt die Flatter-Ulme ein ganz anderes Gesicht. Ulmus laevis unterscheidet sich nicht nur botanisch deutlich von ihren bekannteren Schwestern, sie erwies sich auch gegen die Ulmenkrankheit als deutlich widerstandsfähiger. Dass die Flatter-Ulme dennoch eine seltene Baumart in Deutschland ist, hat in erster Linie mit dem Verlust ihres Lebensraumes zu tun. An diesem ist der Mensch nicht unschuldig: Flussauen und überflutete Gebiete sind landwirtschaftlichen Flächen gewichen, Flüsse begradigt und Feuchtgebiete trocken gelegt.

Der Volksmund nennt Ulmen auch Rüster. Die Flatter-Ulme ist ein hochgewachsener Baum (ca. 35 Meter) der Feuchtwälder und Flussauen. Zusammen mit Stiel-Eiche, Esche, Berg-Ahorn und Feld-Ulme prägt sie dort die sogenannten Hartholz-Auenwälder. Sie hält dauerhaft feuchten Böden und längere Überflutungsperioden problemlos aus. Ganz besonders: Die Flatter-Ulme bildet als einzige heimische Baumart Brettwurzeln aus. (Diese kennt man sonst von Urwaldriesen und dienen einer höheren Stabilität.) Auch wenn die Flatter-Ulme die Nähe des Wassers liebt, kommt sie auch auf trockeneren Standorten gut zurecht. Ihre Zweige dienten früher dem Vieh als Winterfutter. Wenn es um die Verarbeitung ihres Holzes geht, ist die Flatter-Ulme jedoch eher eine Diva: Das Holz punktet mit schöner Musterung und Zähigkeit, lässt sich jedoch schwer bearbeiten. Weitere Informationen unter www.baum-des-jahres.de (bdj, wsw)