Fleißige Helfer bauen neuen Weg auf dem Friedhof Petzow

Werder (Havel) OT Petzow, 21. August 2020 – Es war stets ein beschwerlicher Aufstieg, den die Petzower Friedhofsbesucher bewältigen mussten, um zu den Gräbern ihrer Angehörigen zu kommen. Dies hat dank der Hilfe des stellvertretenden Ortsvorstehers Dietmar Holz und vielen freiwilligen Helfern jetzt jedoch ein Ende.


Etwas versteckt zwischen wuchernden Hecken befindet sich der Eingang zum Friedhof in Petzow. Tritt man durch das eiserne Tor steht man auch gleich auf dem neuen Schmuckstück des Friedhofs. “In insgesamt 300 Arbeitsstunden ist hier ein neuer Weg entstanden, den es so wahrscheinlich kein zweites Mal auf einem Brandenburger Friedhof gibt”, verrät uns Dietmar Holz nicht ohne Stolz. Wir erklimmen die Empore, unter unseren Füßen knirschen die neuen Steine, die uns Halt geben. Dietmar Holz erklärt uns, dass der Weg zuvor von den Wurzeln, die aus dem Bodengrund kamen, kaum passierbar war. “Im vergangenen Jahr wäre das Auto eines Bestattungsunternehmens auf dem Weg fast steckengeblieben”, erinnert sich der stellvertretende Ortsvorsteher. Dem Petzower war klar: Hier muss endlich etwas passieren!

Träger des Petzower Friedhofs ist die evangelische Kirchengemeinde Werder (Havel). Aufgrund von finanziellen Engpässen, könne sich die Kirche selbst jedoch nicht an der Instandsetzung des alten Weges beteiligen, so Holz. Sie riet ihm stattdessen, einen Förderverein zu gründen, um auf diesem Wege Spenden zu generieren. Das dauerte dem engagierten Petzower aber viel zu lange: “Hier musste schnell etwas geschehen! Die Menschen, die normalerweise auf einen Friedhof gehen, sind meist in dem Alter, wo sie selbst aktiv nicht mehr viel bewirken können, also müssen wir Jüngeren ran. So habe ich die Initiative ergriffen.”

Gesagt, getan, schwang sich Dietmar Holz aufs Fahrrad und verteilte in den Briefkästen im Ort kleine Handzettel, auf denen er sein Vorhaben schilderte und um Spenden bat. Die Spenden sollten an die Petzower Steggemeinschaft gehen, zu der Dietmar Holz gehört, als Privatperson darf er keine Gelder annehmen. Die Petzower waren von dem Vorhaben sofort begeistert. Insgesamt kamen 3000 Euro zusammen und noch viel wichtiger: viele Leute aus dem Ort haben zudem ihre aktive Hilfe angeboten.

Am 9. Juli haben sich die Männer und Frauen erstmals zusammengesetzt und darüber beraten, welche Schritte man als erstes in Angriff nimmt. Denn neben dem unwegsamen Weg gab bzw. gibt es noch einige weitere kleine und große Baustellen auf dem Petzower Friedhof. “Wir haben uns immer abends ab 18 Uhr getroffen, meist waren wir zwischen zehn und 15 Helfer. Einige Helfer kamen mit großen Maschinen, andere mit Schubkarre und Spaten, wieder andere mit geballter Manpower. Gemeinsam haben wir hier etwas richtig tolles geschaffen”, freut sich Dietmar Holz mit Blick auf den neuen Weg.

Während sich ein Teil des Einsatzteams um die Vorbereitungen für den neuen Weg und die anschließende Verlegung der neuen Paddockplatten aus recyceltem Material kümmerte, befreiten andere fleißige Helfer die alten Gräber vom Gestrüpp. Freigelegt wurden hierbei wunderschöne mehr als 100 Jahre alte Gräber, die die Historie des Ortes unterstreichen. “Als nächstes sollen die alten Grabsteine wieder auf ihre Fundamente gesetzt werden”, so Dietmar Holz. “Diese steinernen Zeugen der Geschichte müssen unbedingt erhalten bleiben!”

Auf dem Weg zu den alten Gräbern verlassen wir den neuen offenporigen Schotterweg und betreten schwarzen, trockenen, märkischen Sand. Jeder Schritt ist beschwerlich, bei heißen Temperaturen staubt alles, bei Regen befindet man sich mitten im Schlamm. “So sah das hier vorher überall aus”, erklärt uns der stellvertretende Ortsvorsteher. Demnächst soll das sandige Plateau glatt gemacht und Rasen gesät werden. Zudem hat die HGW, der das Nachbargrundstück gehört, angekündigt, demnächst die Bäume zu beschneiden, deren Äste weit über den Friedhof ragen.

“Wir haben hier wirklich etwas schönes geschaffen und wir sind noch lange nicht fertig!”, freut sich Dietmar Holz. “Eine ältere Dame war so dankbar über den neuen Weg, dass sie ihren Schwiegersohn, der in der Schweiz lebt, bat, einen Handlauf entlang des Weges zu installieren. Er hat zudem die Kosten hierfür alleine getragen. Und eine andere Dame hatte Tränen in den Augen, als sie das erste Mal den Weg ohne große Mühe nehmen konnte.” Hätte eine Firma die Arbeiten übernommen, wären die Kosten weitaus höher gewesen, ist sich Dietmar Holz sicher. “Das hätte alles bestimmt um die 15.000 Euro gekostet. Durch unseren Einsatz haben wir die gespendeten 3000 Euro noch nicht mal komplett gebraucht.”

Zwei Wünsche hat der engagierte Petzower noch: “Ich würde mich freuen, wenn wir hier auf dem Friedhof noch einen ständigen Container bekommen würden und ich würde den Friedhof gerne ‘Bergfriedhof’ nennen, wenn die evangelische Kirchengemeinde dem zustimmt. Ein schönes Metallschild mit dem neuen Namen für den Eingang würden wir von dem Schweizer Schwiegersohn sogar umsonst bekommen. Wir haben hier einen so schönen Friedhof mit einem tollen Blick aufs Wasser, der nur etwas Liebe braucht.” (wsw)