Flüssiges Gold aus der Bienenwabe

Erstklässler der CvO besuchten Berufsimker Richard Kowitz in Petzow, um allerlei Wissenswertes über Bienen und Honig zu erfahren.

Am 12. April besuchten Schüler der CvO den Berufsimker Richard Kowitz in Petzow. Im Gepäck hatten die Kinder jede Menge Fragen., Fotos: wsw

Werder (Havel) OT Petzow, 24. April 2019 – Am 12. April fand für die Klasse 1a der Carl-von-Ossietzky-Oberschule mit angegliederter Primarstufe ein ganz besonderer Wandertag statt. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Frau Behrendt und zwei Elternvertretern besuchten sie den Berufsimker Richard Kowitz in Petzow.

Richard Kowitz imkert seit etwa zehn Jahren und hat etwa 280 Völker überwintert, er imkert jedoch in diesem Jahr nur mit 160 Völkern, die im Sommer jeweils bis zu 60.000 Bienen beherbergen. Angefangen hat alles damit, als ihm sein Großonkel, der ebenfalls Berufsimker war, zwei Völker schenkte. Vorher arbeitete Richard Kowitz als Projektentwicklungsingenieur für Wind- und Solarparks und war viel auf Dienstreisen. Irgendwann wollte er aber wieder zurück zur Natur. Heute ist er mit seiner Drachenberg-Imkerei so erfolgreich, dass er vier Mitarbeiter hat. Dafür dauern seine Arbeitstage während der Saison allerdings auch 14-16 Stunden.

Auch wenn an dem Freitag als die Schüler in Petzow zu Besuch waren, frostige Temperaturen herrschten, hat die Bienensaison schon begonnen. “Sobald die Temperaturen die 10 Grad erreichen, gehe ich an die Tiere heran. Der Bestand dezimiert sich meist über den Winter. Ich helfe den Bienen dabei, gut aus dem Winter in den Frühling zu kommen”, erklärt Richard Kowitz.

Die Kinder staunten nicht schlecht, als der Berufsimker aus den Bienenkästen, den sogenannten Beuten, einen mit Waben gefüllten Rahmen herausnimmt. Unzählige Bienen tummeln sich darauf. “Ich möchte die Bienen so wenig wie möglich stören, den Brutraum lasse ich möglichst unangetastet”, so Richard Kowitz. Damit die Bienen nicht zu aufgeregt sind, wenn sie aus ihrer Beute geholt werden, beräuchert sie Richard Kowitz zuvor mit einem Smoker. Er erklärt: “Feuer ist ein Feind für die Biene, gegen den sie machtlos ist. Wenn ein Brand droht, saugen sich die Bienen im Stock mit Honig voll, um bei akuter Gefahr mit dem ganzen Volk auszuziehen und an einem neuen Standort einen neuen Stock aufzubauen. Durch das Beräuchern mit dem Smoker wird diese Gefahr vorgetäuscht und die Bienen haben somit mit sich zu tun und lassen den Imker weitgehend in Ruhe.” Seine Völker sind recht friedfertig, trotzdem bleiben einige Stiche natürlich nicht aus. “Mein Körper ist das Gift aber mittlerweile gewohnt.”

Bevor die Bienen aus den Beuten geholt werden, bedampft sie Richard Kowitz zur Beruhigung mit dem Smoker.
Hier ist ganz schön was los! Aus rund 60.000 Bienen besteht ein Bienenvolk.
Wenn man die Bienen vorsichtig zur Seite schiebt, werden die mit Honig gefüllten Waben sichtbar.

Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse die Bienen genau angeschaut haben, zeigte ihnen Richard Kowitz die Station, an der der Honig aus den Waben geschleudert wird. Bis zu 2,5 Kilo Honig befinden sich in einer Wabe. Welcher Honig geerntet wird, hängt von dem Standort der Bienenstöcke ab. Um Nektar zu sammeln, entfernen sich die kleinen Tierchen bis zu fünf Kilometer von ihrem Stock. So positioniert der Petzower seine Bienenvölker zum Beispiel in Ketzin, wo es viel Raps gibt. Höchstens 30 Völker dürfen bei ihm an einem Standort stehen. Wenn etwas passiert, dann sind nur maximal 30 Völker bedroht und nicht alle. Außerdem sei die Konkurrenz unter den Bienen auch zu groß, wenn zu viele an einem Standort sein würden.
Die lukrativen Standorte sind natürlich stark restriktiv. Auf dem Land gibt es aufgrund der Monokulturen nicht so viel Ertrag wie in der Stadt, wo die Baum- und Blütenvielfalt viel größer ist. “Die Suche nach geeigneten Grundstücken ist recht mühsam. Oft stellen auch Imker aus anderen Bundesländern ihre Bienenvölker ohne vorherige Absprache auf öffentlichen Flächen ab. Das ist natürlich ärgerlich. Am liebsten ist mir die Zusammenarbeit mit Privatpersonen”, verrät Richard Kowitz.

Seine Bienenstöcke schützt er durch GPS-Tracker und möglichst eingezäunte Standorte. Bisher ist ihm noch kein Volk entwendet worden. Seine Apis mellifera Carnica, die sogenannten Kärntner Bienen, sind eine natürlich entstandene Unterart der Westlichen Honigbiene. Jährliche Kontrollen der Lebensmittelüberwachung und das Einschicken von Honigproben bestätigen dem Berufsimker die Sortenreinheit des Ertrags und dass seine Völker nicht krank sind. Neben Linden-, Raps-, Robinien- und Heidehonig hat er ab und an auch spezielle Sorten wie Buchweizenhonig im Angebot. Im letzten Jahr erntete Richard Kowitz knapp sechs Tonnen Honig.

Die Kinder wollten von Richard Kowitz wissen, wie der süß klebrige goldene Honig denn eigentlich entsteht. Den feuchten Nektar, den die Bienen auf ihren Flügen zusammentragen, wird in der Honigblase zwischengelagert. Kehrt die Biene heim in ihren Bienenstock, liefert sie den Blaseninhalt an die Stockbienen ab, die wiederum den Inhalt weitergeben. Jedes Mal, wenn der zuckerhaltige Saft aufgesaugt und wieder abgegeben wird, wird ihm Wasser entzogen und er wird mit Enzymen, Eiweißen, Säuren und anderen Stoffen der Bienen angereichert. Von Rüssel zu Rüssel wandert der Honigblaseninhalt von einer Biene zur nächsten. Die Bienen müssen außerdem den Nektar verdicken, da er einen noch viel zu hohen Wasseranteil hat und in diesem Zustand gären würde. Sobald der Wassergehalt bei 30 bis 40 Prozent liegt, wird der verdickte Nektar in leere Wabenzellen verbreitet. Da die Zellen nicht ganz gefüllt werden, wird eine möglichst große Verdunstungsfläche geschaffen. Die Verdunstung wird dann durch Fächeln der Flügel beschleunigt. Bei dem gesamten Prozess sinkt der Wassergehalt von ursprünglich knapp 75 Prozent auf 20 Prozent oder weniger.

Dass Bienen unglaublich fleißige und tüchtige Tiere sind, davon konnten sich die Erstklässler bei ihrem Besuch in der Drachenberg-Imkerei in Petzow persönlich überzeugen. Im Sommer lebt eine Honigbiene nur etwa einen Monat. Doch zum Glück sorgt die Bienenkönigin für ausreichend Nachschub: Bis zu 2.000 Eier kann sie an einem Tag legen.

Die Bienenkönigin ist in dem ganzen Gewusel anhand ihrer Markierung zu erkennen.

Dass die Bienenbestände trotzdem stark zurück gehen, kann verschiedene Gründe haben. Der Primärgrund ist die Varroamilbe, die sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock entwickelt und vermehrt. Die Milben schwächen das Bienenvolk stark. Doch auch die zunehmenden Monokulturen und der Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmitteln wirken sich negativ auf die Bestände aus.
Richard Kowitz ergänzt: “In der DDR war die Imkerei äußerst lukrativ. Nach der Wende gab es hier einen starken Rückgang, Honig war nicht sehr populär. Somit sind die Bienenvölker stark zurückgegangen, die Nachfrage war einfach zu gering. Doch das Gesundheits- und Umweltbewusstsein und der Bedarf nach gesundem, nachhaltigem und lokalem Honig steigen und somit nehmen auch die Bienenpopulationen langsam wieder zu.”

Das flüssige Gold der Honigbienen, das natürlich je nach Sorte auch eine andere Farbe haben kann, ist sehr gesund. Um Zucker in Nahrungsmitteln abzubauen, wird dem Körper Vitamin E entzogen. Doch Honig liefert die Vitamine zum Zuckerabbau gleich mit!
Bitte merken: Für unter Einjährige ist der Verzehr von Honig absolut tabu! Honig kann Keime eines Bakteriums enthalten, das sich im Darm eines Säuglings ansiedeln und dort ein gefährliches Gift bilden kann. Im schlimmsten Fal droht dem Kind eine Lähmung der Atmung. Für ältere Kinder und Erwachsene besteht diese Gefahr aufgrund der viel robusteren Darmflora nicht mehr.

Zum Abschluss des informativen Wandertages wollten die Kinder von Richard Kowitz noch wissen, wieso Imker meist helle Sachen tragen, wenn sie bei den Bienen sind. “Bären sind in der Natur für die Bienen die größten Feinde. Sobald der große dunkle Meister Petz heranpoltert, sind die Bienen in Angriffsstellung. Um sich gegen den riesigen Feind zur Wehr zu setzen, stechen sie bevorzugt ans Auge, die Nase und den Genitalbereich. Ein Bienenstich hat einen ganz eigenen Duft, um andere Bienen anzulocken. Also wenn man gestochen wird, sollte man die Einstichstelle schnell abreiben, um ein weiteres Stechen zu verhindern. Helle Kleidung wirkt auf die Bienen beruhigend, deshalb tragen wir Imker bevorzugt helle Sachen.”

Richard Kowitz hat natürlich keine Berührungsängste im Umgang mit seinen Bienen.
Doch auch die kleinen Besucher scheuten den Kontakt mit den tüchtigen Tierchen nicht.

Wer jetzt auch in den Genuss des leckeren regionalen Honigs von Richard Kowitz kommen möchte, wird an den Honigautomaten am Werderpark und in Petzow fündig. Der deutsche Honig ist auf dem europäischen Markt sehr hoch angesehen. Als Highlight kann man in den Automaten auch Bienenpollen kaufen. Sie beinhalten durchschnittlich betrachtet rund zwei bis drei Prozent Fettsäuren, drei bis fünf Prozent Vitamine und Mineralstoffe, 30 bis 40 Prozent pflanzliches Eiweiß und 50 bis 60 Prozent Kohlenhydrate. Kaum ein anderes Lebensmittel ist mit allen wichtigen Nährstoffen in solch einer Konzentration gesegnet. Die kleinen Powerpakete enthalten neben den pflanzlichen Eiweißen (Aminosäuren) auch Hormone und Enzyme. Besonders lecker sind sie, wenn man sie auf einen Salat streut oder in einen Naturjoghurt gibt. (wsw)