Name: Anett Simmen
Alter: 41
Wohnort / Ortsteil: Altstadtinsel Werder (Havel)
Seit wann bist du in Werder zuhause?
Seit Anfang 2008

Was arbeitest / machst Du so den lieben langen Tag?

Ich bin Choreographin und Regisseurin. Meine künstlerische Leidenschaft liegt in der  Realisierung von sogenannten Crossover-Produktionen. Heißt, ich verbinde unterschiedlichste Elemente der darstellenden Kunst. Mit professionellen Tänzern, Artisten, Performern, Sängern, Schauspielern und / oder Musikern setze ich mich kreativ auseinander und erarbeite mit ihnen Stücke oder Shows für Theater, Varieté und Event. Zudem coache ich Artisten bei der Entwicklung ihrer Acts oder helfe Zirkusunternehmen bei der Erstellung ihres Programms.

Viel Zeit verbringe ich jede Woche in meinem Auto. Ich bin deutschlandweit (manchmal auch international) aktiv. Und wenn ich nicht gerade telefoniere, organisiere oder choreographiere, mache ich mir sehr gern bei der Fahrt ein Hörbuch an und lasse Geschichten, Erzählungen oder auch Fach- und Sachliteratur, gekrönt von vorbeiziehenden Landschaften, auf mich wirken.

Vier Mal im Monat fahre ich zudem in eine Behindertenwerkstatt im Süden Brandenburgs und arbeite in der dortigen Theaterwerkstatt mit ganz besonderen Menschen. Durch ihr Handicap haben sie gerade im darstellerischen Bereich eine Ausdrucksstärke entwickelt, die mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Nicht ihre Behinderung, sondern ihre Spielfreude, ihr Authentizität und ihre Lust, sich zu präsentieren, stehen im Mittelpunkt der erarbeiteten Sequenzen. Die aktuelle Inszenierung heißt „SinnFlut“ und kann sich gern am 9. April 2016 angesehen werden (Informationen dazu gibt es hier)

Des Weiteren trainiere ich u.a. auch Kinder und Jugendliche im Artistik-, Akrobatik-, Theater- und Tanzbereich. Ich gebe mein Wissen sehr gern an den Nachwuchs weiter und erfreue mich immer wieder, wenn diese Arbeit Früchte trägt.

Mein Büro und meine Wohnung befinden sich auf unserer wunderschönen Insel und ich fühle mich in meinem dortigen Umfeld sehr, sehr wohl.
In Werder und Potsdam baue ich zur Zeit sukzessive ein professionelles Ensemble auf. Zum Ensemble, „Company VoLA“, gehören im Augenblick 14 Darsteller. Darunter Tänzer, Artisten, Feuerkünstler, Freestyler, Vertical-Dancer, Sänger und Musiker. Wir kommen aus acht Nationen und zeigen auch, wie sich Künstler unterschiedlichster Herkunft und Nationalität gegenseitig bereichern können und eine gemeinsame Bühnensprache sprechen. Gerade durch die Vielfalt an Darstellungsformen begeistern wir unser Publikum.

Was würdest Du lieber machen?

Oft stehe ich früh um 4.00 Uhr auf und gehe manchmal weit nach Mitternacht schlafen, um alles zu schaffen, was zu meiner Arbeit gehört. Training geben, Büroarbeit, Workshops und Proben organisieren sowie vor- und nachbereiten, Choreographien entwickeln, Theaterstücke und Shows kreieren, Recherchieren, Musiken schneiden, Kostüme und Bühnenbilder entwerfen, fit bleiben, Anfragen beantworten, Buchhaltung führen, Meetings organisieren, Ideen für Kunden entwickeln, Inszenierungen promoten, Gelder für den Aufbau der Company akquirieren, Lagerraum und Requisiten pflegen, Netzwerken, Politiker überzeugen, Zukunftsvisionen spinnen und aktuelle Herausforderungen managen. Ich habe keinen geregelten Tagesablauf, kein geregeltes Einkommen, oft bin ich unterbezahlt, für manches werde ich gar nicht bezahlt, habe wenig Zeit für Freunde und Relaxen.

Jedoch nein, ich möchte nichts auf dieser Welt beruflich lieber tun als diese Arbeit! Mein Job füllt mich leidenschaftlich aus.

Manchmal möchte ich sehr gern mehr Menschen um mich herum davon überzeugen, dass Kunst und Kultur ein wahnsinnig wichtiger Part des gesellschaftlichen Lebens ist und viel mehr gezielt gefördert werden sollte. Der wahre Wert von Künstlern wird oft übersehen. Es wird manchmal weit unterschätzt, welch’ große Rolle Musiker, Theaterschaffende, Filmemacher, Tänzer, Schauspieler, Maler und andere Kreative im ganz allgemeinen Leben eines jeden einzelnen von uns spielen.
Können Sie sich ein Leben ohne Musik, Poesie, ohne Schauspiel, Theater, darstellende und bildende Kunst vorstellen?
Nehmen wir uns ein paar Sekunden Zeit und stellen uns das tatsächlich vor. Keine Musik im Radio, keine CD, kein Bild an der Wand, keine Verzierung am Haus, kein Gedicht, kein Roman, keine Konzerte, keine Theateraufführung, kein Film im Kino und Fernsehen, kein Tanzabend, kein Musikinstrument … Wie arm wäre doch eine Gesellschaft, auch wenn sie alles Geld der Welt besäße!

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Hast du einen Lieblingsort in Werder? Wo und warum?
Ich sitze sehr gern im Museumsgaststübchen „Kuddeldaddeldu“. Im Frühling und Sommer –  mit Obstwein auf der Terrasse am Wasser, im Herbst und Winter – mit Tee im „Wohnzimmer“. Das ganze Ambiente strahlt eine urige Gemütlichkeit aus und ich genieße es, dort unter netten Menschen und Freunden zu verweilen.

Was ist das Besondere an Deinem Ortsteil?

Mein Ortsteil, die Insel, besticht natürlich durch das Wasser drumherum und die kleinen Gassen mit den schönen Häusern darauf. Sie verbreitet gemütliches, dörfliches Flair und ist trotzdem nicht einengend. In den Cafés kann man sich niederlassen und regionale Spezialitäten genießen. Und die Großstädte Potsdam und Berlin sind sehr nah. Alles in allem ein perfektes Fleckchen Erde, um anzukommen.

Was ist Deine Lieblings-Jahreszeit und warum?

Ich habe keine wirkliche Lieblingsjahreszeit. Lange Zeit war ich überzeugt, dass ich den Herbst nicht mag. Alles grau, düster, nass … Doch als ich diesen zweimal nicht erleben konnte, da ich beruflich längere Zeit im Ausland war, fehlte mir genau diese etwas düstere Stimmung und ich genoss den darauffolgenden Herbst.
Der Frühling trägt viele Farben in sich, der Sommer fühlt sich frei an, der Herbst hat etwas Mystisches. Der Winter hat eine besondere Akustik, wenn der Schnee liegt, dabei jedes Geräusch absorbiert wird und alles so still ist. Für mich hat somit jede Jahreszeit ihren Reiz.

Werderaner oder Werderscher?

Ureinwohner (Werdersch) oder Zugezogener (egal wann = Werderaner), das ist hier die Frage! Wie stehst Du dazu?

Wie bist Du nach Werder gekommen?

Ich bin „Zugezogene“, Fazit Werderanerin.
Vorher habe ich in Berlin gelebt. Doch ich wollte raus aus dieser Stadt. Irgendwie war mir das Leben dort dauerhaft zu hektisch und zu anonym. Ich brauchte Abstand davon. Die Nähe zu Berlin war mir wiederum wichtig. Mein Ziel war Potsdam. Doch dann las ich eine Annonce „Wohnung … Potsdam-Nähe … auf Werders grüner Insel …“ Ich dachte mir, das schaust du dir mal an. Ich hatte noch nicht den Fuß in die Wohnung gesetzt, da war ich verliebt … in die Insel.
Meine Wurzeln liegen im Süden Brandenburgs. Dahin fühle ich mich sehr verbunden, doch in Werder fühle ich mich mittlerweile zu Hause.

Marmelade oder Wein?

Wein!

Liebst Du Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?

Ja, ich liebe Tiere, habe jedoch kein eigenes Haustier. Hund oder Katze? Nun ja, beide haben ihren Charme. Katzen sind unabhängig, eigensinnig und sie umschmeicheln so charmant, zaghaft, fordernd, wenn sie etwas wollen. Da kann ich kaum widerstehen. Zum Thema Hund: Kommt ein wenig auf den Hund an, doch die meisten erobern mein Herz im Sturm.

Welches Buch liegt auf deinem Nachttisch?

John O’Donohue „Schönheit“. Dieses Buch dient mir regelmäßig als Inspirationsquelle.

Was müssen wir dringend noch von dir wissen?

Ich bin gern draußen. Ob wandern, Kanu fahren oder mit dem Bike, ich liebe es mein Zelt aufzuschlagen, am Lagerfeuer zu sitzen oder auch ein einfaches Picknick im Grünen. Da kann ich die Seele baumeln lassen und der Natur lauschen.

Hier gibt es ein schönes Video von der Aufführung der Company VoLA zur Veranstaltung “10 Jahre Edeka Katrin Schneider” in Werder (Havel): https://vimeo.com/146574422