„Für ein weltoffenes Werder“ – das Abschlusskonzert

Der Werderaner Musiker Gabor Kurucz über seine Motivation und das Programm beim Abschlusskonzert der Aktionswoche "Für ein weltoffenes Werder" am 8. September in der Heilig Geist Kirche

Gabor Kurucz organisiert maßgeblich das Abschlusskonzert der Aktionswoche
Gabor Kurucz organisiert maßgeblich das Abschlusskonzert der Aktionswoche "Für ein weltoffenes Werder". Foto: wsw

Werder (Havel), 4. September 2018 – Zum Abschluss der diesjährigen Aktionswoche „Für ein weltoffenes Werder“ gibt es ein Konzert in der Heilig Geist Kirche. Beginn ist 15 Uhr, Ende gegen 22 Uhr. Verschiedene Musikbands und andere musikalische, künstlerische und inhaltliche Beiträge gibt es auf der Bühne, dazu ein Kinderprogramm. Kulinarisches und Informationsstände vor der Kirche gehören ebenso zum Abschluss der Aktionswoche. Wir sprachen mit Gabor Kurucz. Der Werderaner Musiker organisierte maßgeblich bereits im vergangenen Jahr das Konzert in der Heilig Geist Kirche und ist auch in diesem Jahr bei dem Projekt dabei.

Wie kamen Sie zur Musik – und welches Instrument spielen Sie?
Mal abgesehen von Wiegenliedern aus der Zeit als Kleinkind oder Kinderliedern auf Schallplatte zuhause, ist Musik spätestens seit meiner Einschulung ein essentieller Bestandteil meines Lebens und Alltags.
In der Schule wurde jeder Tag mit einem Lied begonnen. Auch zu Beginn des Mathe- oder Geographieunterrichts wurde meist gesungen oder geflötet. Da bekommt man ein dickes (Trommel-) Fell. Jetzt im Nachhinein glaube ich, dass mir das immer sehr gefallen hat.

Glücklicherweise wurde in meiner Familie auch viel musiziert. Das waren zwar nicht Mutter und Vater, aber dafür die großen Schwestern. Die Größte hatte mal ein wenig Gitarre gespielt und die andere Geige. Ich war also von verschiedene Musikinstrumenten umgeben, kam aber erst als Jugendlicher selbst zur Gitarre. Nachdem ich eine Weile meine Mitmenschen mit eher undynamischen Geschrammel von meinen Fähigkeiten in Kenntnis setzte, bekam ich zum 17. Geburtstag meine erste eigene Gitarre und wurde sogleich zum Gitarrenunterricht verdonnert. Nach etwa einem halben Jahr habe ich es nicht mehr ausgehalten, obwohl mir viel beigebracht wurde und ich einen sehr guten und geduldigen Gitarrenlehrer hatte. Mir ging es damals einfach nicht schnell genug.

Ein paar Jahre später begann ich mit der E- Gitarre und gründete mit ein paar Freunden eine Band. Wir spielten ausschließlich eigene Lieder. Leider trennten sich nach dem Abitur mehr oder weniger die Wege und es blieb bei einem einzigen Auftritt. Irgendwie ließ ich dann meine Gitarren stehen. Bis ich Jahre später – ausgerüstet mit einem besseren PC und einem Audiointerface – begann selber Musik aufzunehmen. Ich hatte bisher nie die Absicht etwas zuveröffentlichen. Nur mit Freunden tauschte ich mich bisher aus, aber das kann sich ja noch ändern.
Wenn ich am Schreibtisch sitze habe ich zur Zeit eine E-Gitarre, E-Bass, E-Piano und eine Posaune in Griffweite. Im Keller stehen noch Akkordeon, Geige und Dudelsack. Über die Jahre hat sich da ganz schön was angesammelt.

Wie kamen Sie zu der Initiative, die die Woche für ein weltoffenes Werder organisiert?
Herr Dörflinger und Pfarrer Thimme sprachen mich vergangenes Jahr an. Beide waren der Überzeugung, dass was gegen die immer lauterwerdenden antisolidarischen, teils rassistischen Meinungen einiger Nasen, die durch die Medien verbreitet werden, unternommen werden sollte. Schließlich teile auch ich nicht die Ansichten der „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“- Fraktion. Eher müsse man – in Zeiten von Kriegen und Guantanamo – an Ideale und humanistische Werte erinnern. Die Idee von einem Konzert stand im Raume und ich kontaktierte einfach ein paar Musiker und Bands, die ich von offenen Bühnen, wie bspw. von der Open Stage im Scala Kulturpalast, kannte. Schnell erklärten sich alle bereit, mitzumachen und das Programm stand.

Sie treten mit Ihrer Band auch wieder beim „Konzert für ein weltoffenes Werder“ auf. Wie heißt Ihre Band, welche Musik spielen Sie?
Ja, dieses Jahr trete ich mit „Frau Zimmer“ während der Open Stage auf. Wir haben uns im Juni formiert und bisher nur einigen Coverliedern unseren Stempel aufgedrückt. Man darf sich auf eine Melange aus Soul, Pop und Rock freuen.

Warum ist Ihnen das Anliegen „Weltoffenes Werder“ wichtig?
Weil sonst der Eindruck entsteht, dass keiner in Werder eine Haltung hat.
Pegida, Pogida, eine rechtspopulistische Partei im Bundestag sind Vorzeichen für eine Zukunft, in der nicht der Dialog, sondern Gewalt als erste Option der Problemlösung aktzeptiert ist. Das möchte ich nicht. Für niemanden.

Warum ist Musik ein Mittel, eine Botschaft zu vermitteln?
Weil sie jeden erreichen kann.

Können sich noch Bands, Einzelinterpreten, Comedians oder andere Menschen, die etwas zum Programm der open stage am 8. September beitragen möchten, bei Ihnen anmelden?
Ja, ab 16 Uhr ist die Bühne frei für jede/n, die/der was spielen oder erzählen möchte, etwas beizutragen hat, was der Sache dienlich ist. Man kann mich einfach ansprechen und ich kümmere mich um Länge und Reihenfolge.

Warum sollten alle Werderaner am 8. September zu diesem Konzert kommen?
Weil wir hier echt im Paradies leben und es gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und anderen großen Fehlern der Vergangenheit verteidigen müssen.
Komm‘ und setz ein Zeichen für weltoffenes, zukunftsbejahendes Werder. Der Eintritt ist frei.

Wie steht es um die geplante „Hymne“? Was ist die Idee und was soll daraus werden?
Die Idee ist schonmal in der Welt. Harmonien und Melodien sind auch schon gewählt. Ich hätte es gern mehrsprachig und hoffe, dass wir beim nächsten Mal mit vereinten Stimmen unsere Ideale und Absichten musikalisch Ausdruck verleihen können.

Auch beim Musical „Linie 1“, das eine Gruppe aus Hörenden und Gehörlosen in Werder aufführten, waren Sie bereits dabei. Gibt es Pläne für ein Fortsetzung dieses spannenden Projektes?
An den Musicalprojekten mitwirken zu dürfen ist immer eine unglaubliche Erfahrung. Nebenbei lernt man so vieles. Ich habe viele neue und gute Bekanntschaften machen dürfen und kann mir jetzt ein Bier in Gebärdensprache bestellen. Ich hoffe doch stark, dass es Fortsetzungen geben wird. Wie wär’s mit „Linie 2“? 😉 (wsw)

Gabor Kurucz und seine Band "Frau Zimmer". Foto: Patrick Ley
Gabor Kurucz und seine Band "Frau Zimmer". Foto: Patrick Ley