Für unsere Kinder. Für unsere Zukunft.

Werder (Havel), 15. August 2019 – Kinder sind nicht nur unsere Zukunft, sondern sie sollten auch schon in der Gegenwart ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sein. Ob man sich nun bewusst für oder gegen eigene Kinder entscheidet, ist zum Glück eine absolut individuelle Entscheidung, die man nur für sich selbst bzw. gemeinsam mit seinem Partner/seiner Partnerin treffen muss. Doch immer öfter hängt diese Entscheidung auch mit existenziellen Sorgen und Nöten zusammen.

Das darf so nicht bleiben, findet auch der Landeselternbeirat für Kindertagesbetreuung Brandenburg (LEBK). Aus diesem Grund hat der LEBK gemeinsam mit Kreisbeiräten und Initiativen eine Petition gestartet, die von der Landesregierung eine faire, zukunftsorientierte und soziale Gestaltung des Kitagesetzes fordert.

Im Land Brandenburg sind die Kitabeiträge nicht einheitlich geregelt und unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde grundlegend. Kostet eine sechs-Stunden-Betreuung in der Krippe in Gemeinde A 50 Euro, werden in Gemeinde B knapp 400 Euro fällig. Die Transparenz, wie, was, in welcher Höhe finanziert wird, fehlt. Im Artikel 29, Absatz 3 der Verfassung des Landes Brandenburg steht: „Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu den öffentlichen Bildungseinrichtungen, unabhängig von seiner wirtschaftlichen und sozialen Lage und seiner politischen Überzeugung.“ Bei 350 Euro Differenz ist von einem „gleichen Zugang“ jedoch nicht mehr die Rede. Die Petition fordert ganz klar die Abschaffung der Krippen-, Kita- und Hortbeiträge. In anderen Bundesländern wurde dies schon erfolgreich umgesetzt.

„Kindertagesstätten stellen eine Ergänzung zur Bildung und Erziehung in der Familie dar. Um sicherzustellen, dass alle Kinder auch freien Zugang zu guter Bildung haben, müssen Bildungsbarrieren in Form von Elternbeiträgen vollständig abgebaut werden. Eltern müssen auch finanziell entlastet werden. Damit wird Familien die Möglichkeit gegeben, Familienzeit zu gestalten, gesunde Ernährung und Bewegung der Kinder zu finanzieren“, so Doreen Recknagel vom KiTa Elternbeirat Potsdam Mittelmark.

Doch nicht nur bei der Beitragsfreiheit sieht der LEBK die Landesregierung in der Pflicht zu handeln. Es ist weiterhin die Rede von der Einführung eines „Bildungsschlüssels“, der bedarfsgerechte Betreuungszeiten absichern soll. Eltern müssen arbeiten gehen können, dazu braucht es ausreichend gut ausgebildetes pädagogisches Personal in den Einrichtungen und genug Raum für kindliche Entwicklung.

Um dies zu gewährleisten, fehlt derzeit jedoch ausreichend Personal. Die Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher ist aktuell wenig attraktiv. Hier fordert die Petition, dass die Ausbildung komplett neu aufgestellt wird, eine klassische duale Ausbildung, wie sie auch in vielen anderen Bereichen praktiziert wird, wird gewünscht. Träger und Kommunen müssen hier dringend unterstützt werden.

Mehr Qualität, Beitragsfreiheit, mehr Personal, wohnortnahe Kitaplatzvergabe – Die Schlagwörter der Petition, die am 8. August 2019 gestartet ist, trifft auf zahlreiche offene Ohren. Bisher haben rund 3.700 Menschen die Online-Petition unterschrieben. Damit wurden 39 Prozent der geforderten 8.700 Stimmen bereits erreicht, und das innerhalb von wenigen Tagen. Dies zeigt deutlich, dass der Wunsch nach Veränderungen im Kitagesetz groß ist.

Und auch die mehr als 1000 Kommentare sprechen eine Sprache:

“Kindergärten sind Bildungseinrichtungen. Bildung muss im Sinne der Chancengleichheit für jeden kostenlos zugänglich sein. Außerdem leisten Eltern mit dem Heranziehen der nächsten Generation einen wertvollen Beitrag für die ganze Gesellschaft. Warum sollten Sie alleine dafür aufkommen?”

“Die Diskussion in Brandenburg zu diesem Thema ist zermürbend. Zu Wahlen versprechen alle, sich zu kümmern, danach kann sich kaum noch jemand daran erinnern. Außerdem ist es den Betroffenen nicht vermittelbar, warum es in “einem Brandeburg” so unterschiedliche Gebühren gibt.”

“Die Bildung im Kindergarten ist essenziell für Kinder, um schon sehr gut in der Grundschule zu starten. Daran kann nicht gespart werden und das kann auch keine Frage des Geldbeutels der Eltern sein. Es ist auch nicht einzusehen, dass Eltern mit einem guten Beruf benachteiligt werden und hohe Gebühren tragen müssen. Arbeit darf nicht bestraft werden.”

“Sollte Normalität sein in ganz Deutschland, dass die Erziehung und Betreuung unserer Kinder in staatlichen Einrichtungen kostenfrei wird.”

“Weil wir sowohl die aktuellen Gesetze und Rahmenbedingungen, als auch das neue Gute Kita Gesetz als nicht gerecht und nur als Flickenteppich empfinden. Wie kann es sein, dass sogar Berlin und Mecklenburg-Vorpommern die Beitragsfreiheit eingeführt haben und Brandenburg schafft es lediglich mit solchen Regelungen einer Zweiklassengesellschaft zu kommen? Ein Kind wird nicht besser betreut wenn die Eltern dafür zahlen müssen und umgekehrt. Bildung muss in Deutschland kostenlos sein und dazu gehört ebenso der Lebensabschnitt als Krippen- und Kita-Kind.”

Wer die gemeinsame Petition vom Landeselternbeirat (LEBK) mit den Kreisbeiräten und Initiativen unterstützen möchte, findet alle notwendigen Informationen sowie ein Erklärvideo zur Petition unter: https://www.openpetition.de/petition/online/worauf-warten-mehr-qualitaet-und-beitragsfreiheit-jetzt

“Unterschreiben darf Jede*r, der seinen Hauptwohnsitz im Land Brandenburg hat. Egal ob Eltern, Großeltern, Paten, Erzieher*innen, Trägervertreter*innen, Interessierte oder einfach Weltverbesserer – jede Unterschrift zählt!”, appelliert Doreen Recknagel abschließend. (wsw)