Gegen einen Windpark mit 18 Anlagen

Gigantisch: Der Windpark auf der Nauener Platte mit rund 200 Anlagen. Zu sehen ist er hier bei einem Blick über die Havel vom Phöbener Wachtelberg aus. Foto: wsw

Werder (Havel), 19. Dezember 2018 – Die Stadt Werder (Havel) wird das gemeindliche Einvernehmen zur Errichtung eines Windparks im Wald bei Bliesendorf versagen. Das haben die Stadtverordneten in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit bei einer Gegenstimme der Fraktion der Grünen beschlossen.

Der Beschluss richtet sich gegen einen Antrag der Firma Notus energy Plan GmbH beim Landesamt für Umwelt in Potsdam für die Errichtung und den Betrieb von 18 Windenergieanlagen des Typs Vestas V 150 und Vestas V 136. Sie haben Gesamthöhen zwischen gigantischen 220 und 243 Meter. Aus Sicht der Stadt Werder (Havel) ist die Genehmigung aus Naturschutzgründen zu versagen, da Belange des Vogelschutzes und des Fledermausschutzes in erheblichem Ausmaß beeinträchtigt werden. Hinzu kommen entgegenstehende Belange des Landschaftsschutzes und der Landschaftsbeeinträchtigung, des Tourismus‘ und des vorbeugenden Immissionsschutzes, insbesondere vor der Gefahr der Schall- und Schattenschlagbelastung. Nicht zuletzt befindet sich der beantragte Windpark teilweise im Wasserschutzgebiet Ferch-Mittelbusch.

Bliesendorf Ortsvorsteherin Evi Kroll dankte den Stadtverordneten in ihrem Redebeitrag dafür, dass sie bislang standhaft allen Anträgen das gemeindliche Einvernehmen versagt haben. „Diesmal wurden 18 Windkraftanlagen beantragt – allein für die Standorte und die Zuwegung müssten 15.000 Bäume gefällt werden. Ich glaube, das ist nicht im Sinne des Natur- und Klimaschutzes“, so die engagierte Kämpferin gegen Windkraftanlagen im Wald. Auch der BUND Brandenburg und der Landesbetrieb Forst seien nach einer Besichtigung des Waldes aufgrund der Baumvielfalt, der Artenvielfalt und der Strukturvielfalt für Windkraftanlagen nicht geeignet. Der BUND würde sich dem Kampf gegen die Windkraftanlagen anschließen, so Kroll.

Bürgermeisterin Manuela Saß betonte, dass sie viel Verständnis für Umweltschutz und die Nutzung von Windenergie zur Stromerzeugung hätte. „Niemand in diesem Haus widersetzt sich der Energiewende oder ist gegen Windkraft“. Aber sie halte es für absolut nicht umsetzbar, Windkraftanlagen in Wäldern zu errichten. Es gebe ausreichend andere Standorte, an denen Windkraftanlagen errichtet werden könnten, bat sie um Zustimmung zu diesem Antrag. Peter Hinze von den Linken verwies darauf, dass es bereits Alternativen zu derartigen Anlagen gebe, die teurer seien. Dem Profitstreben der Anlagenbauer stünde das allerdings entgegen. Auch Anja Spiegel (SPD) hofft auf ein Umdenken bei der Landesregierung, was die Pläne der Windparks betrifft. Sie wundere sich allerdings auch über die Gemeinde Schwielowsee, die ein Windeignungsgebiet so weit am Rande der Gemeinde ausgewiesen hätte, dass es die eigenen Bewohner nicht stören würde – allerdings die Bewohner im Nachbarort Bliesendorf. Der Schall der Windkraftanlagen würde – neben dem Lärm von der Autobahn – direkt Bliesendorf und Elisabethhöhe treffen. „Ja, wir brauchen die Energiewende. Aber der Wald ist kein Industriegebiet!“. Peter Kreilinger (CDU) nannte das Gebaren der Windkraftunternehmen rücksichtslos und profitmaximiert, es gebe noch immer keine geeigneten Speichermöglichkeiten. „Nur weil Energiewende drauf steht, muss nicht alles toll sein“, sagte er in Richtung der grünen Fraktion in Werders Stadtverordnetenversammlung, die allein dem gemeindlichen Einvernehmen zustimmten.

Glindows Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm appellierte an die Stadtverordneten, sich an den Aktionen der Bürgerinitiative Bliesendorf im Verein „Waldkleeblatt – Natürlich Zauche“ zu beteiligen und damit den Protest zu stärken. (wsw)