Gemeinsam füreinander da sein

Dorothea Slodowy und Peter Mathaei sind Seniortrainer in Werder.

Werder (Havel), 11. Mai 2021 – Seniortrainer engagieren sich in Kitas und Schulen, entwickeln selbstständig soziale Projekte, sind Mediatoren und auch Multiplikatoren in ihrer Kommune. In Werder (Havel) sind zur Zeit acht Seniortrainer*innen tätig. 


Dorothea Slodowy hat im Jahr 2017 die Ausbildung zur Seniortrainerin gemacht mit der Intention, als Mitglied im Seniorenbeirat Werder neue Anregungen und Impulse für die Seniorenarbeit zu bekommen. Peter Mathaei absolvierte die Seniortrainerausbildung ebenfalls in 2017. „Geweckt wurde mein Interesse durch einen Pressebeitrag in einer Tageszeitung. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon fünf Jahre die Ortsgruppe der Volkssolidarität in Glindow als Vorsitzender leitete, alle Voraussetzungen erfüllte, war ich nach der Anmeldung davon überzeugt, dazu lernen kann man immer und etwas Neues kommt bei den Mitgliedern auch an. Ich sollte recht behalten“, so Peter Mathaei.

Die kostenlose Ausbildung zum Seniortrainer beinhaltet drei dreitägige Module in einem Zeitraum von drei Monaten in der Heimvolkshochschule am Seddiner See. Die Inhalte sind unter anderem Kommunalstrukturen, Projektentwicklung, Moderation, Gesprächsführung, Präsentationen, Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr. 


„Jede/r Teilnehmer*in soll am Ende der Ausbildung ein eigenes Projekt entwickeln, das sie in ihrer Kommune ehrenamtlich einbringt, und vorstellen. Mein Projekt hieß damals ‘Impulse für ein herzgesundes Leben’“, erinnert sich Dorothea Slodowy. Und weiter: „2018 habe ich gemeinsam mit dem Seniorenbeirat daraus ein halbjähriges Projekt entwickelt ‘Gesund und aktiv älter werden in Werder’. Die Themen waren gesunde Ernährung, Bewegung, Stressreduzierung und Raucherentwöhnung. Der krönende Abschluss war ein Aktionstag am und im Schützenhaus mit vielen Aktivitäten zur Herzgesundheit, z.B. Nordic-Walking, einen aktivierenden Inselwalk, Lachyoga, Blue Flow Tai-Chi, computergesteuerte Bewegungen (Wii-Console), Blutdruckmessungen, Ernährungsberatungen, usw. Das Projekt wurde gefördert vom Landkreis Potsdam-Mittelmark (Aktiv sein im Alter).“

Gerade die Älteren werden von der Corona-Pandemie hart getroffen. Wir wollten von Dorothea Slodowy und Peter Mathaei wissen, wie sich ihre ehrenamtliche Tätigkeit verändert hat?

Dorothea Slodowy: „Während der Corona Pandemie sind alle Aktivitäten vom Seniorenbeirat zurückgefahren worden. Ich habe die Zeit genutzt, um mich in Präsenz- und Onlinekursen zu schulen, in der interaktiven Theaterarbeit (Playback Theater). In dieser speziellen Theaterform kann der Zuschauer sein eigene Geschichte erzählen, die von einem oder mehreren Spielern in einer wertschätzenden Außenperspektive widergespiegelt wird. Die Atmosphäre der Geschichte wird durch einen Spieler musikalisch aufgegriffen und ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Ich möchte dieses ‘interaktive Theater’ als Solodarstellerin in Form eines Erzählcafés in Begegnungsstätten oder Senioreneinrichtungen anbieten, auch mit dementiell erkrankten Menschen durch Impulse wie Lieder, Gedichte oder Märchen, die meistens im Langzeitgedächtnis gut verankert sind. So kann es zu einem kollektiven Erlebnis, Gesehen- und Gehörtwerden kommen, wobei Sprache, Musik und Metaphern den gemeinschaftlichen Dialog unterstützen und Zugehörigkeit fördern. Vielleicht kann so ein Erzählcafé auch ein kleiner Baustein sein, um der Einsamkeit entgegenzuwirken.“

Peter Mathaei: „Das Leben, die Projekte sowie die Vereinsarbeit gehen im Verborgenen bzw. in abgespeckter Form auch trotz Corona weiter. Da Treffen im größeren Maßstab immer noch nicht möglich sind und man den Kontakt zu unseren Mitgliedern nicht verlieren möchte, sind hier kurzfristig neue Ideen erforderlich bzw. gefragt. Unsere letzte gemeinsame Aktion war der Ausflug zum Frauentag in 2020 nach Wiesenburg in der ‘Alten Remise’. Zu Weihnachten wurden kleine grüne Stoffbeutel gepackt und durch fleißige Helfer an die Frau bzw. den Mann verteilt. Zum Frauentag in diesem Jahr erhielten alle Mitglieder – auch die männlichen – einen gefüllten Briefumschlag über den Briefkasten. Zu Ostern wurden kleine bunte Tüten vorbereitet und dann verteilt. Unserer Ortsgruppe hat derzeit 60 Mitglieder, mehr als die Hälfte von ihnen hat das 80. Lebensjahr weit überschritten. Dies macht es schwierig, alle Mitglieder zu erreichen. Ich habe zum Beispiel eine Whats-App Gruppe ins Leben gerufen, mit dieser ist es möglich, schnell Informationen in der Gruppe zu verbreiten. Das funktioniert super! Mein Dank auf diesem Wege allen, die sich daran beteiligen.“  

Sowohl Dorothea Slodowy als auch Peter Mathaei erinnern sich gerne an ihre Seniortrainerausbildung zurück. Es wurde viel gelacht und es hat sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Besonders der Leiter der Ausbildung, Herr Kl. D. Späthe, bleibt Peter Mathaei in gutem Gedächtnis. Ebenso wie sein damaliges Projekt, das die Bekämpfung von Polio zum Thema hatte. „Wir haben die PET-Verschlusskappen von Getränkeflaschen gesammelt. 500 Deckel (etwa 1 kg) genügen, um eine Schluckimpfung zu finanzieren. Da es in Werder und Umgebung keine Erfassungsstellen gab, ist es mir kurzfristig gelungen, elf Sammelpunkte zu schaffen. Mein Ziel war es, 500 kg Deckel zu erfassen. Leider wurde das gesteckte Ziel nicht ganz erreicht, es waren nur 486 kg zusammengekommen. Da China aufgrund des gesunkenen Ölpreises auf dem Weltmarkt keine Plastikabfälle mehr aufkaufte, wurde das Projekt bundesweit eingestellt.“ 

Abschließend haben uns Dorothea Slodowy und Peter Mathaei noch verraten, warum ihnen ihre ehrenamtliche Tätigkeit so wichtig ist und welche Wünsche sie für die Zukunft haben.

Dorothea Slodowy: „Für mich bedeutet Ehrenamt, nicht nur an mich zu denken, sondern auch für andere da zu sein und Gemeinschaft leben. Ich hoffe, dass wir in diesem Herbst wieder mit den Werderaner Senioren ein schönes Fest feiern können und dass möglichst viele Menschen an dem Angebot des Landkreiseses zur SeniorTrainer*in Ausbildung teilnehmen und in dem sich daraus ergebendem Seniorenkompetenzteam austauschen und einbringen.“

Peter Mathaei: „Ehrenamtliche Tätigkeit ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Ein Slogan bei der Volkssolidarität lautet: ‘Miteinander Füreinander’, davon lasse ich mich leiten. Für die Zukunft, wünsche ich den Mitgliedern der Glindower-Ortsgruppe und allen anderen Bürgern rund um die Mutterstadt Werder, alles Gute und ganz wichtig Gesundheit, verbunden mit der Hoffnung, dass in absehbarer Zeit wieder Normalität eintritt und das Leben wieder an Fahrt gewinnt. 

Lassen Sie mich das Interview mit einem Spruch von Antonie de Saint- Exupery beenden: ‘Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben um die Arbeit zu erleichtern. Sondern lehre den Männern die Sehnsucht nach den endlosen Weiten des Meeres.’“

Die nächste Seniortrainer Ausbildung startet voraussichtlich am 29. September. Die Ausbildung findet in der Heimvolkshochschule (HVHS) am Seddiner See statt. Durch die Unterstützung des Landkreises Potsdam-Mittelmark ist für alle Teilnehmer die Ausbildung kostenfrei. Anmeldung unter: Akademie 2. Lebenshälfte, Rheinstraße 17B, 14513 Teltow, Tel. 03328/47 31 34 oder 03327/66 88 308, E-Mail:sandow@lebenshaelfte.de,www.akademie2.lebenshaelfte.de. (wsw)

Dorothea Slodowy und Peter Mathaei