“Heimatgeschichtliche Beiträge 2018” erschienen

„Werder ist deutschlandweit weltberühmt“ - neue Ausgabe wieder mit vielen interessanten Beiträgen.

Das erste Exemplare der jetzt neu erschienenen „Heimatgeschichtlichen Beiträge“ erhielt die Bürgermeisterin Manuela Saß aus den Händen vom Chef des Heimatvereins, Dr. Klaus Froh. Foto: wsw

Werder (Havel), 17. Dezember 2018 – Gab es im vergangenen Jahr zum 700. Stadtjubiläum eine Doppelausgabe mit 144 Seiten der „Heimatgeschichtlichen Beiträge“ aus Werder (Havel), hat die jetzt erschienene aktuelle Ausgabe wieder die traditionellen 64 Seiten. Von der Gründung der Christian-Morgenstern-Gesellschaft über Jubiläen bekannter Firmen der Stadt, Interessantes aus dem Weinverein und einem Beitrag über die Garnisonsstadt Werder, ein Porträt über den „vergessenen Maler“ Richard Muth oder Kindheitserinnerungen aus Werder 1945 und weiteren Themen gibt es wieder interessantes Lesevergnügen für geschichtlich interessierte Bürger und Gäste der Stadt. Für 7.50 Euro ist das Heft in der Buchhandlung Hellmich und im Kartenhaus im Werderpark erhältlich. Die Auflage beträgt 300 Exemplare.

“Wie immer hat der Heimatverein keine Mühen gescheut, uns auch in diesem Jahr mit einem interessanten Heft zu beschenken – es ist ja bald Weihnachten“, stellte Bürgermeisterin Manuela Saß bei der Präsentation des Heftes vor der Presse fest. Im Grußwort der aktuellen Ausgabe betont sie den großen Anteil des Werderaner Heimatvereins und des Ortschronisten Dr. Baldur Martin am gestiegenen Interesse der Einwohner an der Stadtgeschichte.

Dr. Klaus Froh freute sich, die „Heimatgeschichtlichen Beiträge“ des Heimatvereines schon traditionell bei der Bürgermeisterin der Presse vorstellen zu können. „1982 haben wir das erste Heft herausgegeben“, so Froh. Bei einer Durchsicht der Hefte hätte er viele interessante Themen gefunden, aber: „Wir haben noch Stoff für viele Jahre“. Auch Beiträge, die vielleicht einer Überarbeitung bedürften, kamen ihm in die Hände. Er dankte Baldur Martin für die jährliche Mühe. Martin präsentierte das in diesem Jahr karminrote Heft – er ist jeweils nicht nur Herausgeber, sondern auch für die Farbwahl zuständig.

„Es war diesmal nicht so schlimm, die Themen zusammen zu bekommen, da die 700-Jahr-Feier noch nachwirkte“, sagte Baldur Martin. Man hätte sogar Themen zurückgestellt. „Das halbe Heft für das nächste Jahr ist bereits gefüllt“. Das hätte es noch nie gegeben. „Das freut uns als Heimatverein, das widerspiegelt die Auffassung in der Bevölkerung, sich mehr mit Heimatgeschichte der Stadt zu beschäftigen“. So würden ihm auch immer wieder interessante Themen angetragen, über die sich zu schreiben lohne. Er dankte der Stadt zudem für die immer gute Zusammenarbeit bei der Herausgabe des Heftes.

Bislang sind 28 Hefte erschienen, darunter Doppelhefte. 2123 Seiten wurden insgesamt gedruckt. “Eine ganze Menge für eine Stadt wie Werder“, ist Baldur Martin stolz. 1982 erschien das erste Exemplar. Zwischen 1992 und 1997 ruhten die Veröffentlichungen. Das in zwei Jahren erwartete Heft soll als Jubiläumsausgabe gestaltet werden, kündigte Baldur Martin an. In der Wendezeit hätte die Kreisleitung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands das Heft herausgegeben, so der Ortschronist und Autor u.a. der „Werder Chronik“. „Man wusste nicht so richtig, wie es weiter gehen soll“, sagte Martin. Zudem sei das Redaktionskollegium Werder „nur von Weitem“ verbunden und der Meinung gewesen, das Heft würde niemanden mehr interessieren. So wurde es eingestellt. „Mir hat es leid getan, aber es war nicht zu ändern“. Seit dem Neustart 1998 sei die Auflage von 300 bis 400 Exemplaren immer gut angekommen. Mit einem Lächeln verweist Baldur Martin auf Werderaner Großfamilien wie die der Familie Gentz. 50, 70 Leute – einer oder zwei kauften das Heft und das würde dann herumgereicht. Allerdings sind auch immer wieder ehemalige Werderaner oder Nachkommen von Werderaner Familien in ganz Deutschland an den „Heimatgeschichtlichen Beiträgen“ interessiert, ergänzt Klaus Froh. „Werder ist deutschlandweit weltberühmt“, lacht Baldur Martin.

Zum Inhalt der „Heimatgeschichtlichen Beiträge“ 2018

Der Leiter des Christian-Morgenstern-Museums Jürgen Raßbach, seit Jahren unermüdlich unterwegs, Leben und Werk des Dichters in der Blütenstadt bekannter zu machen, berichtet in seinem Beitrag über die Gründung der Morgenstern-Gesellschaft in Werder (Havel). Seit dem 7. April 2018 hätte die Stadt damit neben dem weltweit noch immer einzigartigen Museum auf der Bismarckhöhe nun endlich auch einen entsprechenden Verei, der inzwischen 38 Mitglieder zähle. Die Christian-Morgenstern-Gesellschaft soll auch die erstaunliche Vielfalt der Arbeiten und Schöpfungen Morgensterns würdigen, bewahren und verbreiten. In einem weiteren Beitrag stellt Raßbach das Literaturmuseum vor.

Zwei Unternehmerinnen aus Werder berichten im Heft über ihren jeweiligen Werdegang. Der Name Christine Berger ist untrennbar mit „Sanddorn” verbunden. Seit 25 Jahren schreibt die engagierte Unternehmerin an ihrer Erfolgsgeschichte mit der Superfrucht. Inzwischen ist das Unternehmen Deutschlandweit führend im Sanddorn-Anbau, verbessert die Rezepte für ihre mit vielen Auszeichnungen bedachten bewährten und neuen Qualitätsprodukte, vergrößerte die Anbaufläche, investierte in die Nachhaltigkeit, ist Arbeitgeberin und stellt sich heute auch den neuen Herausforderungen der Vernetzung und der Digitalisierung. Der Traditionsbetrieb wird seit 2008 vom Mutter-Tochter-Gespann Christine und Dorothee Berger geführt. Letztere schrieb den Beitrag für die „Heimatgeschichtlichen Beiträge“.

Die Firma von Karina Eggert hat sich innerhalb von 15 Jahren überaus erfolgreich entwickelt. Die „Krankenschwester mit Leib und Seele“ startete 2004 mit nur zwei Angestellten in die Selbständigkeit. Inzwischen werden von rund 75 Angestellten im Karina-Team rund 220 Patienten hochprofessionell zu Hause betreut und gepflegt, in Hauskranken- und Altenpflege. Der Mensch stehe dabei in seiner Einzigartigkeit und seinen individuellen Bedürfnissen immer im Mittelpunkt. Ihre Senioren-Wohngemeinschaften in Werder und Geltow sowie die Kindertagesstätte sind weitere Bausteine ihres Erfolges. „Meine Kinder arbeiten im Unternehmen erfolgreich mit und sind ebenso wie ich mit Herzblut dabei“, so Karina Eggert.

„Es tut sich was im Weinverein“ stellt Kerstin Otto in ihrem Aufsatz fest. Der Erfolg ihres Vereines basiere darauf, Bewährtes zu bewahren, aber auch neue Veranstaltung ins Leben zu rufen. Die und die Arbeit des Vereins um den „Saft der edlen Beere“ resümiert sie und verweist insbesondere auf die mehr als 350 Weinliebhaber, die in diesem Jahr die erstmals in Potsdam durchgeführte Große Brandenburger Jungweinprobe besuchten.

Im ersten Teil über „Die Garnisonsstadt Werder“ berichtet Autor Klaus Froh über „Die Invalidenkompanie des Königsregiments Nr. 6 in Werder“. Denn „Lange Kerls“ des Soldatenkönigs waren zu keiner Zeit in der Stadt Werder garnisoniert, stellt er klar. Jedes Regiment des preußischen Heeres hätte aber mit einem „Invaliden-Corps“ eine militärische Formation unterhalten, die verwundete und militäruntaugliche Soldaten und Unteroffiziere erfasste. Die verbrachten ihren Lebensabend unter Beibehaltung ihrer kargen Bezüge auf der Insel Werder. Den zweiten Teil zum Thema „Der Fliegerhorst in Werder“ soll dann im kommenden Jahr erscheinen.

Er zeichnete markante Landschaften und Gebäude – mit einem unverwechselbaren und detailgenauen Strich, den viele Betrachter kennen, dennoch ist Richard Muth ein „vergessener“ Maler, wie Erhard Schulz in seinem Beitrag feststellt. Er fand bei der Durchsicht alter Heimatkalender für den Kreis Zauch-Belzin der Jahrgänge 1925 bis 1931 viele Zeichnungen von Muth, der auch viele stadtbekannte Ansichten von Werder festhielt. „Die Vielfalt der Ansichten aus dem gesamten Kreis Zauch-Belzig ist beeindruckend“, so Schulz. Ab 1921 lebte Muth in Michendorf, wo er 1933 verstarb. Es gebe noch viele unbekannte „Schätze“ des Malers zu finden und zu erkunden, stellt Schulz fest. Denn wie auch Karl Hagemeister soll Richard Muth seine Werke manchmal als Zahlungsmittel benutzt haben – so könnten sich noch Zeichnungen im Privatbesitz von Werderanern befinden.

Mit dem Porträt „Horst Bertz – der mit den goldenen Händen“ stellt Baldur Martin den bescheidenen Styropor-Künstler aus der Blütenstadt vor. Viele Vereine und auch Privatleute oder Firmen und das Theater bedienten sich seiner ausgefallenen Kunst, Bertz wurde im Laufe der Jahre immer mehr zum Profi. Inzwischen Rentner, gönne er sich immer noch keine Ruhe, so Martin in dem interessanten Beitrag über das „Werderaner Original“ mit dem Rauschebart. Eine besondere Aufgabe sei die Ausgestaltung vieler Details des Festumzuges zur 700-Jahrfeier der Stadt gewesen.

Akribisch hat sich Alfred Schultze für die „Heimatgeschichtlichen Beiträge“ zum Andenken mit den in Werder 1945 verstorbenen Kriegsgefangenen und zivilen ausländischen Zwangsarbeitern beschäftigt. Endlich gibt es – neben den bereits auf dem Ehrenmal auf dem Neuen Friedhof vermerkten Namen – eine komplette Auflistung der Namen und einiger Details aus ihrer Aufenthaltszeit in Werder. Zudem hätte es Bestattungen von amerikanischem und englischem Fliegerpersonal in Werder gegeben, so Schultze. Die vier Engländer und sechs Amerikaner, die durch den Abschuss ihrer Flugzeuge getötet wurden, seien aber nach dem Krieg nach Westberlin umgebettet worden.

Dieter Meyer berichtet detailreich über „Werders Nachbar Geltow – vor 1025 Jahren erstmals erwähnt“. Der inzwischen in Werder lebende Autor des Beitrages weiß so viel über den Ort, weil er dort viele Jahrzehnte wohnte und sich als Ortschronist einen Namen machte.

Detlef Tympel schreibt über „Das mittelalterliche Schwert von der Inselstadt Werder Havel“, das 1981 vor der Insel in der Havel bei Baggerarbeiten für die damalige ZBE Düngestoffe Groß Kreutz gefunden wurde. Wie es dort hin kam, geschichtliche Einordnung und der Aufbau sowie die Inschrift des Schwertes werden fesselnd dargestellt.

Jürgen Grunow, der im vergangenen Jahr über seine Großeltern schrieb, die 1945 im Plessower See den Freitod wählten, erinnert sich in seinem aktuellen Beitrag an Teile seiner Kindheit in Werder (Havel). Die erschütternden Erlebnisse dieser Zeit hätten sich bei ihm eingeprägt – er hatte mit seinen Geschwistern aber auch schöne Erlebnisse. Daran lässt der jetzt in der Nähe von Hannover lebende Grunow die Leser der „Heimatgeschichtlichen Beiträge“ nun teilhaben.

Mit seinem Dank an die Sponsoren – die VR-Bank Fläming, der Verein zur Förderung des historischen Weinbaus im Raum Werder (Havel), der Werderschen Obst- und Gartenbauverein, der Freundeskreis Bismarckhöhe in Werder (havel), die BüroTechnik Zilch OHG und die Wohlthat Entertainment – schloss Baldur Martin. (wsw)

Dr. Baldur Martin, Bürgermeisterin Manuela Saß und Dr. Klaus Froh bei der Präsentation der Ausgabe 2018 der „Heimatgeschichtlichen Beiträge“. Foto: wsw