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Kater Püschel gibt nicht auf!

Werder(Havel), 12.Mai 2022 Plötzin- Hallo, ich bin Püschel. Man sagt, seit drei Jahren bin ich hier. Die Kumpels, die hier wohnen, haben manchmal ihr Essen mit mir geteilt. Ich bin immer freundlich mit keinem der Kumpels habe ich je Streit angefangen. Und wenn mal wer welchen suchte, dann ging ich sofort weg.

Ich wollte keinen Streit, denn mir tat immer alles weh und ich hatte oft Hunger. Die sagen, ich könnte alt sein, weil ich mich so komisch verhielt. Ich saß bei Sturm im Regen, als sei ich mir selbst egal und lag mitten auf der Strasse, auch wenn die Autos kamen. Dabei guckte ich immer ausdruckslos. Entweder bin ich ein Opa, oder ich bin einfach nur verwirrt, weil ich nie wusste, wohin ich gehöre.

Einmal hat mich eine Frau ins Haus gelockt und bis in die Wohnung bugsiert, sie gab mir immer so Pulver ins Fressen, Vitamine nannte sie das und ich hab gemerkt, dass ich in den Tagen danach immer etwas besser Luft bekam und nicht so schnaufte. Bevor sie mich untersuchen lassen konnte, bin ich einfach aus dem Fenster übers Dach ins Freie gesprungen.Ich habe nämlich Angst vor Menschen. Als ich sie schon länger kannte, hab ich der Frau erlaubt, mich kurz am Kopf anzutippen.
Mehr nicht! Und auf diese Metallkisten und Netze bin ich sowieso nie reingefallen.

Ich hätte so gern gekuschelt manchmal vergass ich die Angst für eine klitzekleine Sekunde und streckte mich entgegen, aber dann dachte ich: Wer weiss, was jetzt wieder Schlimmes kommt, ich hau mal lieber ab in meine Einsamkeit. Deshalb blieb ich lieber allein mit meinen Schmerzen, der Atemnot und dem Schwindel, es war ja alles schon lange Gewohnheit.

Und obwohl ich dachte, schlimmer kanns nicht werden, passierte genau das. Auf einmal spürte ich mein Unterbein nicht mehr. Es hatte einen Riesenknall gegeben, ich hatte höllische Schmerzen und dachte, mein Unterschenkel ist weg. Es ging mir so schlecht, dass ich drei Tage im Busch lag. Als der Hunger unerträglich wurde, wusste ich, ich muss zu der Frau gehen, sonst würde ich sterben. Ich merkte, wie schwach ich schon geworden
war; mein Bauch war ganz hart, mir war ganz schlimm schwindelig und in mir drin war ein Riesenballon, der mir die Luft wegnahm. Ich wusste zwar nicht, wie ich dahin laufen sollte, da ich nur das linke Bein benutzen konnte, aber ich wusste, ich muss es schaffen. Irgendwann kam ich wirklich am Haus an. Eine Frau von nebenan stand in der Tür,
gab mir etwas Futter und sagte: „Was hast du denn da, du kannst ja gar nicht laufen.“
Dann machte sie die Tür zu. Ich versuchte, mich irgendwie ins Gras zu legen und wartete viele Stunden. Gottseidank, da kam sie, meine Vitaminfrau! Sie sah mich gleich, war erschrocken und telefonierte. Dann sprach sie lieb mit mir bis ein Mann mit einem Netz kam. Das hat sie dann über mich gelegt und schwups hing ich dadrin wie ein Fisch. Diesmal konnte ich mich gar nicht wehren. Irgendwie hat mir das sogar gefallen. Ich bekam dann sofort wieder Pulver. Das hat mich wohl gerettet sagen sie.

Dann ist sie mit mir in so einen Laden gefahren, wo ganz viele Tiere waren. Das war alles neu und ich war zum ersten Mal in diesem lauten Ding mit Rädern dran, aber ich war zu schlapp, um mich darüber aufzuregen. Und ich hatte das Gefühl, die Frau weiß schon, was sie tut. Ich fühlte mich sicher. In diesem Laden hab ich dann auch ordentlich geschlafen. Dafür hatte ich einen Pieks bekommen. Das hatte aber einen Vorteil, denn als ich wach wurde, war diese Bretter-Rüstung von mir runter.

Die sagen, das heisst eigentlich Fell, aber bei mir wars ein Brett. Als es ab war, stands dort an der Wand, davon gibts ein Foto. Ehrlich. Seh ein bisschen aus wie ET der Außerirdische so mit nackter Haut, aber egal. Und Fotos von mir innen haben sie auch gemacht. Nur konnt man nichts sehen, ich bin nämlich voller gelber stinkender Flüssigkeit: Eiter sagen sie. Von der Brust bis zum Popo bin ich bis zum Platzen
voll. Kommt wohl von den Metallstücken aus sonem Gewehr sagen sie; die Stücke sieht man im Foto. Die Organe sieht man nicht, weil sie ja im Eiter schwimmen. Ich bin mir sicher, die Frau würde mir auch mit dem Bein helfen aber sie kann es nicht. Die grösste Kugel hat mein Gelenk durchtrennt und sitzt da jetzt drin. Das tut beschissen weh. Die sagen, sie können es im Moment nicht heile machen, weil ich dann sterben würde. Ich bin zu schwach zum operieren, wegen diesem Eiter in mir. Und später ist es wohl zu spät.

Ach, schiet auf das Bein! Hauptsache, ich gehör jetzt zu jemandem!

Also hab ich mir gedacht, doch nicht mit mir! Ich kämpf jetzt wieder, das kenn ich ja schon und jetzt hab ich sogar jemanden, der mitkämpft, haha, das tut gut. Ach und diese leckeren Sachen, die ich kriege! Fleisch! Milch für Katzen und leckere Pasten mit Kalorien sagen die. Was ich jetzt alles kennengelernt hab! Na ja, auch Pulver, aber ich nehme alles ohne Murren, ich weiss ja, es hat mir früher auch geholfen. Ich liege an der Heizung und draußen höre ich meine alten Geräusche. So schlecht ist das gar nicht. Einen Tag stach mich deshalb der Hafer und ich wollt so tun, als wenn nichts wär und bin zur Tür gerobbt. Aber die sagten, ich muss noch bleiben. Na so what. Es ist warm, weich und trocken hier und ständig krieg ich Leckeres. Dafür lohnt sichs echt zu leben, und noch mit der Frau dabei! Die darf mich jetzt auch anfassen. Aus mir kam plötzlich son komischer Ton. War der wirklich von mir? Er war laut und die sagen, das machen Katzen, wenn sie sich gut fühlen. Ehrlich? Hey, ich bin schlau: ich mach den Ton weiter, damit die mich auch mag, falls das Bein abstirbt! Das kann nämlich sein. Ich glaub das klappt, und ich habs jetzt verstanden, es gibt auch liebe Menschen!

Bestimmt lässt die sich dann auch was einfallen, bevor das Blei mich vergiftet! Deshalb tue ich ihr jetzt auch Gefallen die hat sich voll gefreut, weil ich in son Kasten Pipi gemacht hab. Na wenns mehr nicht ist. Ich kenn das Ding doch, als ich klein war, da hat ich auch mal so eins und mir fiel das wieder ein, auch wenn ich jetzt alt bin. Wenn es sie freut, dann mach ich das gern. Auch wenn ich nur noch Tage oder Wochen hab. Das weiss nämlich keiner. Aber Hauptsache, ich bin bei meiner Frau!

Nur einen kleinen Wunsch hab ich noch liebe Zeitungsleute:

Warnt doch bitte die Kumpels und Menschen in Plötzin! Da fliegen schliesslich Kugeln rum!
Ich wünsche Keinem, dass er das erleben muss und bin trotzdem sicher, dass es meinen Kumpels passiert die dann wohl einsam sterben. Haltet deshalb die Ohren auf und guckt nach schiessenden Ungeheuern!

Bleibt gesund Euer ET Püschel (nj)

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