Klangvolle Handwerkskunst aus den Havelauen

Die Alexander Schuke Orgelbau GmbH ist seit 2004 am Standort Werder (Havel) zu Hause und präsentiert sich seit dem 8. Oktober mit einer neuen Geschäftsführung

Johannes und Michael Schuke, Fotos: wsw

Werder (Havel), 16. Oktober 2018 – Wir treffen Johannes Schuke am 8. Oktober. Es ist ein ganz besonderer Tag. „Heute morgen wurden mein Bruder Michael und ich offiziell zu den Geschäftsführern der Alexander Schuke Orgelbau GmbH ernannt“, berichtet der 33-Jährige stolz. Johannes Schuke und sein 29-jähriger Bruder treten in große Fußstapfen und führen von nun an die Familiengeschichte mit fast 200 Jahren hochwertiger Handwerkstradition fort. Die beiden Brüder haben noch eine Schwester, die ebenfalls im Unternehmen herzlich willkommen gewesen wäre. Sie hat sich jedoch für ein Studium der Sonderpädagogik entschieden.

Handwerk in der 4. Generation

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1820 von Orgelbauer Gottlieb Heise in Potsdam. Sein Schüler Carl Ludwig Gesell übernahm 28 Jahre später die Firmenleitung, die 1868 von seinem Sohn Carl Eduard Gesell übernommen wurde. Als dieser kinderlos starb, kaufte Alexander Schuke 1894 das Unternehmen, das er in der Folgezeit zu einer der bekanntesten Orgelbaufirmen machte. Ab 1933 leiteten seine Söhne Karl Ludwig Schuke und Hans Joachim Schuke das Unternehmen 20 Jahre lang gemeinsam, bis Karl Ludwig Schuke nach Berlin zog und die Berliner Werkstatt unter dem Namen Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt GmbH weiterführte. Nachdem das Potsdamer Unternehmen 1972 in der DDR enteignet wurde, reprivatisierte Orgelbaumeister Matthias Schuke, seit 1974 Mitarbeiter, das Unternehmen im Jahr 1990 erfolgreich und war von da an Inhaber und Geschäftsführer.

Und nun stehen seine Söhne Johannes und Michael in vierter Generation an der Spitze des Unternehmens, das sich seit 2004 in den Havelauen in Werder (Havel) befindet. „Wir waren damals die ersten hier am Ort als wir unser Firmengebäude erbaut haben. Heute sind wir inmitten eines lebendigen Wohnviertels. Das ist einfach toll“, freut sich der Diplom Ingenieur. Sein Wirtschaftsingenieur-Studium absolvierte er an der Technischen Universität Berlin. Sein jetziges Arbeitsgebiet ist die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie dessen kaufmännische Leitung. Sein Bruder Michael hat 2006 den Beruf des Orgelbauers erlernt und mit zehnjähriger Berufserfahrung im Jahr 2016 erfolgreich seine Meisterausbildung abgeschlossen.

Die beiden Brüder ergänzen sich perfekt und gemeinsam mit den 15 weiteren Mitarbeitern stellen sie hier in Werder (Havel) wahrlich beeindruckende Werke auf die Beine. In der Manufaktur in den Havelauen befindet sich von der Holzwerkstatt bis hin zur Gießerei und Metallpfeifenwerkstatt alles unter einem Dach. 

Das Meisterstück von Michael Schuke

Von der Havel nach Russland

2008 beispielsweise wurde die Hauptorgel im Königsberger Dom in Russland von der Alexander Schuke Orgelbau GmbH nach Originalvorlagen der 1721 von Johann Josua Mosengel erbauten Domorgel nachgebaut. Das historische Erscheinungsbild des Orgelgehäuses (Orgelprospekt genannt) wurde mit Hilfe von Fotos dem Original nachempfunden. Die Orgel selbst (technische Anlage und Pfeifen) wurde komplett neu gebaut und hat auch ein neues Klangkonzept erhalten. Insgesamt befinden sich 6.301 Pfeifen in der prachtvollen Orgel. Ein kompletter Neubau befindet sich im Magdeburger Dom. Die Orgel ist 15 Meter hoch, hat fünf Etagen und besitzt ein eigenes Treppenhaus im Inneren. Von der Planung über den Bau bis hin zur finalen Installation vergingen fünf Jahre.

„Neben dem Neubau von Orgeln übernehmen wir auch die Restaurierung, Instandsetzung, Wartung und Pflege. Alle 15-20 Jahre muss eine Grundreinigung erfolgen, da unter anderem Staubablagerungen auf den Pfeifen entfernt werden müssen“, erklärt Johannes Schuke. Bisher hat das Unternehmen rund 630 Orgelneubauten realisiert, hinzu kamen mehr als 60 Restaurierungen sowie zahlreiche Umbauten und Erweiterungen bestehender Werke von der Heimorgel bis zur Konzert- und Domorgel. Die Wagner-Orgel in Brandenburg beispielsweise betreut die Firma schon seit fast 100 Jahren.

„Um Orgeln bauen zu können, muss man selbst kein Konzertorganist sein, aber das Interesse für Musik sollte natürlich vorhanden sein. Man wird ja auch nicht Tischler, wenn man kein Holz mag“, ergänzt der sympathische 33-Jährige. Einige Orgelbauer aus der Firma spielen auch selbst und so erklingt schon mal das eine oder andere lautstarke Stück während der Fertigung. 

Ende 2017 wurden der Orgelbau und die deutsche Orgelmusik in die Liste des internationalen immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen. Welche Auswirkungen dies auf die Alexander Schuke Orgelbau GmbH hatte, beschreibt der neue Geschäftsführer wie folgt: „Das Medieninteresse war wirklich groß. Wir haben das Gefühl, dass unsere Arbeit seitdem mehr wertgeschätzt wird. Es ist wirklich schön zu erleben, wie der Orgelbau immer mehr an Bedeutung gewinnt.“ 

Wenn Sie das nächste Mal einen Dom oder eine Kirche besuchen und Ihren Blick staunend über die prachtvolle Orgel schweifen lassen, denken Sie daran, wie viel Arbeit, Handwerkskunst und Passion in diesem fantastischen Musikinstrument stecken. Und sobald der Organist dann zu spielen beginnt, kann man die Leidenschaft nicht nur sehen und hören, sondern auch fühlen. (wsw)

Die Orgel befindet sich zurzeit im Bau und wird nach China geliefert.
Die Orgel befindet sich zurzeit im Bau und wird nach China geliefert.
"Wie die Orgelpfeifen" - Die Pfeifen werden in der Werderaner Werkstatt selbst gegossen und hergestellt.
"Wie die Orgelpfeifen" - Die Pfeifen werden in der Werderaner Werkstatt selbst gegossen und hergestellt.