Konzept gegen Befall durch Sanddornfruchtfliege

Werder (Havel), OT Petzow, 14. August 2018 – Gleich zwei wissenschaftlich betreute Gartenbau-Projekte wurden in dieser Woche mit der Übergabe der Zuwendungsbescheide durch Brandenburgs Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde offiziell gestartet. Für das im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP beantragte Forschungsvorhaben „MoPlaSa“ werden für die kommenden Jahre 1,14 Millionen Euro und für das Projekt „SunBot“ 1,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Das Forschungsvorhaben „MoPlaSa“ beschäftigt sich mit der Entwicklung einer modulbasierten Pflanzenschutzstrategie unter Berücksichtigung nachhaltiger und umweltschonender Verfahren zur Bekämpfung der Sanddornfruchtfliege

Sanddorn wird in Brandenburg auf 370 Hektar angebaut und ist nach Apfel und Süßkirsche die Obstart mit der drittgrößten Anbaufläche, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. 90 Prozent der Sanddornflächen werden demnach nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Besonders diese Flächen seien durch das massive Auftreten der Sanddornfruchtfliege (Rhagoletis batava) stark bedroht. Ohne eine praxis- und zeitnahe Bekämpfungsstrategie wäre die Zukunft des Sanddornanbaus in Norddeutschland und damit auch in Brandenburg stark gefährdet. Das Projekt setzt auf verschiedene nicht-chemische Einzelmaßnahmen (Module), die nach einem Baukastenprinzip zu einem Gesamtkonzept verbunden werden sollen. Parameter für die Auswahl der geeigneten Modulkombinationen sind der Befallsdruck, die Bewirtschaftungsweise (ökologische oder integrierte Produktion), das Sortenspektrum, die Bodenvoraussetzungen sowie Klima- und Witterungseinflüsse, heißt es weiter.

Als Projektpartner arbeiten vier Anbaubetriebe mit. Die zu erprobenden Einzelmodule umfassen Fallen, mechanische Bodenbearbeitungen, Barrieren, Makro- und Mirkoorganismen, die Betrachtung der Sortenanfälligkeit und den Einsatz von mobiler Hühnerhaltung. Die herausgearbeiteten Handlungsempfehlungen sollen den Sanddorn-Anbauern anschließend in einem Handbuch und in Kurzvideos zugänglich gemacht.

Die Koordination des von 2018 bis 2022 laufenden Projektes hat Dr. Sandra Lerch vom Leibniz-Zentrum für Agrarforschung (ZALF) e. V. übernommen, weitere Projektbeteiligte sind die agrathaer GmbH, e-nema GmbH, Forst Schneebecke, Gut Schmerwitz GmbH & Co.KG, Havelfrucht Werder GmbH, Humboldt-Universität zu Berlin und die Internationale Geotextil GmbH (IGG).

Das zweite Projekt „SunBot“ beschäftigt sich mit einer emissionsfreien Strauchbeeren-Produktion. Das Projekt soll zeigen, dass gezielte und häufigere Pflegemaßnahmen Ertrag und Qualität der Strauchbeeren verbessern und so eine höhere Wertschöpfung ermöglichen. Durch die Optimierung des Verfahrens soll die Effektivität des Strauchobstanbaus gesteigert werden. Das erfolgt durch die Automatisierung der Pflegemaßnahmen. Hierzu wird ein fahrerloser, elektrischer Traktor zur autonomen Unterwuchspflege entwickelt. Durch die Verwendung von selbsterzeugter Sonnenenergie für den Traktorantrieb können sowohl die Emissionen als auch die Energiekosten gesenkt werden. Elektromechanische Zusatzantriebe gewährleisten dabei die Kompatibilität vorhandener Anbaugeräte. (wsw)

EIP in Brandenburg

Die EIP-Projekte werden von Praktikern, Wissenschaftlern, Beratern, Unternehmen sowie Verbänden und Vereinen in Netzwerken umgesetzt. Für das Programm werden von der Europäischen Kommission im Rahmen des Agrarfonds ELER beachtliche Fördermittel zur Verfügung gestellt, um Forschung und Wertschöpfung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu unterstützen. Dafür stehen im Land Brandenburg bis 2020 25,6 Millionen Euro zur Verfügung.
Organisatorisch umgesetzt wird die Arbeit, indem Landwirte, Wissenschaftler und andere Akteure Operationelle Gruppen gründen. Die Landwirte übernehmen dabei eine Schlüsselrolle: Ihre Probleme bestimmen die Forschungsagenda. Sie sind gleichzeitig Akteure im Prozess der Lösungsfindung und auch die ersten Nutzer der zu erwartenden Ergebnisse.

Weitere Hinweise zu diesem und anderen Brandenburger EIP-Projekten einschließlich der Projektblätter gibt es hier.