Konzept zur Schaffung von 200 Kitaplätzen gefordert

Werder (Havel), 2. Juli 2018 – Hunderte Kitaplätze fehlen in der Stadt, das ist bekannt. Nun forderte die SPD-Fraktion in einem Antrag in der Stadtverordnetenversammlung von  der Bürgermeistern, dem Hauptausschuss unverzüglich ein Konzept für die Schaffung von 200 weiteren Kita-Plätzen zum September 2018 vorzulegen. „Dabei sind alle Möglichkeiten, Kitaplätze oder Kapazitäten bei Tagesmüttern zu schaffen, zu prüfen, mit einer präzisen Zeitschiene zu hinterlegen und ihr Umsetzungsstand festzuhalten“, so Joachim Thiele von der SPD-Fraktion. Zudem solle die Verwaltung initiativ die Zahl der Kinder im Kitaalter an den Landkreis melden, damit der Kitabedarfsplan durch den Landkreis zu jeder Zeit auf den aktuellsten Stand gebracht werden könne. Die Daten sollen jeweils parallel dem Ausschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Sport vorgelegt werden.

„Wir wissen ja, dass es entsprechende Planungen für neue Kita-Plätze gibt“, so Thiele. „Es dauert aber einfach zu lange. Wir wollen ein bisschen Tempo in die Sache bringen“. Außerdem erwarte man ein wenig Kreativität bei der Schaffung von Kita-Plätzen. Vielleicht gebe es ja noch irgendwo ein Grundstück oder ein Gebäude, in dem man in relativ kurzer Zeit Kita-Plätze schaffen könnte. „Die Situation für die Eltern, die keinen Platz bekommen, ist eine Katastrophe“, so Thiele.

Der 1. Beigeordnete Christian Große kam in seiner Antwort nicht umhin, auszuholen. „In den vergangenen zwei Jahren 190 neue Kita-Plätze geschaffen. 40 mit erheblichen Aufwand in der Kita „Stadtstrolche“, 100 Plätze in der neu gebauten Kita in der Adolf-Damaschke-Straße, die Kita Abenteuerland von dem freien Träger Karina Eggert hat 50 Plätze. Alle Kindertagesstätten in der Stadt – elf sind in kommunaler Trägerschaft – bei denen es rechtlich möglich war, hätten bereits eine Ausnahmegenehmigung, um zusätzliche 50 Kinder zu betreuen. „In der neuen Kita Glindow, OT Elisabethhöhe, entstehen weitere 100 neue Plätze“. Der Bauantrag ist eingereicht, so Große. Die bauvorbereitenden Maßnahmen zum Bau einer weiteren Kita in Trägerschaft der Stadt am Finkenberg durch die HGW im kommenden Jahr mit einer Kapazität von 120 Plätzen seien im Gange. Wenn alle Genehmigungen vorliegen, werden in den nächsten zwei Jahren 220 neue Plätze in kommunaler Trägerschaft dazu kommen. Weitere Kita-Plätze würden auf dem Bildungscampus der Hoffbauer-Stiftung in Glindow entstehen – dort sollen es 100 Plätze sein. Angesichts des Bevölkerungszuwachses hätte die Stadt bereits bei der Kita-Bedarfsplanung weiteren Bedarf von 200 Plätzen angemeldet.

Die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene eigene Kitabedarf- und Schulentwicklungsplanung wurde von Firma Complan erstellt und soll laut Christian Große in den nächsten Wochen vorgestellt werden. „Damit haben wir eine eigene Grundlage, unsere eigenen Zahlen.“ Aufgrund des Fachkräftemangels stellt die Stadt Werder in einer Vorreiterrolle knapp 600.000 Euro für die Ausbildung von Erziehern zur Verfügung.

Die Forderung des Antrages, initiativ die Zahl der Kinder zu melden, beantwortete Große so: „Die Stadt Werder meldet dem Landkreis je Quartal die aktuellen Zahlen der zu betreuenden Kinder und die Kinderzahlen laut Einwohnermeldeamt.  Dazu sind wir verpflichtet“. Die Prognose, also der Kitabedarfsplan, würde jedoch vom Landkreis erstellt. „Wenn Sie jemanden in der Stadt kennen, der größere Betreuungskapazitäten schaffen kann oder ergänzende Angebote hat, sagen Sie uns bitte Bescheid“. Da gab es einen entsprechenden Aufruf, auf den kaum Reaktionen kamen.

„Das ist doch schon ein Konzept“, so Große. „Und die Stadtverordnetenversammlung hat mit ihren Beschlüssen auch erhebliche finanzielle Mittel bereit gestellt, um die Pläne zu verwirklichen“. Eigentlich hätte sich der Antrag erledigt.

Anja Spiegel (SPD) konnte dem nicht zustimmen. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Kita Elisabethhöhe bis September 2018 fertig würde. Und die auf dem Finkenberg sei erst in Planung, ebenso die der Hoffbauer-Stiftung. „Die 200 Plätze fehlen aber heute“, so Spiegel. Zwar hätte die Kitabedarfsplanung des Landkreises bislang keine so dramatische Steigerung des Bedarfs an Kitaplätzen sondern sogar eine Überkapazität errechnet. „Der Bedarfsplan ist keine Bibel!“, sagte Spiegel. Man könne ihn verändern und sogar gegen ihn verstoßen. „Da hat der Stadt Werder einfach der Mut gefehlt, rechtzeitig neue Kitas zu bauen. Der Landkreis hätte das nicht verhindert und das notwendige pädagogische Personal dann auch bezahlt. Das sei nicht richtig, widersprach Christian Große.

Klaus Behrend (CDU) schlug vor, den überdimensionierten Bau des Gemeindehauses in Kemnitz als Kita umzufunktionieren, den die Gemeinde ja nicht brauche. „Das würde für Derwitz, Phöben, Kemnitz und Havelauen passen“, so Behrend. Der Kemnitzer Ortsvorsteher Joachim Thiele wies das vehement zurück. Das Haus würde von Vereinen und Privatleuten aus Werder rege genutzt.

Peter Kreilinger (CDU) konstatierte, das es leidig sei, darauf zu verweisen, dass eine Entwicklung verschlafen worden ist. „Nicht nur in Werder sondern in sämtlichen Kommunen und Städten in der Region“. Das sei ein Gesamtversagen der Statistiker. Er bezeichnete den Antrag, bis September 2018 200 neue Kitaplätze zu schaffen als einen Antrag mit „Schaufenstereffekt“. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

Bürgermeisterin Manuela Saß: „Die Stadtverwaltung kennt das Problem. Das wird mit einem Konzept aber nicht gelöst. Kommunale Häuser umzunutzen, wäre möglich, um Engpässe zu überbrücken. Wenn jemand eine Idee hat, die wir noch nicht hatten, dann prüfen wir die gern. Womöglich könnten wir dann Tagesmüttern Räumlichkeiten anbieten“.