Landkreis untersagt Wasserentnahme aus Oberflächengewässern – Werder fürchtet massive Folgen für den Obst- und Gartenbau

Werders 1. Beigeordnete Christian Große fordert: „Zumindest eine Grundversorgung der Obst- und Gartenbaubetriebe muss weiter möglich bleiben."

Potsdam-Mittelmark, 30. August 2019 – Mit einer Allgemeinverfügung, veröffentlicht am 27. August 2019, hat der Landrat die Wasserentnahme mittels Pumpvorrichtungen aus oberirdischen Gewässern zu Bewässerungszwecken im gesamten Landkreis untersagt. Damit wird der wasserrechtliche Eigentümer- und Anliegergebrauch beschränkt. Wasserrechtliche Erlaubnisse, die eine Entnahme von Wasser aus einem oberirdischen Gewässer mittels Pumpvorrichtungen zu Bewässerungszwecken zulassen, werden auf Zeit widerrufen. Nach Ablauf dieser Allgemeinverfügung treten die wasserrechtlichen Erlaubnisse im ursprünglichen Umfang wieder in Kraft. Die Allgemeinverfügung gilt vorerst bis zum 30.10.2019.

Die Voraussetzungen für die weitere Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern mittels Pumpeinrichtungen zu Bewässerungszwecken sind nicht mehr gegeben, da aufgrund der bereits außergewöhnlich langanhaltenden, sehr angespannten hydrometerologischen Lage ohne Aussicht auf abflusswirksame Niederschläge im Einzugsgebiet eine wasserwirtschaftliche Extremsituation eingetreten ist. Diese stellt sich insbesondere durch die stark gesunkenen Pegelwasserstände der Gewässer innerhalb des Landkreises Potsdam-Mittelmark dar. So liegen die Durchflussmengen der überwachten Pegel der Fließgewässer der Havel, Nuthe, Nieplitz sowie der Plane und Buckau als auch des Seddiner Sees bereits seit mehreren Wochen weit unterhalb des Jahreswertes für den mittleren Jahreswasserabfluss.

Gerade in den warmen Monaten wird vermehrt Oberflächenwasser mittels Pumpeinrichtungen aus den Gewässern entnommen und zu Bewässerungszwecken genutzt. Durch die technische Unterstützung (Pumpe) und die Vielzahl der Wasserentnehmer summieren sich die entnommenen Wassermengen erheblich auf. Dies führt insbesondere dazu, dass das ohnehin reduzierte Wasserdargebot weiter sinkt und durch Grundwasserneubildung nicht ausgeglichen werden kann. Hierfür sind die sinkenden Grundwasserstände Beweis.

Geringe Abflussmengen in Flüssen, geringe Wasserstände in Seen, erhöhte Wassertemperaturen, vermehrtes Algenwachstum und Sauerstoffmangel gefährden den Wasserhaushalt in Menge und Güte sowie Flora und Fauna der oberirdischen Gewässer. Eine nachhaltige Schädigung des Gewässerökosystems innerhalb des Landkreises Potsdam-Mittelmark und der Ober- und Unterlieger über die Kreisgrenzen soll vermieden werden. 

Die Entnahme von geringen Wassermengen mittels Schöpfen mit Handgefäßen bleibt zugelassen. Erforderliche Wassermengen können auch weiterhin aus dem öffentlichen Trinkwassernetz entnommen und zu Bewässerungszwecken eingesetzt werden, sofern der kommunale Träger der öffentlichen Wasserversorgung dies nicht öffentlich untersagt. 

Durch fortgesetzte Entnahmen von größeren Wassermengen mittels Pumpvorrichtung zu Bewässerungszwecken ist die ökologische Funktionsfähigkeit der Gewässer gefährdet. Eine zusätzliche Wasserentnahme verstärkt noch die zurzeit vorherrschende angespannte wasserwirtschaftliche Situation.

Die Stadt Werder (Havel) fürchtet nach dem Verbot des Landkreises Potsdam-Mittelmark zur Wasserentnahme aus Oberflächengewässern massive wirtschaftliche Beeinträchtigungen für den Werderaner Obst- und Gartenbau. Hintergrund ist die Abhängigkeit der Obstbaubetriebe auf der Glindower Platte und dem Kammeroder Obstplan von der Brauchwasserversorgung. Das Brauchwasser wird vom Glindower See aus zu den Plantagen und Gärten gepumpt. Unter anderem wegen der Lage im Wasserschutzgebiet ist dort keine Brunnenwasserversorgung möglich. Nach der Verfügung des Landkreises müsste die Brauchwasserversorgung an sich abgestellt werden.

„In der Verfügung des Landkreises wird zwar die wirtschaftliche Betroffenheit von Anliegern betrachtet, die per Gesetz das Recht auf Wasserentnahme haben. Der Landkreis hat es aber bislang versäumt, die Betroffenheit der Werderaner Obst- und Gartenbauern abzuwägen“, so Werders 1. Beigeordneter Christian Große.

Wie Stadtsprecher Henry Klix heute mitteilte, hat die Stadt Werder (Havel) gestern bei der Unteren Wasserbehörde von Potsdam-Mittelmark beantragt, das Brauchwasserwerk der Stadt Werder von der Allgemeinverfügung zur Wasserentnahme aus Oberflächengewässern in Potsdam-Mittelmark zu befreien. Bis zu einer Entscheidung wurde eine Aussetzung der Vollziehung der Allgemeinverfügung für den Bereich des Brauchwasserwerkes beantragt.

Einer Aussetzung der Vollziehung hat das Landratsamt heute Nachmittag zugestimmt. Die Vollziehung hätte für die Obstbauern der Glindower Platte und des Kammeroder Obstplans „eine unbilligende, nicht durch überwiegende öffentliche Interessen gebotene Härte zur Folge“, heißt es im Schreiben des Landratsamtes. In dem Schreiben wird weiter um Vorschläge für einen Abstimmungstermin für die endgültige Befreiung von der Allgemeinverfügung gebeten.

Bürgermeisterin Manuela Saß: „Damit ist die Versorgung der Obstanbaugebiete auf der Glindower Platte und dem Kammeroder Obstplan mit Brauchwasser vorerst gesichert.“ (lpm, wh)