Langjährige Standesbeamtin Elvira Schröder geht in den Ruhestand

Werder (Havel), 22. Oktober 2020 – Die Ehen, die sie geschlossen hat, hat sie irgendwann aufgehört zu zählen. „Es waren Tausende“, sagt Elvira Schröder. Am Freitag wird sie ihr letztes Paar trauen, mit 65 Jahren verabschiedet sich Elvira Schröder in den Ruhestand. Viele Paare haben mit ihr einen der schönsten Momente ihres Lebens geteilt: Elvira Schröder ist seit 1983 Werderaner Standesbeamtin.

Menschen zu trauen, war für sie immer mehr als ein Beruf: „Das ist eine Berufung, die schönste Seite der standesamtlichen Arbeit.“ 160 Trauungen gibt es in Werder durchschnittlich im Jahr, die meisten hat Elvira Schröder vorgenommen. Im Corona-Jahr werden es freilich weniger. Getraut wird im Alten Rathaus, in der entweihten Petzower Kirche und auf der MS Bismarckhöhe.

Elvira Schröder hat dort viele wunderbare Eheschließungen erlebt – und einige sehr individuelle. Manche Bilder werden ihr in Erinnerung bleiben: Paare, die die Eheringe von ihren Hunden überreichen ließen, Eheleute, die mit dem Tandem zur Trauung kamen oder hoch zu Ross, ein getrenntes Paar, dass sich zum Datum der Goldenen Hochzeit wieder neu vermählte.

Unlängst krabbelte während einer Trauung ein kleines Kerlchen an ihren Füßen hoch, das Kleinkind des Brautpaars. Sie setzte es sich auf den Schoß und machte weiter. Einem hungrigen Bräutigam konnte sie mal mit ein paar Keksen helfen. Einmal, erzählt sie, hatte ein Bräutigam kurz vor der Trauung plötzlich Durst bekommen. „Er wollte Schnaps von mir, ich hatte aber nur Tee anzubieten.“

Tatsächlich habe sie die Herren oft aufgeregter erlebt als die Damen. „Ein Bräutigam hatte solche Atemnot, dass er das Ja-Wort nicht gleich rausbekam“, schmunzelt sie. Sie musste nochmal ganz ruhig nachfragen, dann klappte es. Als Standesbeamtin muss sie die Eheschließung schließlich beurkunden. Trauungen seien die schönste Seite ihrer Arbeit, die u.a. auch viel Büroarbeit wie die Beurkundung von Geburten und Sterbefällen, Vaterschaftsanerkennungen und Namenserklärungen beinhaltet.

In den Anfangsjahren sei sie häufig selbst aufgeregt gewesen, habe bei einer ihrer ersten Trauungen mit ihrem Text nochmal von vorn beginnen müssen. Mit den Jahren sei es ihr leichter gefallen, für verschiedene Paare die richtigen Worte zu finden. Sie betont dabei gern, worauf es in der Ehe ankommt: Liebe, Achtung, Vertrauen, Verständnis, Verzeihen. Sie ist mit ihrem Mann selbst seit 44 Jahren verheiratet.

Die Leute seien heute älter, wenn sie heiraten, als das in der DDR der Fall war. „Früher machte man das, weit bevor man 30 war, heute oft erst danach.“ Auch der Kleidungs- und natürlich der Musikgeschmack habe sich geändert: Während noch bis in die 90er-Jahre häufig der Hochzeitsmarsch gespielt wurde, ist er heute die Ausnahme. Musik aus Musicals, aktuelle Titel oder ihre „Kennenlernmusik“ werden von Brautpaaren häufig mitgebracht, aber auch ausgefallene Stücke aus TV und Kino.

Ihr hat es ganz besonders gefallen, als bei einer standesamtlichen Trauung in der Petzower Kirche „Für Dich soll‘s rote Rosen regnen“ abgespielt wurde. „Dazu wurden von der Kanzel Rosenblätter auf das Paar gestreut.“ Ihre letzte Trauung am morgigen Freitag im Alten Rathaus – sie werde ihr nicht leicht fallen. (wh)