Lehrrettungswache wird erweitert

Neuer Schulungsbereich soll im Sommer in Betrieb genommen werden - neue anspruchsvolle Ausbildungsinhalte

Werder (Havel), 10. Januar 2019 – Bereits seit Ende des vergangenen Jahres wird an der Rettungswache in der Adolf-Damaschke-Straße gebaut, dort entsteht ein Anbau. Die Rettungswache gehört der HGW und wurde an den Landkreis als Träger des Rettungsdienstes vermietet. Die dort tätige promedica Rettungsdienst GmbH will in dem Anbau in diesem Jahr einen neuen Schulungsbereich einweihen.

An den Lehrrettungswachen in der Blütenstadt, in Lehnin und Bad Belzig werden Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter im Rahmen der dreijährigen Berufsausbildung ausgebildet, ebenso Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter im Praktikum. Eine anspruchsvolle Aufgabe im Dienste der Gesellschaft – und die Ausbildung des Rettungsdienstpersonals hat sich deutlich verändert. Das bestätigte uns Christian Sachse, Leiter der Aus- und Fortbildung beim promedica-Rettungsdienst.

„Mit Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes im Januar 2014 wurde der Gesundheitsfachberuf des Rettungsassistenten vom Notfallsanitäter bzw. der Notfallsanitäterin abgelöst“, so Sachse. Und macht deutlich: „Die Ausbildung von Notfallsanitätern hat sich – im Vergleich zu der des Rettungsassistenten – deutlich verändert“.

Die Ausbildung dauere jetzt drei Jahre und bedürfe einer durchgängigen fachpraktischen Ausbildung auf einer Lehrrettungswache. Die Ausbildung erfolge im Wechsel zwischen theoretischer Ausbildung in der Rettungsdienstschule, Praktika in Krankenhäusern und der Verknüpfung in der Präklinik.

„Da ab 2021 die Rettungswagen mit Notfallsanitätern besetzt sein müssen, ist eine forcierte Ausbildung – bei weiterhin hoher Qualität – von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern notwendig. Die derzeit zwei Auszubildenden am Standort Werder schließen ihre Ausbildung im September 2019 mit der staatlichen Prüfung erfolgreich ab“, kündigt Sachse an.

Im Anschluss soll mit einem erneuten Ausbildungsjahrgang gestartet werden – drei Auszubildende sollen zeitgleich ihre Ausbildung beginnen. „Da die momentanen räumlichen Strukturen auf der Bestandswache nicht ausreichen, ist eine Erweiterung des Wachgebäudes notwendig“, erläutert Sachse.

Daher wird an die bestehende Wache angebaut, um zwei weitere Ruheräume für die Auszubildenden zu schaffen, ein gemeinsam zu nutzendes Büro für Wachleitung und Ausbildungsleitung sowie ein großer Schulungsraum im Obergeschoss für die Aus- und Fortbildung, so Sachse, der betont, dass insbesondere der Schulungsraum von großem Nutzen ist, weil momentan die Aus- und Fortbildung zu Teilen außerhalb der Lehrrettungswache stattfinden müsse. Hierfür hat promedica bislang gesonderte Räumlichkeiten angemietet und nutzt zudem gemeinsame Einrichtungen des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

Die Lehrinhalte sind unterschiedlich und variieren je nach Ausbildungsjahr der Auszubildenden. „Thematisch stehen jedoch notfallmedizinische Inhalte im Vordergrund. Allerdings gehören auch Grundlagen der Medizin – wie Anatomie, Physiologie und so weiter –  zum Ausbildungsinhalt“, so der Aus- und Fortbildungsleiter.

Während der dreijährigen Ausbildung erlangen die Auszubildenden Kernkompetenzen zur präklinischen Versorgung von Notfallpatienten. Großes Augenmerk liegt bei dem Berufsbild „Notfallsanitäterin/ Notfallsaniäter“ darin, dass anders als bei der Rettungsassistentin bzw. dem Rettungsassistenten, heilkundliche Maßnahmen selbstständig am Patienten durchgeführt werden dürfen, wenn diese vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst freigegeben wurden, so Sachse. (wsw)


Informationen: Die bundesweit tätige promedica betreibt seit 2009 vier Rettungswachen in Brandenburg: in Werder (Havel), Lehnin, Groß Kreutz und Bollmannsruh. Im Oktober des vergangenen Jahres kamen vier weitere dazu – in Bad Belzig, Jeserig (Fläming), Dahlen und Ziesar. Drei dieser Lehrrettungswachen davon sind Lehrrettungswachen. Die Notfallrettung und die Krankentransporte im Auftrag des Landkreises Potsdam-Mittelmark leisten mehr als 160 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von promedica mit drei Notarzteinsatzfahrzeugen, elf Rettungswagen und zwei Krankentransportwagen.

Am Standort Werder ist promedica seit 2009 vertreten und bildet mit momentan zehn Ausbilderinnen und Ausbildern das neue Berufsbild aus im Rahmen der dreijährigen Ausbildung, aber auch im Rahmen von Ergänzungslehrgängen (für Rettungsassistenten verkürzte Ausbildung mit anschließender staatlicher Prüfung). Wobei auch Rettungssanitäter – vergleichbar der Pflegehelfer im stationären Bereich – auf unseren Lehrrettungswachen praktisch ausgebildet werden.

Auszug aus dem Notfallsanitätergesetz, der relativ kurz und prägnant einige wichtige Ausbildungsziele benennt:

„…
Die Ausbildung nach Absatz 1 soll insbesondere dazu befähigen, die folgenden Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen: 
a) Feststellen und Erfassen der Lage am Einsatzort und unverzügliche Einleitung notwendiger allgemeiner Maßnahmen zur Gefahrenabwehr,

b) Beurteilen des Gesundheitszustandes von erkrankten und verletzten Personen, insbesondere Erkennen einer vitalen Bedrohung, Entscheiden über die Notwendigkeit, eine Notärztin oder einen Notarzt, weiteres Personal, weitere Rettungsmittel oder sonstige ärztliche Hilfe nachzufordern, sowie Umsetzen der erforderlichen Maßnahmen,

c) Durchführen medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um einer Verschlechterung der Situation der Patientinnen und Patienten bis zum Eintreffen der Notärztin oder des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, wenn ein lebensgefährlicher Zustand vorliegt oder wesentliche Folgeschäden zu erwarten sind,

d) angemessenes Umgehen mit Menschen in Notfall- und Krisensituationen,

e) Herstellen und Sichern der Transportfähigkeit der Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz,

f) Auswählen des geeigneten Transportzielortes sowie Überwachen des medizinischen Zustandes der Patientinnen und Patienten und seiner Entwicklung während des Transports,

g) sachgerechtes Übergeben der Patientinnen und Patienten in die ärztliche Weiterbehandlung einschließlich Beschreiben und Dokumentieren ihres medizinischen Zustandes und seiner Entwicklung,

h) Kommunizieren mit am Einsatz beteiligten oder zu beteiligenden Personen, Institutionen oder Behörden,

i) Durchführen von qualitätssichernden und organisatorischen Maßnahmen im Rettungsdienst sowie Dokumentieren der angewendeten notfallmedizinischen und einsatztaktischen Maßnahmen und

j) Sicherstellen der Einsatz- und Betriebsfähigkeit der Rettungsmittel einschließlich Beachten sowie Einhalten der Hygienevorschriften und rechtlichen Arbeits- und Unfallschutzvorschriften,

die folgenden Aufgaben im Rahmen der Mitwirkung auszuführen: 

a) Assistieren bei der ärztlichen Notfall- und Akutversorgung von Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz,

b) eigenständiges Durchführen ärztlich veranlasster Maßnahmen bei Patientinnen und Patienten im Notfalleinsatz und

c) eigenständiges Durchführen von heilkundlichen Maßnahmen, die vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst oder entsprechend verantwortlichen Ärztinnen oder Ärzten bei bestimmten notfallmedizinischen Zustandsbildern und -situationen standardmäßig vorgegeben, überprüft und verantwortet werden,

…“