Lindowsches Haus ist “Denkmal des Monats”

Als Denkmal des Monats Februar wurde heute das Lindowsche Haus am Plantagenplatz 9 ausgezeichnet. Das Lindowsche Haus steht für die lange Tradition Werders als Urlaubs- und Ausflugsziel und wird nun zur Anlaufstelle für Reisende. Neben der Tourist-Information sollen zukünftig ein Laden für regionale Produkte und ein Bürgerservice ihren Platz im ehemaligen Obstzüchterhaus aus dem 19. Jahrhundert finden.

Übergabe der Urkunde und der Plakette „Denkmal des Monats“ durch Hathumar Drost, Geschäftsführer der AG Historische Stadtkerne an die Bürgermeisterin Manuela Saß und den 1. Beigeordneten Christian Große. Foto: wsw

Werder (Havel), 28. Februar 2019 – Die Sonne strahlte um die Wette mit den Gesichtern der Gäste bei der Verleihung der Plakette „Denkmal des Monats“ im Lindowschen Haus. Die Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg zeichnet wie berichtet monatlich Denkmale aus, die beispielhaft saniert wurden oder werden und für besondere Herausforderungen der Erneuerung der historischen Stadtkerne stehen.

Bürgermeisterin Manuela Saß begrüßte die Anwesenden herzlich “in einem unserer schönsten Projekte im Herzen der Stadt”. Die Entwicklung des Lindowschen Hauses zu einem Touristeninformation und zum Bürgerservice würde von der ganzen Stadt mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. „Wenn man sich der Herausforderung stellt, ein Denkmal zu sanieren, ist das eine große Herausforderung“, so Saß. Eine Herausforderung, die man trotz aller Probleme und Aufgabenstellungen in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege meistere.

Der 1. Beigeordnete Christian Große bezeichnete die Entwicklung des Anwesens, das die Stadt 2006 erwarb, als Herzensangelegenheit nicht nur für ihn, sondern für die gesamte Verwaltung und die Politik der Stadt. Damals war das Lindowsche Anwesen zentraler Punkt für die Bewerbung für die Landesgartenschau, erinnerte Große. Den Zuschlag erhielt seinerzeit dann doch Oranienburg. Dennoch sollte das Haus aus dem „Dornröschenschlaf“ erweckt werden. „Keine leichte Aufgabe“, so Große. Er verweist beispielhaft auf die Fledermausgaube im Dach des Hauses, bei der das alte Holz aufbereitet und wieder eingebaut wurde. Das Holz stamme immerhin tatsächlich aus der Zeit, in der das Haus gebaut wurde. Originale Wandbemalungen würden erhalten und sichtbar gemacht, ebenso alte Holzdielen, einige Fester und die Räucherkammer auf dem Dachboden sowie eine alte Kochstelle und ein Futtertrog.

Bei der Gelegenheit stellte Christian Große die neue Leiterin des Fachbereiches 4, Frau Braun, öffentlich vor und bedankte sich bei Ralf Schwarzer.
Schwarzer hatte heute seinen letzten Arbeitstag als Fachbereichsleiter, er stellt sich neuen Herausforderungen. “Frau Braun wird nun dieses Projekt begleiten“, sagte Große.

Baustart am Lindowschen Anwesen war im März des vergangenen Jahres. Neben der Touristeninformation mit einer Ausstellung regionaler Produkte soll auch der Bürgerservice in das denkmalgeschützte Ensemble einziehen. Kernbereiche sollen bis Mai 2019 fertig sein, die offizielle Übergabe wird für den Herbst 2019 prognostiziert.
Das Gehöft stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es steht als typisches Beispiel für ein Obstbauerngehöft mit Obsthütte und Obstgarten. Es handelt sich dabei um das letzte in dieser Vollständigkeit mit Vorplatz und später errichtetem Nebengebäuden erhaltenem Ensemble. Erwähnt wurde das Haus erstmals 1839 – es ist aber noch älter. Eigentümer 1902 bis 1937 war der Obstzüchter Friedrich Lindau. Ab 1985 wurde das Haus noch einmal für die Nutzung als Obstbaumuseum renoviert, Leerstand ab der Wende.

Steffen Lehmann von der Baubetreung lobte alle Mitstreiter des Projektes – ohne die gute Zusammenarbeit aller wäre die zielstrebige Fortführung der Bauarbeiten nicht möglich.

Steffen Lehmann ist der Koordinator des anspruchsvollen Bauprojektes. Foto wsw

„Über 20 Jahre hat das Haus leer gestanden“, so Lehmann. „So sah es auch aus“, erinnert er sich. Umbau, Sanierung und Erweiterung sowie die Umnutzung des Obstzüchtergehöftes am Fuße des Galgenberges sei eine große Aufgabe. Und tatsächlich habe sich herausgestellt, dass Wohnhaus zwar um 1839 erbaut, der mittige Kernbau den Untersuchungen zufolge aber noch älter sei, 1751/52 – so die Schätzung. Der Seitenflügel zum Wohnhaus stammt aus 1902, die Remise wurde 1931 errichtet. Das Ensemble steht in der Denkmalliste des Landes Brandenburg. Das Anwesen, so Lehmann, gehört zu ältesten und in seltener Vollständigkeit bewahrten Obstzüchtergehöften, wie sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert charakteristisch waren.

Wenn man die heutigen Gegebenheiten des Tourismusbüros am Alten Rathaus auf der Insel kenne, herrsche Einigkeit darüber, dass eine Änderung erforderlich sei. „Hier gibt es die große Chance dafür“. Künftige Touristen müssen nicht mehr auf die Insel, mit der Tourist-Information hier im Zentrum der Stadt würde die historische Insel auch verkehrlich entlastet. Das betreffe auch den Bürgerservice, so Lehmann.

Die alte Toilette im Außenbereich wurde für die Bauarbeiten abgetragen und eingelagert, soll aber wieder aufgebaut werden, so Lehmann. An fast gleicher Stelle steht jetzt eine Baustellentoilette.

Der Außenbereich soll – wie hier in einer Visualisierung zu sehen – mit Obstbäumen charakteristisch gestaltet werden. Parkplätze werden „deutlich mehr” entstehen, als baurechtlich erforderlich, so Lehmann. Der Zugang zum Gehöft wird behindertengerecht gestaltet. Auch Fahrradtstellplätze werden errichtet.

„Was für ein wunderschönes Denkmal des Monats“, zeigte sich Hathumar Drost, der Geschäftsführer der AG Historische Stadtkerne, begeistert vom Anwesen bei der Verleihung der Urkunde und der Plakette an die Bürgermeisterin und ihren Beigeordneten.

31 Mitgliedsstädte hat die AG, so Drost, seit 20 Jahren verleihe man diese Plakette. Das Lindowsche Anwesen sei die Nummer 234. Als erstes Denkmal des Monats sei 1999 der Amtshof in Wittstock ausgezeichnet worden.
Selten sei es bei der Verleihung der Plakette so, dass er einen Baustellenbesuch mache. „Wir feiern oft Denkmale des Monats in Gebäuden, die schon fertig oder gar einige Jahre in Betrieb sind“, so Drost. Dann müsse man nachvollziehen, welche Leistung dahinter stecke. „Hier sind wir heute mittendrin“.
„Werder war im Februar 2011 das letzte Mal mit einem Denkmal des Monats dabei“, erinnert er an die Übergabe der Plakette seinerzeit an das Lendelhaus auf der Insel. Er freue sich, dass Werder die Tradition der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne pflege.

In jedem Jahr gebe es ein Thema, mit dem man die Aktivitäten bündele. sagte Drost. Im Jahr 2019 schaut die Arbeitsgemeinschaft unter dem Motto „Stadtwärts! Zu Gast in der Mark“ auf jene historische Stadtkerne und Denkmale, die Orte der Gastfreundschaft, Orte der Mobilität und Orte der Kommunikation darstellen. Anlass dafür ist der 200. Geburtstag Theodor Fontanes, um sich auf seine Spuren durch die Mark Brandenburg zu begeben. „Und auch hier könnte es keinen passenderen Ort als Werder geben, um dieses Motto zu präsentieren“. Werder sei eben mehr als die wirklich wertvolle historische Inselstadt, und so sei die Entscheidung der Stadt für das Anwesen am Plantagenplatz richtig und wichtig.

Er verwies noch auf ein Gewinnspiel der AG, bei dem man ein Wochenende in einer der Mitgliedsstädte oder Eintrittskarten für Sommertheater, Konzerte und weitere Kulturerlebnisse gewinnen könne. Dazu könnten sich Interessierte in der Touristinformation ein entsprechendes Faltblatt holen, mindestens drei der 31 Städte mit historischen Stadtkernen besuchen und den Besuch dann in der jeweiligen Touristinformation dokumentieren lassen. Weitere Informationen zum Gewinnspiel gibt es auf der Internetseite der AG. (wsw)