Märchenkunst für Kita Märchenwald in Phöben

Mathias Andert und Brigitte Böse am Schuppen der Kita Märchenwald in Phöben. Foto (3): Henry Klix

Werder (Havel), OT Phöben, 28. Juli 2018 – Sie heißt Brigitte Böse, in der Kita Märchenwald wird sie von allen „Tante Gitti“ genannt. Die Küchenfrau ist die gute Seele des Hauses. Jetzt hat sie auch noch dafür gesorgt, dass der Lagerschuppen der Kita mit Märchenmotiven verschönert wird.

Seit 35 Jahren arbeitet Brigitte Böse in der Phöbener Kita, seit 1995 als Köchin für die derzeit rund 55 Kinder. Sie kocht gern, was die Kinder am liebsten essen, zum Beispiel Fischstäbchen, Nudeln mit Tomatensoße und Grießbrei mit Erdbeeren. Und die danken es ihr. Am Kühlschrank der Küche hängen Fotos mit Basteleien, kleine Ferienabschiede und ein mit Buntstiften gemalter Entschuldigungszettel für ein stibitztes Gummibärchen. Man spürt es, selbst wenn zurzeit keine Kinder da sind: Tante Gitti ist hier in ihrem Element.

Und die 61-Jährige engagiert sich weit über ihre Arbeit hinaus. Als sie vor einiger Zeit von einem Groß-Kreutzer Künstler las, der mit bunten Aerosol-Kunstwerken graue Trafostationen, Klohäuschen und dunkle Ecken verschönert, dachte sie sofort an den Lagerschuppen vor der Kita, in dem Möbel und andere Dinge gelagert werden. Der könnte doch auch etwas Farbe gebrauchen! Und für die Kinder wäre es eine schöne Überraschung, wenn sie aus den Ferien zurückkommen.

So einfach, wie es sich Brigitte Böse zunächst gedacht hatte, war es nicht: Erstmal kontaktierte sie jenen Groß-Kreutzer Künstler. Er heißt Mathias Andert und zeigte sich bereit, für die gute Sache auf einen Teil des üblichen Honorars zu verzichten. Dann fragte sie bei der Kita-Leitung und der Stadt nach, ob ein solches Engagement überhaupt gewünscht war. Ja, das war es! Ein Spendenkonto wurde eingerichtet und ihr schwante, dass die Arbeit erst beginnt.

Bei der Suche nach Sponsoren traf sie zuerst Werner Große, der Exbürgermeister habe sofort sein Portmonee gezückt. So glatt sei es nicht immer gelaufen, aber im Verlauf mehrerer Monaten erklärten sich 20 Privatleute und Unternehmen in Werder und den Ortsteilen bereit, „Tante Gittis“ Schuppen-Projekt zu unterstützen. Ganz ist das benötigte Geld noch nicht beisammen, aber viel fehlt nicht mehr. Diese Woche hat sich Mathias Andert schon mal an die Arbeit gemacht, am Lagerschuppen ist eine bunte Märchenwelt gewachsen.

Dass es für ihre Kita Märchenwald Märchenmotive sein müssen, war für Brigitte Böse sofort klar. „Ich bin hier auch nur die Hilfskraft, Tante Gitti sagt, wo es lang geht“, witzelt Mathias Andert. „So ein Quatsch“, antwortet sie und lacht. Die beiden sind für eine Woche ein Team, zu dem auch Wolfgang, der zutrauliche Labrador des 31-jährigen Künstlers, gehört.

An einer Seite des Schuppens wird gerade eine Szene aus Schneewittchen und den sieben Zwergen fertig, an der Straßenseite tanzt Rumpelstilzchen neben dem Namenszug der Kita. Die Wand zum Gartenstückchen ist zu einer Däumelinchen-Erlebniswelt geworden. Und über der Giebelseite mit dem Schuppentor schaut Frau Holle aus dem Fenster und schüttelt die Kissen aus. Links neben dem Tor wird Goldmarie stehen, rechts Pechmarie. „Dann sieht man sie nicht, wenn das Tor auf ist“, sagt Brigitte Böse. (h.k./wsw)


Für das Projekt kann noch gespendet werden, auf Wunsch gegen Spendenquittung. Verwendungszweck „Schuppen“, IBAN DE56 160 500 0010 0092 8094, Mittelbrandenburgische Sparkasse.

Brigitte Böse mit dem Spendenkonto.
Mathias Andert in Pöben bei der Arbeit.