Manege frei – das Spiel kann beginnen

Im Zirkuszelt der Waldorfschule Werder haben 75 Schülerinnen und Schüler ein abwechslungsreiches Zirkusprogramm präsentiert.

Werder (Havel), 26. Juni 2023 – Die Augen funkeln und die Aufregung steigt. Gleich wird das Trapez nach oben gezogen, die Füße verlieren ihren Halt auf der Matte. Dass die Hände vielleicht noch etwas zittern und das Herz schneller schlägt, bekommt das Publikum auf den Rängen nicht mit. Hoch konzentriert, mit einem Lächeln im Gesicht und einer Souveränität, die wir – zugegeben – zunächst nicht erwartet haben, präsentiert die junge Schülerin ihre artistische Turnübung an dem Hängereck. 

Wir sind zur Generalprobe des Zirkus Morgenstern in die Waldorfschule Werder eingeladen. 75 Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule Werder, der Karl-Hagemeister-Grundschule, der Carl-von-Ossietzky Grundschule und der Schule des Lebens aus Kloster Lehnin haben eine Zirkusvorführung einstudiert, die die Besucher in die geheime Welt der Bücher entführt. 

Der Zirkus hat schon immer eine faszinierende und bezaubernde Wirkung auf Jung und Alt. Viele Kinder träumen davon, einmal auf einer Bühne zu stehen und Kunststücke vorführen zu dürfen. Zirkus ist lebendig und vielfältig. Gerade die Verbindung von Lernen und Spaß macht ihn für die jungen Artist*innen reizvoll. Zum Gelingen einer gemeinsamen Aufführung sind soziale Kompetenzen wie Teamabsprachen, der Umgang mit Kritik und Konflikten, das gegenseitige Mutmachen vor Aufführungen gefragt. Es geht zugleich um eine angemessene Selbsteinschätzung, Kreativität und das Entdecken eigener Stärken. Im Zirkus sind diszipliniertes und selbstständiges Arbeiten alleine und in der Gruppe erforderlich – nur durch Kooperation kann eine gemeinsam erarbeitete Aufführung gestaltet werden.

Seit 2016 steht auf dem Gelände der Waldorfschule Werder ein Zirkuszelt. Was als kleine Zirkus-AG begann, ist im Laufe der letzten Jahre zu einem bunten und höchst professionellen „Zirkus Morgenstern“ gewachsen. Seit gut sechs Jahren trainieren kleine und große Zirkuskinder an insgesamt vier Trainingstagen die verschiedenen Zirkusdisziplinen. Begleitet werden die Trainingsgruppen von den fünf Zirkuspädagog*innen: Sonni Ossapofsky, Birte Wentzek, Benedikt Müller, Anna Buchenau und Krischan Meder. Das Team wird aktuell unterstützt von den Assistenztrainer*innen Lucie (10. Klasse), Pauline (11. Klasse), Mara (10. Klasse) und Lina (11. Klasse).

Zum Training gehören Akrobatik, Drahtseil, Jonglage, Luftakrobatik, Minitrampolin, Balance, Clownerie und Moderation. Es wird geübt, trainiert, gelacht und geschwitzt – bis es einmal im Jahr heißt: Manege frei, das Spiel kann beginnen. Denn immer im Sommer gibt es eine große Aufführung im Zirkuszelt, bei der die Viert- bis Zwölftklässler*innen zeigen, was sie gelernt haben und so das zurückliegende Trainingsjahr erfolgreich seinen Abschluss findet.

„Letztes Jahr haben noch 20 Kinder weniger an der Aufführung mitgewirkt – in diesem Jahr ist das Zelt etwas voller“, freut sich Birte Wentzek, die vor fünf Jahren zur Zirkus-AG der Waldorfschule gestoßen ist. „Zunächst war ich nur als Mama eines teilnehmenden Schülers mit dabei, aber im Laufe der Zeit bin ich dann Trainerin geworden und bin für die Regie verantwortlich.“ Als ausgebildete Schauspielerin verfügt sie hier natürlich über einen großen Erfahrungsschatz. 

„Zusammen mit den großen Schülerinnen und Schüler haben wir die Geschichte für die diesjährige Aufführung entwickelt. Sie lautet ‚Geheime Bücherwelten‘ und nimmt das Publikum auf eine unterhaltsame und spannende Reise durch bekannte Geschichten und Märchen“, verrät Birte Wentzeck. 

Und so können wir bei der Generalprobe u.a. die Gold- sowie die Pechmarie am Trapez bewundern, eine temporeiche Begegnung zwischen Rotkäppchen und dem bösen Wolf auf dem Einrad beobachten und bei einer kurzweiligen Clown-
darbietung in Anlehnung an „Hänsel und Gretel“ schmunzeln. 

Die Schülerinnen und Schüler, die zum Teil erst seit einem Jahr bei der Zirkus-AG mitmachen, zeigen wirklich tolle Leistungen unter der Zirkuskuppel. Kleine Patzer, die bei einer Generalprobe nicht fehlen dürfen, werden professionell weggelächelt und auch die Umgestaltung des Bühnenbildes ist in Schülerhand. Dass es an dem Tag der Generalprobe zudem noch unglaublich warm im Zirkuszelt ist, sieht man den kleinen und großen Artist*innen nicht an. Wir durften 75 talentierte Zirkuskinder beobachten, die gemeinsam etwas ganz Großes auf die Beine gestellt haben. (wsw)

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