Mein Werder (129): Karl-Heinz Lutze

Karl-Heinz Lutze. Foto: wsw

Kurz & knackig

Name: Karl-Heinz Lutze
Alter: Geboren am 21. Oktober 1936 – ich werde in diesem Jahr 82 Jahre alt.
Wohnort: Werder (Havel), auf der Insel am Markt.
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? Seit 1964 (in Glindow)
Haben Sie Kinder oder möchten Sie welche haben?
Wir haben drei Kinder – alle erwachsen und wir sind stolz auf alle Drei. Inzwischen bin ich schon Uropa – sieben Enkel sind es und vier Urenkel. Der älteste Urenkel geht in die 7. Klasse. Mit Kindern, Enkeln und Urenkeln und den Partnern sind wir 26 Personen im engsten Familienkreis. Wir können nie zu Hause Geburtstag feiern! Im vergangenen Jahr – am Heiligabend – habe ich mit meiner Frau Sabine Diamantene Hochzeit gefeiert. Eine schöne Feier im Familienkreis.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Unsere Stadt liegt mit mitten im Obstanbaugebiet. Auch wenn sich im Laufe der Jahre viel verändert hat – das ist immer noch wunderschön. Wir sagen uns jeden Tag, guck’ mal, wie schön das hier ist. Ringsum das viele Wasser – die Havel und die Seen, so viele Bademöglichkeiten. Auch Sportmöglichkeiten am und auf dem Wasser. Die Verkehrsanbindung ist sehr gut – ringsum Autobahnen in alle Richtungen, dazu kommt die gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und Bahn. Unsere Stadtverwaltung kümmert sich gut um die Entwicklung der Stadt. Die Therme ist gerade ein „Pferdefuß“. Aber man muss ja nicht das Pferd schlachten, weil der Fuß kaputt ist. Unsere großen und kleinen Volksfeste sind auch eine Besonderheit: Baumblütenfest, Kirsch- und Ziegelfest, Mühlenfest, Havelauenfest, die Karnevalsveranstaltungen, die Weihnachtsmärkte, die Kunsthandwerkermärkte und vieles mehr. Auch die gastronomische Versorgung und die Einkaufsmöglichkeiten sind hier sehr gut. Wichtig ist auch der Frischemarkt – so etwas macht die Stadt über ihre Grenzen hinaus bekannt. Wir würden hier in Werder als Urlauber nichts vermissen. Hier wird viel für den Tourismus gemacht. Es könnte immer noch besser sein, klar. Aber ich finde es wunderschön hier. Ich stamme ja aus Thüringen, meine Frau aus Mecklenburg. Wir haben hier unsere Heimat gefunden, hier haben wir uns richtig reingelebt. Wer hier in Glindow oder Werder als Fremder reinwachsen will, der sollte in einen Verein gehen. So war das auch bei uns. Wir waren im Glindower Karneval, im Sportverein, im Gewerbeverein und so weiter. Sowohl in der Stadt als auch in den Ortsteilen gibt es viele Vereine – für jeden ist da etwa dabei. Auch arbeitsmäßig kann man hier gut einsteigen – es gibt so viele Arbeitsplätze.

Was arbeiten/machen Sie den lieben langen Tag?
Wir sind nach wie vor jeden Donnerstag im Frauensportverein Glindow, sind im Glindower Karnevalsverein – nicht mehr so aktiv, aber dabei. Beim Frauensportverein – da war ich 40 Jahre Trainer und den habe ich weiter entwickelt. Jetzt entwickeln ihn die Jüngeren weiter. Außerdem haben wir einen großen Garten in Glindow. Wir haben eine große Familie. Da sind wir als Groß- und Urgroßeltern auch mit gefordert. Wir legen großen Wert auf die Familienharmonie und bemühen uns auch, das vorzuleben und zu erhalten.

Was würden Sie lieber machen?
Irgendwann machen wir mal eine Schiffsreise – das möchte mein Frau so gern. Ich eigentlich nicht … Das liegt aber auch daran, dass wir da schon mal ein stürmisches  Negativ-Erlebnis auf einem Schiff hatten. Als Kompromiss biete ich eine Fluss-Schifffahrt an … auf der Donau vielleicht.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Da wir die Baumblüte aufgrund unserer Wohnung am Markt ja direkt vor der Tür haben, ist das schon manchmal lästig. Die Musik ist uns zu laut. Und nicht alle Besucher halten sich an die Ordnung. Und nachts wird dann aufgeräumt und sauber gemacht. Für uns als Anwohner ist das schon eine ziemliche Belastung. Und das sind ja nicht nur zehn Tage, vorher wird ja schon aufgebaut. Wir nehmen es ja auf uns, es soll nicht nörgelig klingen, aber für uns als Anwohner ist das wirklich schwierig zu verkraften und mehr Belastung als eine Freude. Natürlich wollen wir das Baumblütenfest – aber der Rahmen könnte schon etwas verträglicher für unsere Stadt sein.
Als wir noch in Glindow wohnten, sind wir natürlich auch dabei gewesen. Da sind wir her gefahren, haben uns angeschaut, was wir wollten, haben zwei, drei Becher Wein getrunken und sind dann wieder nach Hause gefahren.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Sauerkirschwein. Gern vom Obsthof Lehnst oder von Heiko Wels aus Glindow. Wir haben auch bei Waches auf der Insel gesessen.

Sie – ganz speziell

Erzählen Sie uns ein wenig aus Ihrem Berufsleben?
Früher war ich Lehrer, meine Frau Erzieherin. Ich bin damals 1964 als Soldat in die Funkstation Glindow gekommen. Nach dem Ausscheiden kam ich an die Glindower Schule, habe ein Studium aufgenommen, habe als stellvertretender Direktor gearbeitet – nach Walter Heinicke. Danach war ich Direktor der Körperbehindertenschule in Glindow – auch mit Diplom-Studium an der Humboldt-Universität. Diese Aufgabe, die man mir da übertragen hat, ist für mich persönlich sehr wertvoll. Weil der Umgang mit mehrfach Körperbehinderten eine inhaltlich völlig andere Anforderung ist. Bis zur Wende war ich dort Direktor, anschließend war ich dort Erzieher. Ich hatte mich so entschieden – ich war ja Mitglied der SED, ich war eigentlich ein überzeugter DDR-Bürger. Und dafür habe ich gearbeitet. Dann kam der Schnitt. Auf einmal Kapitalismus – das ging mir gegen den Strich, das konnte ich nicht mit mir vereinbaren. Dann trete ich lieber einen Schritt zurück. Ich stellte mich nicht quer, ich habe die neuen Anforderungen aufgenommen. Das war nochmal eine neue Herausforderung. Wenn ich heute ehemalige Schüler treffe, die sind ja jetzt auch schon längst Erwachsene, die freuen sich. Als Erzieher konnte man die „pädagogische Liebe“ mehr zum Ausdruck bringen als an einer Normal-Schule.

Sie waren auch gesellschaftlich und politisch aktiv?
Ja, bei den Freien Bürgern, im Ortsbeirat Glindow und als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Vom Glindower Karnevalsverein war ich der Abgesandte im Stadtsportbund – eine interessante Aufgabe. Der Vorsitzende Klaus-Dieter Bartsch ist ja wirklich sehr engagiert.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Ich möchte gern noch ein bissen mit meiner Frau zusammen leben, also wünsche ich mir Gesundheit. Eine glückliche Zukunft für unsere Familie und die Verwandtschaft. In Werder soll es weiter sozialpolitisch gerecht zugehen. Dazu gehören die Schaffung von Kita-Plätzen, Schulen und so weiter. Und wir wollen die Therme noch erleben! Da wollen wir noch baden gehen.

Was würden Sie aus heutiger Sicht in Ihrem Leben anders machen?
Auf alle Fälle würde ich nicht mehr so gutgläubig sein. Und vor allen Dingen mehr über Dinge, die an mich herangetragen werden, tiefgründiger nachdenken. Und nicht mehr für jeden in die Bresche springen und alles machen. Man hat mich manchmal auch ein kleines bisschen ausgenutzt. Das hätte ich gern anders gemacht.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern mal treffen?
Nehmen wir mal an, ich hätte die Möglichkeit, mit Donald Trump zu sprechen. Welchen Sinn hätte das? Der Trump ist von klein auf ein verwöhnter kapitalistischer Großkotz und hat auch heute enormes Kapital an seiner Seite. Ihm den Standpunkt von normal denkenden Menschen zu erläutern – würde der das überhaupt begreifen?

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Ich bin ein notorischer Kreutzworträtsel-Löser. Wenn ich ins Bett gehe, schlafe ich sofort ein. Aber im Nachtschrank ruht eine schöne alte Bibel. Aber das hat damit nichts zu tun. Da schaue ich manchmal rein, wenn ich Dispute lese. Denn manche zitieren die Bibel, dann gucke ich nach, was der damit meint. Ich war katholisch, meine Frau evangelisch – als wir geheiratet haben, sind wir aus der Kirche ausgetreten. Aber ich erinnere mich gern an meine katholische Erziehung, sie ist ein Stück meiner Entwicklung.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Für mich war mein älterer Bruder ein Vorbild. Ich habe mich sehr gut mit ihm verstanden. Auch wenn er vielleicht nicht immer alles richtig gemacht hat. Er war sehr lustig und auch ein richtiger Familienmensch, da hat er mich geprägt. Verehrt habe ich meine Schwiegermutter. Ich war 18, als meine Mutter gestorben ist. Dann habe ich meine Frau kennen gelernt. Die Mutter hat mich sofort als festes Familienmitglied aufgenommen. Wir hatten ein schönes Vertrauensverhältnis.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder –Serie?
Alle Tiersendungen, Natursendungen und natürlich Sport. Gern auch mal ein schöner Liebesfilm. Kriegsfilme oder Action finde ich abstoßend. Davon habe ich in meiner Generation genug erlebt.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Ich weiß nicht, ob das ein Talent ist – aber ich bin sehr termintreu. Ich plane gern – zum Beispiel den Tag – und halte mich dann auch daran. Ich bin nicht wankelmütig. Struktur war wichtig in meinem Leben. Ich war, seit ich 18 Jahr alt war, Vorgesetzter. Bei der Armee Gruppenleiter, Zugführer. Dann später Schulleiter. Da musste immer alles planmäßig und korrekt erfolgen. Auch in den Vereinen.
Außerdem sagt meine Frau, dass ich sehr gut zeichnen kann.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ich liebe Tiere, aber wir halten keine Tiere. Dafür müsste das Umfeld stimmen. Das geht hier nicht in der Wohnung. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden – mit Pferden, Hunden, Kühen, Schweinen und Schafen. Mein Lieblingstier ist natürlich das Pferd. Reiten kann ich mit und ohne Sattel.

Sabine und Karl-Heinz Lutze. Foto: wsw