Mein Werder (130): Gerd Barth

Gerd Barth vom bäuerlichen Familienbetrieb Barth/Remus. Foto: wsw

Kurz & knackig

Name: Gerd Barth
Alter: 70
Wohnort: Werder (Havel), Karfunkelberg
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? Seit 1964. Ich habe in Werder auf der alten Obstbau-Schule gelernt. Mein erster Russischlehrer war übrigens Dr. Baldur Martin. Nach vielen Vieren und Fünfen habe ich bei ihm endlich mal eine Drei bekommen. Später habe ich dann noch den Obstbau-Meister gemacht.
Haben Sie Kinder oder möchten Sie welche haben? Drei. Keine eigenen, aber alle meine.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist eine wunderschöne Stadt – mit allem, was dazu gehört – Landschaft, Luft.

Was arbeiten/machen Sie den lieben langen Tag?
Ich versuche, die anfallenden Arbeiten zu bewältigen. Unser bäuerlicher Familienbetrieb wurde 1990 gegründet und heißt jetzt Barth/Remus. Steinobst, Weichobst, Gemüse – insgesamt 21 Arten werden hier produziert – alles rings um das Haus auf dem Karfunkelberg. Und Obstweine – Erdbeere, Himbeere, Kirschen, alle drei Johannisbeerweine. Die Weine machen wir ganz traditionell. Das Obst wird gepresst, kommt in die Kruke mit dem, was reingehört, ohne Zusatzstoffe. Irgendwann wird er zugemacht und dann ist er fertig. Ohne zwischendurch zu kosten oder zu mischen – dafür habe ich keine Zeit.

Was würden Sie lieber machen?
Ich würde nichts lieber machen.

Hätten Sie im Leben irgendetwas anders machen wollen?
Nein. So wie es ist, ist es gut. Nach der Wende hat uns die Genossenschaft „Kredit“ gewährt. Wir konnten ihre Bäume übernehmen, sodass wir gleich produzieren konnten. Die Technik konnten wir auch kaufen und über ein paar Jahre abbezahlen. Sonst wäre das schwerer gewesen. Eine kleine Starthilfe gab es auch vom Staat.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Auf der Plantage – da machen wir ja auch Baumblüte. Da ist zwar wenig Zeit – die Produktion muss ja auch weiterlaufen. Wir hatten auch eine Zeitlang einen Stand Unter den Linden, da hab ich dann alleine gestanden – da blieb die Arbeit dann zehn Tage liegen. Das geht einfach nicht. Da war Sven noch nicht im Betrieb. Aber wir mussten Geld verdienen. In der Stadt haben wir keinen Stand mehr. Und mit den Besuchern hier in den Plantagen – das hat sich gut eingepegelt.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Wenn ich überhaupt welchen trinke, dann Sauerkirschwein.

Sie – ganz speziell

In diesem Jahr Hitze und Trockenheit, im vergangenen späte, harte Fröste. Wie kommt man damit zurecht?
Das vergangene Jahr vergessen wir mal. Das war ein Dilemma, das mussten wir überbrücken. Aber wir haben in diesem Jahr auch bei zwei Erdbeer-Sorten Probleme gehabt wegen der Hitze, die sind regelrecht verbrannt. Das muss die sehr gute Kirschernte mit qualitativ hochwertiger Ware auffangen. So eine Kirschernte mit so großen Kirschen wie in diesem Jahr hatten wir noch nicht. Aber auch nur, weil wir bewässern können – wir haben eine eigene Wasserversorgung. Aber so gleicht sich das immer wieder aus.

Unsere Junganlage mit Kirschbäumen wird übrigens geschnitten von Professor Ernst Greulich, früher Direktor der Peter-Joseph-Lenné-Ingenieurschule. Vielleicht sind sie deshalb so gut …

Und die Leute kaufen auch wieder mehr regional und frisch: die kaufen Johannisbeeren, Kirschen, Erdbeeren – die Palette, die man anbietet, wird gekauft. Vielleicht werden die Menschen über die Medien doch ein bisschen wach, wenn sie erfahren, was da so Gutes und Gesundes in frischem Obst und Gemüse drin. Und dann machen sie sich auch die Marmelade alleine, beispielsweise. Aufgrund der Trockenheit waren die Erdbeeren ja recht klein – aber wir haben alle verkauft.
Wir verkaufen nicht an den Großhandel. Wir haben saisonal Stände, auf dem Frischemarkt in Werder, in Ferch am Gewerbegebiet hinter der Ortsausfahrt Glindow und in Berlin am S-Bahnhof in Zehlendorf.

Das Auge kauft ja mit – die Präsentation samstags auf dem Frischemarkt ist ja sehr ansprechend …
Das macht Jacqueline, und das macht sie toll. Da rede ich ihr auch nicht rein und lasse ihr die Freiheit. Da überlegt sie bestimmt nachts schon, wo sie was hinstellt und präsentiert. Und alle Frauen, die da mit am Stand stehen, ziehen mit.

Wissen Sie, warum der Karfunkelberg „Karfunkelberg“ heißt? Ist ja schon ein ungewöhnlicher Name, eigentlich für einen roten Stein.
Nein, das weiß ich nicht. Aber schon in DDR-Zeiten hieß der Berg so. Und bestimmt noch länger.

Sven Remus ist ja eigentlich Koch – wie kam der denn dann zum Obst- und Gemüseanbau?
Koch war er im Palasthotel. Der kann schon was. Dann hat er dies und das gemacht und sich irgendwann entschlossen, in den Familienbetrieb einzusteigen und es macht ihm Spaß. Und jetzt ist er der Geschäftsführer.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Ich wünsche mir, dass endlich die Therme fertig wird. Da hab’ ich mir doch schon vor zehn Jahren einen Platz reserviert.
Dass der Tunnel gebaut wird.
Und dass die Politik sich nicht von ihren Parteien lenken lässt, sondern Politik für die Bürger macht. Denn wenn die Stadt Werder nicht CDU-regiert wäre, dann hätten wir schon einen Tunnel. Wir sind die schwarze Insel im roten Meer – da bremst das Land! Weil sie neidisch sind?

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
„Der Medicus“. Allerdings brauche ich manchmal ein Jahr für ein Buch.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Eigentlich nicht. Es gibt ja immer Menschen, an denen man sich orientiert. Aber Vorbilder – nein.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder –Serie? Warum?
Im Fernsehen sehe ich Sportsendungen. Als Jugendlicher habe ich Fußball gespielt – mit Glindow in der Bezirksliga. Das hat Spaß gemacht.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Nein. Aber ich kann schnell operativ entscheiden. Umdenken, wenn es nötig ist. Das musste ich betriebsbedingt in der DDR-Zeit bei meinem Technikstützpunkt in Göhlsdorf. Der gehörte zur GPG Obstproduktion Werder. Da ist ja eine Menge kaputt gegangen. Da muss man eben schnell entscheiden, was machen wir, wie kann man das ersetzen, wie können wir improvisieren. Wenn ich an die Tomatenvollerntemaschine denke, die hat zwei Reihen auf einmal aufgenommen – die war größer als ein Mähdrescher und ständig kaputt. Das war wohl eine russische Erfindung.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ja. Hühner, Gänse, Schweine. Die kann man essen. Für die anderen haben wir keine Zeit. Feldhasen stehen bei uns allerdings unter Naturschutz, die schonen wir. Egal, ob die ein bisschen Kohl fressen oder sonst was. Im vergangenen Jahr waren die Jäger wegen der Wildschweine hier und sagten, kurz vor Weihnachten könnten wir ja mal eine Hasenjagd machen. Meine Frau ist fast verrückt geworden. „Da zeige ich Sie an, wenn Sie hier auch nur einen Hasen schießen!“.