Mein Werder (15): Martha Goldmann

Kurz und knackig

Name: Martha Goldmann
Alter: 31
Wohnort: Werder, Ortsteil Töplitz
Seit wann bist du in Werder zuhause? – Seit Juni 2014
Hast Du Kinder oder möchtest du gerne welche haben? – Ich habe 2 Töchter (9 und 6)

Was arbeitest / machst Du so den lieben langen Tag? Was würdest lieber machen?

Ich bin seit einigen Jahren selbstständig mit einem Stoffladen direkt am Bahnhof Werder (Havel) in der Kesselgrundstraße 1-5.
Hier gibt es vor allem Kinderstoffe und Nähzubehör. Gelernt habe ich ursprünglich Buchbinderin (Einzel- und Sonderfertigung) in der Staatsbibliothek zu Berlin. 2006, als meine erste Tochter geboren wurde, kam das „Selbernähen“ auf. Was in Holland schon lange üblich war, war in Deutschland noch nicht so sehr verbreitet. Die Firma „Farbenmix“ brachte die Schnittmuster nach holländischem Vorbild auf den deutschen Markt und die Nähszene wuchs stetig. Die Schnitte waren leicht verständlich und für Anfänger perfekt. Eine bebilderte Anleitung gab es (und gibt es bis heute immer noch) im Internet zu jedem Schnittmuster.

Mein erstes genähtes Teil war der Zipfelpullover „Hannel“ von Farbenmix. Heute ein Schnitt, der gar nicht mehr wirklich gefragt wird. Die Schnitte sind sehr modern und trendy geworden. Auch in der Nähszene gibt es Trends, die eine Saison boomen und dann stark abebben. Jahre später habe ich einen Gewerbeschein beantragt, um hin und wieder ein Teil verkaufen zu können. Mittlerweile verkaufe ich Schnittmuster, Stoffe und  Nähzubehör und gebe Nähworkshops in meinem Laden. Auch Kindergeburtstage kann man bei mir feiern. Mein Label heißt „Martchen“. So wurde ich als Kind von der Verwandschaft gerufen. Ich fand das als Kind natürlich total doof, aber als Erwachsene mag ich es wieder sehr gerne und es erinnert mich an eine Verwandte, die mich immer so nannte.

Meine Öffnungszeiten sind aktuell Montag und Dienstag von 16 bis 18 Uhr und Donnerstag und Freitag von 10 bis 13 Uhr. Zusätzlich ist der 1. Samstag im Monat von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Sobald meine zweite Tochter in die Schule geht, hoffe ich die Öffnungszeiten noch weiter ausdehnen zu können. Online findet man mich auf www.martchen.de und auf Facebook auf https://www.facebook.com/Martchen.eu/

Was würde ich lieber machen? Ach, da gibt es viel. Mehr Zeit für Ehrenämter; mehr Zeit, um noch mehr Instrumente zu lernen; mehr Freizeit (als Selbstständiger arbeitet man ja irgendwie … ständig); mehr Reisen … vermutlich das, was jeder eben so gerne machen würde und wofür einfach nie Zeit da ist. Für meine Kinder nehme ich mir aber viel Zeit, das ist mir trotz der vielen Arbeit immer sehr wichtig.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Hast du einen Lieblingsort in Werder? Wo und Warum?

Im Sommer sind wir in den Ferien und am Wochenende immer morgens an der Badestelle in Töplitz und frühstücken dort auf einer Picknickdecke. Die Kinder gehen dann auch gleich schwimmen. Es gibt wenig Worte, die beschreiben könnten, wie schön es ist, diese Auszeit vom Alltag zu haben. Das ist so entspannend wie Urlaub.

Was ist das Besondere an deinem Ortsteil?

Das Besondere an Töplitz ist erst einmal, dass es eine Insel und somit an allen Seiten umgeben von Wasser ist. Ich wohne seit fast zwei Jahren hier und muss täglich über die Autobahnbrücke nach Werder und es vergeht kein Tag, an dem ich den Blick über das Wasser nicht großartig finde.

Töplitz ist ein kleines Dorf, welches aber nicht stehen bleibt. Wir haben eine großartige Grundschule, eine neugebaute Kita, einen Einkaufsladen, einen Bäcker, eine Kunstgalerie und einen Supermarkt. Außerdem eine Badestelle, Wälder und Wiesen. Wir haben den Insellauf (Halbmarathondistanz) und den AkkuschrauberCup und einen Yachthafen. Natürlich auch viele Vereine, eine Feuerwehr (die jetzt auch ein neues Gebäude bekommt) , Ferienhäuser und Hotels. Trotzdem bleibt Töplitz einfach nur ein Dorf mit all’ seiner Ruhe und Entspannung.

Welche ist Deine Lieblings-Jahreszeit und warum?

Definitiv der Frühling. Nach dem Winter ist es am schönsten, wie die ganze Natur erwacht. Die zwitschernden Vögel, die ersten Frühblüher und die ersten Knospen an den Gehölzen kündigen die bevorstehende Jahreszeit mit den steigenden Temperaturen an. Man selber erwacht ja auch aus einer Trägheit und will im Garten endlich richtig loslegen, um endlich bald wieder blühende Beete und tüchtige Bienen und Hummeln zu sehen.

Wo muss ein Besucher unserer Stadt unbedingt gewesen sein?

Ich würde einen Besuch der Insel von Werder empfehlen inkl. Eis essen bei Dolci e Gelati. Ein Boot muss auch unbedingt, z.B. vor der Insel, gemietet werden. Werder bedeutet „Flussinsel“ und wer in Werder ist, muss auch AUFS Wasser. Eine Fahrradtour durch Werder, vor allem auch durch Töplitz, ist ebenfalls absolut empfehlenswert.

Werderaner oder Werderscher?

Ureinwohner (Werdersch) oder Zugezogener (egal wann = Werderaner), das ist hier die Frage! Wie stehst Du dazu?

Ich bin als Zugezogener dann wohl Werderaner und wusste bis eben gar nicht, dass es den Begriff „Werdersch“ gibt. Scheinbar ist es letztlich doch nur wichtig, was man für ein Mensch ist und nicht woher man kommt. Das ist ja generell ein guter Tipp fürs Leben, oder?

Wie bist Du nach Werder gekommen?

Dazu muss ich einmal länger ausholen. Wir sind Juni 2014 relativ spontan umgezogen. Nach 30 Jahren Berlin wollten wir einfach weg. Der Zeitpunkt passte einfach. Wir haben die Landkarte genommen und geguckt, wo man außerhalb Berlins wohnen kann und dennoch mit einem Zug schnell in Berlin sein kann, da mein Mann in Berlin arbeitet. Die Wahl fiel schnell auf Werder. Man wohnt „weit draußen“, alles ist umgeben von Wasser und man hat einen direkten Zug nach Potsdam und Berlin. Wir bewarben uns auf eine Doppelhaushälfte und beim Besichtigungstermin wurde auch über Töplitz (vor allem über die Töplitzer Grundschule) gesprochen.

Töplitz? Nie gehört und zuhause gleich einmal gegoogelt. Das gefiel uns gleich noch mehr. Ein Dorf mit Kita und Grundschule mit Supermarkt und einem Einkaufsmarkt, der alles zu haben scheint. Es gibt eine traumhafte Badestelle, Wald, Wiesen und Felder.
Zufälligerweise war auch dort eine Doppelhaushälfte zu vermieten, für die wir uns bewarben. Tatsächlich bekamen wir sie und haben es nicht einen Tag bereut, hergezogen zu sein. Keinen Tag haben wir Berlin vermisst. Töplitz hat uns alle total entstresst und entschleunigt.

Das Gefühl „Heimat“ kam erst in Werder auf. Ich liebe diese Stadt so viel mehr, als ich Berlin jemals geliebt habe. Es fühlt sich an, als hätte ich hier schon immer gelebt. Ich habe hier auch direkt guten Anschluss gefunden und wurde gut aufgenommen. Meine Nachbarn sind wahnsinnig nett und liebenswert und feste Freundschaften haben sich auch in kurzer Zeit gefunden.

Meine Töchter waren 4 und 7 als wir herzogen. Beide haben sich so gut eingelebt und sind hier mittlerweile richtig verwurzelt.

Marmelade oder Wein?

Obstbau ist in Werder Tradition. Hast Du einen Garten? Mit Obstbäumen? Und was machst Du aus den Früchten, die Du erntest? 

Ich mag Wein total gerne. Aber nur weißen oder roséfarbenen Wein. Ich trinke ihn aber nur in einem Restaurant oder mit Freunden. Zuhause eigentlich nie.
Ansonsten Marmelade und alles Andere was man aus Früchten machen kann. Hier in meinem Garten habe ich leider nicht so viele Fruchtsträucher und Bäume wie ich gerne hätte. Es ist zudem leider recht schattig. Aber immerhin einen riesen Kirschbaum haben wir. Aus den Kirschen machen wir Konfitüre und naschen das Meiste direkt vom Baum.
Im Herbst machen wir beispielsweise viel Apfelmus und Apfelkompott. Der Klassiker Erdbeermarmelade wird bei uns auch im Sommer hergestellt.

Liebst du Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?

Klar liebe ich Tiere. Ich selber habe zwei Hunde, drei Kater und zwei Kaninchen. Allesamt gerettet. Die Kaninchen wurden aus schlechter Haltung gerettet und leben im Garten in einem großen sechs Quadratmeter-Gehege und sind keine Spielzeuge oder Kuscheltiere. Die Kater sind zum Teil aus dem Tierheim und Handaufzuchten aus schlechter Haltung und die beiden Hunde sind aus Spanien gerettet.
Ich finde Schafe, Ziegen und Esel auch noch ganz toll und Wombats. Aber halten werde ich diese Tiere wohl nie. Bei den Wombats scheitert es ja schon an der Klimaregion.

Welche berühmte Person würdest du gern einmal treffen? Welche Fragen würdest du ihr stellen?

Eine schwierige Frage. Es gibt wenige Schauspieler oder Promis, die ich treffen wollen würde. Wenn ich da jemanden nennen müsste, wäre es vermutlich die britische Schauspielerin, Theaterdarstellerin und Oscarpreisträgerin Maggie Smith. Fragen hätte ich da wenige, ich würde einfach nur gerne mit ihr eine nette Zeit verbringen und Tee trinken.
Eine zweite Person, die mir spontan einfiel, ist Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai. Gerade mal 18 und eine Friedensnobelpreisträgerin und 15 weitere soziale Preise. Sie ist so eine Kämpferin, die einen Mordattentat durch die IS überlebte und weiter für die Rechte der Mädchen und Frauen in Pakistan und auf der Welt kämpft. Unermüdlich und selbstlos. Vermutlich hätte ich auch da wenige Fragen und würde einfach nur gerne sagen, dass ich sie unglaublich inspirierend und mutig finde. Es sollte viel mehr Malalas geben auf der Welt – sie wäre vermutlich eine bessere Welt …

Welches Buch liegt auf deinem Nachttisch?

Kathy Reichs – Hals über Kopf. Leider liegt es da schon sehr lange. Ich komme einfach zu selten zum Lesen. Zwischendurch höre ich aber viele Hörbücher. Mein aktuelles Lieblingsbuch ist  „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes, da freue ich mich sehr auf den Film, der bald in die Kinos kommt.

Hast du Vorbilder? Welche und warum?

Schon wieder so eine schwierige Frage. Vorbild ist jeder, der irgendetwas tut, was mich inspiriert und berührt.
Ärzte ohne Grenzen sind für mich Vorbilder, die wochenlang unbezahlten Urlaub nehmen und auf eigene Kosten in ein Krisengebiet reisen, um da Menschen zu operieren.

Meine Tochter hat sich im vergangenen November die Haare von hüftlang auf Kinnlänge schneiden lassen, um die Haare einer Organisation zu spenden, die daraus Perücken für Kinder macht, die aufgrund einer Krebstherapie keine Haare mehr haben. Das war sehr bewegend, weil ich dazu nicht den Schneid hätte, mich von meinen Haaren einfach so zu trennen.

Generell sind alle Menschen Vorbilder, die in ihrer Freizeit und ohne etwas dafür zu verlangen, anderen Menschen, der Umwelt und Tieren auf irgendeine Art und Weise helfen und unterstützen. Das bewundere ich Tag für Tag.

Hast du einen Lieblingsfilm oder -serie? Warum?

Ich bin der absolute Serienjunkie. Ganz toll fand ich beispielsweise “Downton Abbey”. Eine britische Serie, die das Leben einer englischen Adelsfamilie in den Anfängen des 20. Jahrhunderts zeigt und dabei in vielen Staffeln sehr detailgetreu ist und politische und gesellschaftliche Probleme thematisiert. Wer Maggie Smith nicht kennt, sollte diese Serie unbedingt sehen.

Hast Du ein verborgenes Talent?

Verborgene Talente? Die kenne dann vermutlich selbst noch nicht.
Aber ich bin z.B. ein Selbermacher. Ich restauriere gerne Möbel, backe und koche gerne, mache gerne große Buffets und erwische mich hin und wieder bei dem Gedanken, ein veganes Catering zu eröffnen.

Ansonsten spiele ich noch Querflöte und das auch im dem Mehrgenerationen-Ensemble „Tico Tico“ der Kreismusikschule Werder (Havel). Wenn ich da nicht spiele, dann begleitet mich mein Mann auf dem Klavier und meine Tochter auf dem Cello. Seit ein paar Wochen nehme ich Unterricht auf der Bratsche, das wäre dann das vierte Instrument, das ich lerne. Mein Hauptinstrument wird aber sicher die Querflöte bleiben.

Was müssen wir dringend noch von dir wissen?

Neben meinem Stoffladen in Werder organisiere ich mit meiner Freundin und Kollegin Katrin auch den Zucker & Zimt Kreativmarkt in Potsdam Babelsberg auf dem Weberplatz. Für 2016 sind drei Termine geplant. Der nächste Termin ist schon der 24. April 2016.

65 Handwerker präsentieren dort ihre selbstgemachten Dinge. Dazu gibt es auch für Kinder Möglichkeiten, etwas herzustellen und natürlich auch (selbstgemachtes) Essen.
Die Internetseite dazu ist: www.zucker-und-zimt-kreativmarkt.de
Facebook: https://www.facebook.com/zuckerundzimtkreativmarkt/

Das Wichtigste in meinem Leben ist und bleibt aber dennoch meine Familie. Eine Freundin sagt, ich wäre ein Familienviech und sie hat vermutlich recht. Die wichtigste Zeit ist uns die gemeinsame Zeit mit der Familie und die steht immer vor allem Anderen.