Mein Werder (143): Marlene Lindner

Marlene Lindner

Kurz & knackig

Name: Marlene Lindner
Alter: 32
Wohnort: Werder (Havel), Uferwerk
Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? Seit Ende Mai 2017. Ich komme aus Lüneburg.
Haben Sie Kinder oder möchten Sie welche haben? Irgendwann schon.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist ein sehr idyllischer Ort. Für mich ist das viele Wasser schön und wichtig.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder?
Natürlich den Plessower See.

Rummel oder Muckergarten – Wo ist Ihr Lieblingsort auf dem Baumblütenfest?
Ich bin gern auf dem Hohen Weg unterwegs. Hier kann man einfach so spazieren und dann in einem Garten landen. Ich mag’s nicht so rummelig.

Was machen Sie den lieben langen Tag?
In Golm bin ich gerade mit meinem Bio-Physik-Studium fertig geworden. Ich sitze vor dem Computer oder stehe im Labor – jetzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Was würden Sie lieber machen?
Naturwissenschaften sind schon gut. Hauptsache, da ist Abwechslung drin.

Sie – ganz speziell

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Wir haben von unserer Nationalmannschaftsführerin ein Bändchen bekommen, in das man drei Wünsche einknotet, aber die darf man nicht verraten. Ein Wunsch hatte natürlich mit der Weltmeisterschaft zu tun…

Welche Weltmeisterschaft?
Unterwasserhockey!

Eine in Deutschland eher unbekannte Sportart… wie sind Sie denn dazu gekommen?
Während des Auslandsstudiums in den USA. Hauptnation ist das Mutterland England, wo es in den 1950er-Jahren von gelangweilten Tauchern erfunden wurde. Verbreitet ist Unterwasserhockey auch in den USA, Kanada, Südafrika und Australien. In den 1950er-Jahren ist übrigens in Deutschland Unterwasserrugby entstanden – da gab es offensichtlich in dieser Zeit auch viele gelangweilte Taucher. Seit 1989 ist Unterwasserhockey in Deutschland offizieller Wettkampfsport des Verbands der Sporttaucher.

Wie muss man sich dieses Spiel unter Wasser vorstellen?
Beim Unterwasserhockey spielen zwei gemischte Mannschaften mit je sechs Spielern und bis zu vier Auswechselspielern zweimal 15 Minuten. Wie beim Hockey muss der Puck per Schläger ins Tor, bei uns ist das eine Rille. Drei Schiedsrichter sind dabei mit im Wasser, ein weiterer steht am Becken. Es gibt pro Mannschaft drei Stürmer und drei Verteidiger. Ich bin Stürmer. Anders als beim Fußball darf man selbst entscheiden, wann man rein oder raus möchte. Wenn man keine Luft mehr hat, geht man raus. Und manchmal muss man ja noch 25 Meter schwimmen, bevor man draußen ist. Da überlegt man schon sehr genau, wann man wechselt. Die Dauer, die man unter Wasser bleibt, ist nicht so entscheidend, sondern vielmehr, wie schnell man regeneriert.

Wo sitzen denn beim Unterwasserhockey die Zuschauer und was sehen die?
Haha, nix! Für die Zuschauer gibt es aber oft Livestreams – auch bei der WM gab es die.

Wann und wo waren denn die Weltmeisterschaften?
Die haben vom 19. bis 28. Juli 2018 in Quebec, Kanada, stattgefunden. Letzter sind wir nicht geworden …

Rechnete sich die deutsche Nationalmannschaft Chancen aus?
Nicht auf die Platzierungen. Dafür gibt es Unterwasserhockey hier einfach noch nicht lange genug. In Neuseeland gibt es Unterwasserhockey als Schulsport! Wir haben eine Neuseeländerin im Team, die hat das mit acht, neun Jahren in der Schule gelernt. Die ist natürlich total wendig und geübt in den Unterwassermanövern.

Wann begann Ihre Leidenschaft fürs Schwimmen?
Ich bin schon vom Dreier gesprungen, bevor ich überhaupt schwimmen konnte. Meine Eltern haben mich dann rausgefischt. Die ganze Familie ist gern im Wasser. Meine Oma geht mit 88 Jahren auch noch schwimmen. Rettungsschwimmer bin ich inzwischen auch.

Und wann haben Sie mit Unterwasserhockey angefangen?
Relativ spät, mit Ende 20. Bei uns in Berlin sind alle zwischen 20 und 40 Jahren, ab und zu sind noch ein paar Ältere dabei.

Und wo trainieren Sie?
In Berlin in verschiedenen Schwimmhallen und hier im Plessower See. Der Plessower See ist besonders gut geeignet, weil ich – anders als über den Zernsee – ungefährdet hinüber schwimmen kann. Und nebenbei: ich tauche ja auch – der See ist ja sehr sauber, aber wenn man dann an die Dunkelgrenze kommt, ist es schon bemerkenswert, wenn dann so direkt vor dem Gesicht ein Karpfen aus der Dunkelheit auftaucht.
Mein Verein ist der Sporttaucher Berlin e.V., die Trainingszeiten liegen zwischen 21 und 22 Uhr. Da komme ich dann immer mit dem letzten Regio nach Hause. Vielleicht hat ja jemand, der das hier liest, Lust, mitzumachen? Wie in jedem Verein kann man auch bei uns einen Monat Probetraining machen.

Wie sieht denn so eine Trainingseinheit im Plessower See aus?
Meistens schwimme ich einmal ohne Flossen über den See, dann einmal mit Flossen. Anschließend mache ich meist noch Tauchtraining. Ohne Flossen über den See ist zum Aufwärmen, sodass die Fußgelenke warm werden. Das sind rund 500 Meter hin und 500 zurück. Je nachdem natürlich, wo man ins Wasser geht.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Auch im Winter?
Im Winter gehe ich mit einem Neoprenanzug in den See. Nicht den ganzen Winter über – aber ich bin schon ins Wasser gestiegen, als es im Gesicht noch richtig weh getan hat.

Werden Sie angesprochen, wenn Sie in den See steigen?
Kinder an den Badestellen reagieren auf auf die Ausrüstung – die nennen mich einfach immer „Taucher“. Die Erwachsenen interessiert das eher nicht so. An der Küste ist das manchmal anders: da sind die Leute eher besorgt, dass man zu weit rausschwimmt. Man soll ja in der Regel nicht weiter als 50 Meter vom Ufer weg sein – da halte ich mich nicht immer dran.

Welche Ausrüstung braucht man für Unterwasserhockey?
Flossen, Maske, Schnorchel und Kappe sowie einen kurzen Schläger aus Holz oder Kunststoff und einen Silikonhandschuh. Der Puck ist sehr schwer, über ein Kilogramm. Die Kappe mit dem Ohrenschutz ist wichtig wegen des Druckes und eventueller Verletzungen.

Ist die Ausrüstung teuer?
Relativ. Die Wettkampf-Flossen sind schon recht teuer, aber im Vergleich zu anderen Sportarten – Reiten oder normales Hockey – ist die Ausrüstung schon erschwinglich.

Wie siehts mit Verletzungen aus?
Klassische Verletzungen sind blaue Flecke, Abschürfungen vom Beckenboden, vielleicht mal Nasenbluten oder eine Verletzung an der Lippe, wenn wenn man den Puck ins Gesicht bekommt – aber das ist nicht so oft – Unterwasserhockey ist keine wirklich gefährliche Sportart.

Wie merkt man, das ein anderer aus der Mannschaft Luft braucht? Körpersprache?
Man sieht das meist, wenn er aufhört zu schwimmen. Besonders die Beinmuskulatur verbraucht viel Sauerstoff. Wenn man merkt, dass man nicht mehr sprinten kann, dann hält man erstmal an und beschützt den Puck, und dann schaut man – wo kann ich hinspielen? Innerhalb der Mannschaft kennt man sich ja auch und merkt das dann. Auch an den Positionen.

Wie sind Sie in die Nationalmannschaft gekommen?
Ich wurde zu einem Trainingscamp eingeladen. Unsere Trainer sind nicht deutsch, Haupttrainer ist ein ehemaliger Nationalspieler aus den Niederlanden, der Assistenztrainer kommt ursprünglich aus Südafrika und wohnt jetzt in Irland. Die machen das natürlich in ihrer Freizeit. Es gibt sehr viel Idealismus in diesem Sport – weil halt kein Geld drin steckt.

Planen Sie Ihre Urlaube nach vorhandenen Schwimm- oder Tauchmöglichkeiten?
Nicht unbedingt. Ich wandere auch gern, aber wenn ein Gebirgssee da ist, halte ich auch mal die Füße rein. Es muss nicht immer schwimmen sein. Aber gerade, wenn ich viel am Computer sitze, dann brauche ich das einfach als Ausgleich. Joggen war noch nie so meins. Im Wasser ist das auch für den Rücken der beste Ausgleich.

Drei Gründe: Was ist das Tolle an diesem Sport?
Er ist sehr schnell, ein fast dreidimensionaler Sport – die Gegner kommen aus allen Richtungen. Man ist einfach schwerelos im Wasser! Und man kann das bis ins hohe Alter spielen – es gibt 70-Jährige, die noch dabei sind.

Was wir sonst noch wissen wollen

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Da gibt es eigentlich keine. Wenn ich jemanden zufällig erlebe, ohne zu wissen, wer das ist, finde ich das interessanter, als wenn ich genau weiß, das ist der und der. Da hat man dann vielleicht zu viele Erwartungen.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Ich höre immer sehr viele Hörbücher – beim Pendeln sehr angenehm. Das sind meist englische Bücher.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Hund