Mein Werder (160): Dr. med. Winnie Berlin

Dr. Winnie Berlin heißt die kleinen und großen Patienten aus Werder herzlich willkommen in ihrer Praxis., Fotos: Privat

Kurz & Knackig

Name: Dr. med. Winnie Berlin
Alter: mittleres 
Wohnort: Potsdam-Mittelmark
Haben Sie Kinder? Ich habe zwei Söhne im Schulalter.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Als aufstrebende 25 Tausend Einwohnerstadt an der Havel

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Seit September 2018 nehmen die Gründung und der Aufbau meiner Hausarztpraxis die längsten Stunden des Tages ein.

Was würden Sie lieber machen?
Nichts. Ich liebe meinen Beruf und das breite Spektrum meines Faches. Ich hätte nur gerne, dass der Tag 48 Stunden zählt und so mehr Zeit bleibt für die Familie, den Garten, die Musik und vieles andere mehr.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Leider kenne ich noch nicht alle Ortslagen. Allerdings mag ich schon jetzt: die Brücke zur Insel Werder mit dem Ausblick aufs Wasser, den Fischer, die Regattastrecke, die Mühle.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Auf der Insel Werder.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Im eigenen Garten, weit weg vom Trubel.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Ich bin mehr für Liköre in Aprikose.

Sie – ganz speziell

Was ist das besondere an Ihrer Praxis?
Meine Ausbildung in Kinder- und Erwachsenenmedizin erlaubt es mir, das gesamte Altersspektrum vom Säugling bis zum Menschen am Lebensende hausärztlich zu versorgen.
Mein Berufsweg gestaltete sich unerwartet verschlungen mit einem großen Spektrum an Erfahrungen in unterschiedlichen medizinischen Fächern und Arbeitsfeldern. Mit der allgemeinmedizinischen Niederlassung habe ich nun die große Klammer um all die gemachten Erfahrungen in vielen medizinischen Disziplinen gemacht. Das kommt dem Generalisten schon sehr nah, den die meisten Menschen bei Krankheit in erster Linie brauchen.

Dr. Winnie Berlin mit der Werderaner Künstlerin Oda Schielicke bei der Eröffnungsfeier.
Dr. Winnie Berlin mit der Werderaner Künstlerin Oda Schielicke bei der Eröffnungsfeier.
"Der Vierjahreszeitenbaum - Symbol für die Phasen des Lebens und die Teile meiner Patientenschaft."
"Der Vierjahreszeitenbaum - Symbol für die Phasen des Lebens und die Teile meiner Patientenschaft."

Sie arbeiteten als Kinderärztin, Allgemeinärztin und waren zudem als Notärztin im Einsatz. Neben den alltäglichen Sorgen der kleinen und großen Patienten kommen Sie bestimmt auch ab und an mit traurigen Schicksalsschlägen in Berührung. Wie gehen Sie mit diesen Erlebnissen um?
Ein Leben hat viele Höhen und Tiefen. Schicksalsschläge hinterlassen Spuren bei den direkt Betroffenen, aber auch den Angehörigen und professionellen Helfern. Durch die fortwährende Konfrontation mit Krankheit und Tod erringt man eine gewisse Erfahrung, einen professionellen Umgang mit diesen besonderen Situationen. Dabei nicht selbst abzustumpfen, nicht zu automatisieren, nah an den Menschen und bei sich zu bleiben, wäre mein Ziel.

Während Ihres Studiums verbrachten Sie auch längere Zeit im Ausland und Sie fanden Ihren Berufseinstieg in England. Wieso haben Sie sich für Werder (Havel) als Praxisstandort entschieden? 
Zu meiner großen Verblüffung fand ich nach der Wende im kapitalistischen England ein zentralistisches Gesundheitssystem vor! Die Art und Intensität der medizinischen Ausbildung haben mich sehr positiv beeindruckt und geholfen, im Berufsleben Fuß zu fassen. In England trifft man die Welt. In Potsdam-Mittelmark ist man zu Hause. Warum Werder? Weil es nah der Heimat ist, den schönsten und sportlichsten Weg zur Arbeit bietet, noch dazu Versorgungsbedarf, Räumlichkeiten und die Möglichkeit einer kassenärztlichen Niederlassung bot.

Sie stammen aus einer Familie mit Wurzeln im Gemüse- und Obstanbau. Führen Sie diese Tradition Ihrer Familie in Ihrem heimischen Garten fort?
Ich habe schon als Kind im „Dreck“ in und an der Havel gelegen. Gejätet, umgegraben, gesät, gegossen, geerntet, in einem alten Rollwagen, der mit Blumensträußen gefüllt oftmals bis Berlin unterwegs war, meine Bude gebaut, mit meiner Großmutter auf dem Potsdamer Markt gestanden. Klar habe ich einen großen Garten und ein kleines Gewächshaus, in dem ich uns ein paar Sachen mache. Aber leider habe ich nicht so viel Zeit und nicht genügend helfende Hände, um es genau so zu machen, wie ich es gern hätte und die Möglichkeiten, die er bietet, voll zu nutzen. Aber dafür nutze ich die Stände entlang des Wegs und kaufe frische Sachen in und um Werder, von denen andere offensichtlich zu viel im eigenen Garten haben.

Ihre Praxis ist seit September 2018 geöffnet. Resümieren Sie für uns kurz die vergangenen Monate?
Bis Jahresende haben wir ca. 500 neue Patienten kennengelernt. Inzwischen haben wir eine Patientenschaft zu je 1/3 aus Kindern und Jugendlichen, Menschen mittleren Alters und den ältesten Generationen. Genauso wollte ich das. Schritt für Schritt geht es jetzt in die Tiefe und es können weitere Untersuchungen (24-EKG, Ergometrien, Aortenscreening) und verschiedene Vorsorge-Programme/DMPs angeboten werden. Mehr Personal wird gebraucht werden. Der Kampf mit Technik, Telekom und EDV flammt immer mal wieder auf. Man glaubt gar nicht, wieviele Kleinigkeiten zum gelungenen Betrieb einer Hausarztpraxis gehören. Alles muss selbst beschlossen und umgesetzt werden, nichts kann man abgeben, weil ja auch das Einkommen zunächst nicht gerade komfortabel ist. Plötzlich ist man nicht nur Ärztin, sondern auch Geschäftsfrau und selbstständig. Das ist eine völlig neue Welt.

Was wir sonst noch wissen wollen…

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Gesundheit, lange sonnige Tage und ausreichende finanzielle Ressourcen, um Selbstbestimmung und Kreativität zu erlauben.

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Barak Obama.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Zu viele, z.B. KAF (Susan Glimmerveen), Seelen und Komplizen (Julia Schoch), On the Move (Oliver Sacks), In the midst of Winter (Isabel Allende)

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Z.B. Dr. Inge Singemann & Prof. Dr. Thomas Lempert. Die eine – meine allererste Hausärztin in Caputh. Ebenfalls eigentlich Kinderärztin mit einem sehr anpackenden, lebensnahen Temperament. Der andere – mein bester klinischer Lehrer, Neurologe, heute Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Schlosspark-Klinik Berlin. Ohne ihn wäre ich beim Lagerungsschwindel ahnungslos geblieben.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie? 
Die Rapoports (Huetli & Wauer), Hannah Arendt (von Trotta), Rücken- und Nackenfitness (Vogel), Greys Anatomie

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Gärtnerei, Musik, Tanz, Politik

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Katze

"Frühlingsacker 2018 - wer sät wird (vielleicht) ernten."