Mein Werder (167): Sonja Horn

Sonja Horn hat unseren Sonntagsfragebogen ausgefüllt. Sie ist seit ihrem 4. Lebensjahr bei der DLRG! In Werder ist sie seit Jahren beim Baumblütenfest bei der SEG - der schnellen Einsatzgruppe - aktiv. Foto. Patrick Plönnig

Kurz & knackig

Name: Sonja Horn
Alter: 29
Wohnort: Werder (Havel)

Seit wann sind Sie in Werder zu Hause? Ich wohne seit September 2016 in Werder.

Haben Sie Kinder oder möchten Sie gerne welche haben?
Noch habe ich keine Kinder, aber ich kann mir vorstellen in den nächsten Jahren Kinder zu bekommen.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist für mich die „immer Urlaubsfeelingstadt“. Man hat hier alles, Wasser, Wald und auch Erhöhungen. Die Insel und auch die Innenstadt sind zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Momentan bin ich noch zu Hause, aber ab dem 1. April gehe ich endlich wieder arbeiten. Mein letzter Arbeitgeber hat mich nach der erfolgreich bestandenen Ausbildung zur Personaldienstleistungskauffrau nicht übernommen.

Was würden Sie lieber machen?
Momentan möchte ich nichts lieber machen. Nach einer sehr langen Findungsphase bis ich meinen Beruf gefunden habe, freue ich mich einfach sehr, bald auch wieder arbeiten zu können.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Keiner von beiden. Mein „Lieblingsort“, wenn man es denn so nennen kann, ist das Sanitätszelt der DLRG an der Kirche auf der Insel. Dort verbringe ich als Sanitäterin die Wochenenden und auch den 1. Mai. Jedoch würde ich mir sehr gern mal einen Muckergarten anschauen. Vielleicht wird es ja dieses Jahr mal etwas.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Ich muss gestehen, ich trinke sehr wenig Obstwein. Dafür sehe ich zu viele Menschen, die mit den Auswirkungen des Weins Probleme haben und deswegen bei uns im Zelt liegen.

Aber ich habe schon ein paar Sorten probiert und mir schmecken ein oder zwei Becher des “S6ex-Weins” von Schultz’ens sehr gut.

Sonja Horn und ihr Freund Eddy Benkendorf. Foto: privat

Sie – ganz speziell

Ihr Motto lautet: Ich möchte arbeiten.
Gerade haben Sie ihre Ausbildung abgeschlossen – leider wurden Sie nicht übernommen und suchen jetzt Arbeit. Was können Sie?
Ich habe am 17. Januar meine Ausbildung zur Personaldienstleistungskauffrau abgeschlossen und habe mich beworben. Leider habe ich lange keinen Erfolg gehabt. Nun freue ich mich umso mehr, dass ich inzwischen einen neuen Arbeitsplatz gefunden habe. Ich beginne am 1. April in Potsdam bei der Firma Aktuell Personal-Service GmbH.

Wie ist denn da Ihr Radius?
Für einen guten Arbeitsplatz nimmt man auch weitere Wege in Kauf. Ich habe jetzt das Glück, einen neuen Job in Potsdam gefunden zu haben.

Die Zeit zur Arbeit ist die gleiche wie zum vorherigen Arbeitsort in Berlin-Charlottenburg. Ich gehe morgens zur gleichen Zeit aus dem Haus und komme am Abend zur gleichen Zeit wieder nach Hause.
Da haben wir in Werder Glück mit der Anbindung durch den RE 1. Durch den kommt man schnell überall hin.

Wie wichtig ist Ihnen ehrenamtliche Arbeit? Seit wann sind Sie bei der SEG aktiv und wie kamen sie dahin?
Für mich ist die ehrenamtliche Arbeit sehr wichtig. Ich bin schon seit meinem vierten Lebensjahr Mitglied in der DLRG, der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Zunächst im Bezirk Berlin-Spandau. Ich habe dort Schwimmen gelernt und später auch Kindern und Jugendlichen das Schwimmen beigebracht,

Außerdem habe ich Wasserrettungsdienst an der Berliner Oberhavel auf der “Station Bürgerablage” (eine Badestelle) gemacht und war im Katastrophenschutz im Betreuungsdienst.

Seit 2012 bin ich in der SEG Werder aktiv. SEG steht für “Schnelle Einsatzgruppe”. Wir werden bei größeren Schadenslagen per Pieper alarmiert und besetzen fünf Krankentransportwagen, die im Notfall zwei Patienten auf einmal transportieren können. Außerdem bauen wir, wenn benötigt, vor Ort ein Sanitätszelt auf und betreiben es auch. Das heißt wir versorgen die Verletzten und bringen diese dann so schnell wie möglich in die umliegenden Krankenhäuser. Das alles und sogar noch mehr tun wir im Rahmen des Katastrophenschutzes des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

Dieses Jahr ist es meine 8. Baumblüte. Ich bin durch meinen Freund zur SEG gekommen. Der engagiert sich dort schon viel länger als ich und ist auch der Leiter unserer Gruppe. Inzwischen bin ich auch Mitglied der DLRG Ortsgruppe Potsdam.

Katastrophenschutz, Absichern von Großveranstaltungen, Übungen, Lehrgänge – das kostet sicher viel Zeit …
Ja, das kostet teilweise sehr viel Zeit. Ich bin froh, dass mein Freund und ich die Liebe zum Ehrenamt teilen und dadurch unsere Freizeit viel zusammen verbringen. Meine Eltern engagieren sich auch in der SEG, somit machen wir manche Sanitätsabsicherungen, Lehrgänge und auch Übungen zu viert.
Aber ich mache das alles sehr gerne. Mein Leben ohne Ehrenamt kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.

Wie muss man sich beispielsweise einen „normalen“ Tag auf der Baumblüte vorstellen, den Sie mit Ihren Kameradinnen und Kameraden der SEG absichern?
Wir treffen uns um 10 oder 11 Uhr vormittags an der Halle in der Mielestraße 2. Dann fahren wir zu den Zelten auf der Insel und an der Schule. Ein Teil von uns besetzt die fünf Krankentransportwagen und stellt sich an feste Punkte wie zum Beispiel die “Mäusediele”.

Als erstes müssen die Zelte wieder klar Schiff gemacht werden, dass man sofort die ersten Patienten versorgen kann. Dann melden wir uns per Funk in der Einsatzleitung, dass das Zelt einsatzbereit ist. Als nächstes werden Teams eingeteilt. Man arbeitet immer zu zweit. Es gibt auch Trupps, die raus gehen und Streife laufen. Manche Patienten können vor Ort draußen behandelt werden und müssen nicht ins Zelt. Ist das nicht möglich, werden sie zur weiteren Behandlung ins Sanitätszelt gebracht.

Etwa ab 13 bis 14 Uhr kommen die ersten, die zu viel Werderwein genossen haben und die Auswirkungen davon spüren. Übelkeit, Erbrechen, Rauschzustände … Wir messen die Vitalwerte (Blutdruck, Puls und den Blutzucker) und legen ein Patientenprotokoll an, auf dem alles festgehalten wird. Meist reicht eine Pause bei uns aus, die Patienten werden wieder klarer und verlassen dann mit Freunden oder der Familie, die sie abholen, das Zelt.

Manchmal haut der Wein jemandem aber auch dermaßen die Füße weg, dann müssen wir den Rettungsdienst rufen. Der transportiert die Patienten ins Krankenhaus.

Leider nehmen auch die Verletzungen durch Aggressivität immer mehr zu. Entweder wir können diese Verletzungen selbst behandeln oder die Patienten werden ins Krankenhaus transportiert und dort weiter behandelt.

Sehr gefragt sind Blasenpflaster für die Füße. Hier mal ein Tipp dafür: Auf der Baumblüte nie die neuesten und tollsten Schuhe anziehen, die werden nur dreckig und man bekommt Blasen. 😊

Nach und nach kommen weitere Sanitäter, Rettungssanitäter und auch Rettungsassistenten der DLRG aus dem gesamten Raum Berlin und Brandenburg, um zu unterstützen und zu helfen.

Man hat erstmal kurz Zeit, sich zu unterhalten und etwas zu essen. Das ist die “Ruhe vor dem Sturm”. Gegen 18 Uhr füllen sich die Zelte und wir haben sehr viel zu tun, alle Patienten gut zu versorgen. Gegen 22 Uhr wird es meist wieder etwas ruhiger und die Ersten von uns können den Heimweg antreten. Zwischen 23 Uhr und 1 Uhr kann der letzte Patient entlassen werden. Dann wird aufgeräumt. Der Müll wird eingesammelt und vor die Tür gestellt. Wir melden uns per Funk ab und fahren zur Feuerwehr in der Kemnitzer Straße. Dort sitzt unsere Einsatzleitung.

Die Patientenprotokolle und anderer Schriftkram werden abgegeben. Dann geht’s wieder zurück zur Halle in der Mielestr. Dort essen wir meist noch eine Bratwurst und lassen den Tag Revue passieren. Etwa um 3 Uhr fallen wir dann todmüde ins Bett.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Ich möchte gern ganz viel Reisen unternehmen. Mal nach Amerika und auch Hawaii, natürlich nicht allein. Ich wünsche mir ganz viel Gesundheit, Glück, Liebe und Freude für alle Menschen, die mir wichtig sind und natürlich auch für mich. Mein dritter Wunsch ist, dass ich noch einmal mit meiner Oma sprechen kann, die ist leider schon seit 16 Jahren tot. Ich würde sie gern einiges fragen und ihr viel erzählen. Sie fehlt sehr in meinem Leben.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Ich habe da keine bestimmte Person im Kopf.

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Ich habe einen E-Book-Reader. Darauf sind viele Bücher von Sebastian Fitzek. Ich mag seinen Schreibstil und bin ganz gefangen in den Geschichten. So lese ich die Bücher, wenn Zeit ist, in kurzer Zeit durch.
Aber ich fühle mich auch nicht zu alt für die “Drei Fragezeichen”. Ich lese die Bücher und höre die Hörspiele.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Ein direktes Vorbild habe ich nicht. Meine Familie sagt jedoch immer, dass ich meiner Oma wie aus dem Gesicht geschnitten bin. Auch mein Charakter soll ihrem sehr ähnlich sein.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder –Serie? Warum?
Nein ich habe keine bestimmten Lieblingsfilm oder -serie. Ich schaue querbeet.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Ein verborgenes Talent besitze ich nicht, nur ein offensichtliches: Ich kann quatschen wie ein Wasserfall und habe keine Scheu, Menschen kennenlernen und mit ihnen in Kontakt zu treten. 😊

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ich liebe Tiere und mag beide, Hunde und Katzen. Zuhause sitzen bei mir aber zwei Kaninchen in einem großen Innengehege. Außerdem liebe ich Pferde und gehe regelmäßig reiten. (wsw)