Mein Werder (183): Harry Kindt

Harry Kindt ist der Vorsitzende des Katzenheims Glindow und mit Leib und Seele Tierfreund., Fotos: wsw

Kurz & Knapp

Name: Harry Kindt
Wohnort: in Großziethen bei Berlin
Haben Sie Kinder? Ich habe zwei erwachsene Söhne.
Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Werder ist sehr ruhig und erholsam.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ich bin seit 2001 ehrenamtlich im Katzenheim Glindow tätig. Hier kümmere ich mich gemeinsam mit meinem Team um kleine und große Katzen und um alle geschäftlichen Belange, die in einem Unternehmen so anfallen.

Was würden Sie lieber machen?
Nichts! Alle Mitarbeiter des Katzenheims Glindow sind mit Leib und Seele bei der Arbeit. Unsere liebe Frau Pietsch ist z.B. schon seit 26 Jahren dabei.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Natürlich meine Katzenstation

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Auf jeden Fall bei uns! Ob zur Baumblüte, zu unserem Sommerfest oder einfach nur so – wir freuen uns immer über interessierte Besucher.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Um ehrlich zu sein, bin ich kein Baumblütengänger, dafür fehlt mir einfach die Zeit. Wenn ich nicht in Glindow im Katzenheim bin, kümmere ich mich zu Hause in meiner Katzen-Babystation um kleine Fell-Waisen.

Welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Ich bin kein Freund vom Obstwein und bevorzuge lieber ein kühles Bier. Zum Feierabend hin gönne ich mir sehr gerne auch einen guten Grappa.

Sie – ganz persönlich

Seit 1991 gibt es das Katzenheim vom Berliner Katzenschutz e.V. in Glindow, zuvor war es in Berlin ansässig. Können Sie uns etwas über die Entstehungsgeschichte erzählen?
Im April 1985 hat sich der Verein „Berliner Katzenschutz e.V.“ gegründet und in der Turmstraße in Berlin Moabit ein kleines Tierheim eröffnet. Kurz darauf folgte ein Umzug in die Potsdamer Straße in Schöneberg. Da das alte Fabrikgebäude, in dem sich der Verein niedergelassen hatte, jedoch abgerissen wurde, hat der damalige Ministerpräsident dem Vereinsvorsitzenden Wilhelm Schrader angeboten, das Objekt hier in Glindow zu mieten. Im Jahr 2003 hat Herr Schrader es dann käuflich erworben und ich habe dann mit dem Verein das Grundstück gekauft.

Am 1. November 1999 wurde der Berliner Katzenschutz e.V. Kooperationspartner von „aktion tier – menschen für tiere“. Was bedeutet diese Kooperation und welche Vorteile ergeben sich für das Glindower Katzenheim?
Dank der Kooperation mit „aktion tier – menschen für tiere“ bekommen wir einen hohen Betriebskostenzuschuss, wir werden also großzügig finanziell unterstützt. Damit können wir fast unsere monatlichen Kosten decken. Zudem ist die Tierärztin, die sich um die Katzen kümmert, bei aktion tier angestellt.
Da wir uns sonst nur durch Spenden finanzieren, sichert diese Kooperation unser Überleben. Für extra Ausgaben ist das Geld natürlich trotzdem knapp. Allein der Umbau des Gnadenhofes für unsere Katzen, die nicht vermittelt werden können, hat 36.000 Euro gekostet. Solche Ausgaben sparen wir uns sozusagen vom Mund ab.

Bis zu 100 Katzen und Kater warten im Katzenheim Glindow auf ein neues Zuhause.

Seit dem 11. März 2003 sind Sie der 1. Vorsitzende des Vereins und auch der Leiter des Katzenheims. Was bedeutet Ihnen diese Position und welches Ziel verfolgen Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?
Bevor ich 2003 zum Vorsitzenden gewählt wurde, war ich kommissarischer Vorsitzender. Mein Vorgänger musste krankheitsbedingt das Amt leider abgeben und so gab es erstmal die Notwendigkeit für einen neuen Vorstand. Wahrscheinlich hat den Vereinsmitgliedern meine Nase gut gepasst und meine Frau war auch maßgeblich daran beteiligt, dass ich mich zur Wahl stellte und den Vorsitz dann auch erhielt.
Mein größtes Ziel ist die Kastration von Straßenkatzen. Die Vermehrung von frei lebenden Katzen zu verhindern, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Aber wir geben nicht auf! In diesem Jahr haben 80 Prozent der verwilderten Katzen, die wir im Katzenheim aufgenommen haben, geworfen. Die Tiere kommen aus Berlin und Brandenburg. Man darf nicht vergessen, dass jedes Tierleid immer die Ursache menschlicher Verantwortungslosigkeit ist.
Vor zwei Jahren haben wir auf dem Rewe-Parkplatz hier in Glindow fünf schwarze Katzenbabys gefunden. Sie wurden einfach weggeschmissen, die Nachgeburt war sogar noch dran. Dank unserer Pflege haben alle überlebt. Gestorben wird immer, aber nicht bei uns!

Im Oktober 2005 wurde Deutschlands erste Babystation für Katzen in Glindow eröffnet. Wofür wird die Station gebraucht?
Zuvor wurden wir belächelt, als wir die Idee einer Babystation zur Sprache gebracht haben. Wir hatten ja auch schon einen extra Platz für trächtige Katzen, doch die Babystation mit insgesamt zehn Boxen bietet für die Tiere einen komfortableren Rückzugsort. Sobald eine Katze, die kurz vorm Werfen ist, an einer Futterstelle in Berlin/Brandenburg gesichtet wird, wird sie zu uns gebracht, sofern wir Platz haben. Die Katze kann dann ganz in Ruhe und Sicherheit bei uns ihre Babys bekommen, wird anschließend kastriert und wieder an ihrer Futterstelle ausgesetzt. Etwa 14 Wochen ist eine Box in der Babystation belegt. Sollten alle Boxen einmal voll sein, können wir auch auf unsere Quarantäne-Station ausweichen. Bisher mussten wir zum Glück noch keine Katzenmama abweisen. Der Irrglaube der meisten Menschen ist, dass Katzenbabys hauptsächlich im Frühjahr geboren werden. Dem ist aber nicht so. Durch das milde Klima gibt es eigentlich das ganze Jahr über Katzen. Eine frei lebende unkastrierte Katze kann bis zu zweimal im Jahr etwa zehn Babys bekommen.

Kleine Katzenwaisen werden von Ihnen per Hand aufgepäppelt. Wie muss man sich das vorstellen?
Gemeinsam mit meiner Frau kümmere ich mich um die kleinsten Kätzchen, die keine Mama haben. Die Babys müssen in den ersten drei Wochen ihres Lebens alle zwei Stunden mit dem Fläschchen gefüttert werden. Das klappt nur im Schichtdienst. Eine Nacht übernehme ich die Versorgung, die nächste Nacht meine Frau. Nach den drei Wochen benötigen die Kätzchen alle vier Stunden Futter bis sie mit etwa sechs Wochen selbst fressen können. Zur Zeit habe ich sieben Kätzchen zu Hause. Im vergangen Jahr waren es insgesamt 24 Katzenbabys, die ich mit der Hand aufgezogen habe und 128 Katzenbabys waren es insgesamt im Katzenheim Glindow. Rechnet man pro Jahr etwa 120 Kätzchen und das über all die Jahre kommt man auf eine ziemlich große Anzahl.

Welche Wünsche für die Zukunft haben Sie für den Berliner Katzenschutz e.V.?
Erstmal hoffe ich, dass wir – meine Mitarbeiter und ich – unsere Arbeit noch lange weitermachen können. Mein größter Wunsch ist, dass endlich die Politik tätig wird. In Groß Kreutz wird die Kastration eingefangener Katzen zum Beispiel übernommen, hier in Werder nicht. Als Grund werden hier die hohen Kosten genannt. Aber wenn die Katzen nicht kastriert werden können, ist die Versorgung der daraus entstehenden Babys natürlich viel höher. Und da beißt sich doch die Katze in den Schwanz.

Manchmal beherbergen Sie bis zu 100 Katzen im Glindower Katzenheim. Geht Ihnen das Schicksal der Tiere nahe? 
Wenn hier im Heim mal eine Katze oder ein Baby stirbt, haben wir alle Tränen in den Augen. Manchmal kommen so schwer verletzte Katzen zu uns, dass man den Tieren einfach nicht mehr helfen kann. In Akutfällen unterstützt uns da Frau Dr. Fehrenberg ganz großartig. Auch wenn ich schon viele Jahre dabei bin, lässt es mich natürlich nicht kalt, wenn man sich von einem Tier verabschieden muss. Wir können leider nicht das Tierleid der Welt besiegen, aber wenn wir jeden Tag unser Bestes geben, um den Fellnasen, die bei uns im Heim sind, zu helfen, ist schon mal ein kleiner Schritt getan.

Was würden Sie sich von anderen Tierbesitzern wünschen?
Ich wünsche mir weniger etwas von den Tierbesitzern, sondern von der Politik, dass das Paderborner Modell endlich umgesetzt wird. Dieses Tierschutzgesetz sieht vor, dass alle Katzenbesitzer, die ihren Tieren Freigang gewähren, verpflichtet sind, die Katze/den Kater zu kastrieren. In 68 Orten gibt es diese Kastrationspflicht bereits, es ist Zeit, dass dies auch bei uns umgesetzt wird!

Ist Ihnen ein Tier während Ihrer langjährigen Tierschutzarbeit besonders im Gedächtnis geblieben?
Uns allen ist besonders der Achsel ans Herz gewachsen, der leider vor kurzem erst von uns gegangen ist. Unser Haus- und Hofkater war einfach einmalig. Mit seinen 14 Jahren ist er bis zum Schluss noch überall ein- und ausgegangen, hat auf den Feldern in der Umgebung Mäuse und kleine Schlangen gefangen und geklaut wie ein Rabe. Bisher haben wir für ihn noch keinen Nachfolger gefunden.

"Es wird höchste Zeit, dass die Kastrationspflicht endlich eingeführt wird", appelliert Harry Kindt.

Was wir sonst noch wissen wollten …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Dass die Kastrationspflicht eingeführt wird.
Dass wir einen Sponsor finden, der uns ins finanzielle Plus führt.
Dass es so weiter geht, wie es bisher gelaufen ist. Wir können zufrieden mit unserer Arbeit sein.

Welche berühmte Person würden Sie gerne einmal treffen?
Erst kürzlich durfte ich Diana Eichhorn von der VOX-Sendung „Hund Katze Maus“ kennenlernen. Sie hat mit ihrem Team am 18. Juni bei uns in Glindow und bei mir zu Hause bei den Waisen- Kätzchen gedreht. Sie ist ein echter Kumpeltyp. Ansonsten würde ich Andrea Berg gerne einmal treffen, sie ist ja auch ein großer Tierfreund. Vielleicht lade ich sie mal zu unserem Sommerfest ein 🙂

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Ich liebe alle Tiere, aber mit Katzen beschäftige ich mich natürlich am intensivsten. Im bin noch in der Prüfungskommission der IHK tätig und nehme die Prüfungen Tierpfleger, Tierpension und bald auch Zoo ab. Da komme ich mit vielen teils auch exotischen Tieren in Kontakt. Das ist immer sehr spannend. Zu Hause habe ich selbst zehn Katzen. Das sind alles Fälle, die früher gequält wurden. Unser Felix wurde zum Beispiel mit Säure überschüttet. Er benötigte viele Operationen und noch mehr Zuneigung, damit es ihm wieder gut geht.