Mein Werder (195): Reinhard Jarka

Kurz & Knackig

Name: Reinhard Jarka
Alter: 56
Wohnort: Werder
Haben Sie Kinder? Ich bin verheiratet und habe drei Söhne und zwei Töchter.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Aus der Keimzelle einer Jahrhunderte alten Flussinsel in der Havel, die von den Mönchen des nahe gelegenen Zisterzienserklosters in Lehnin die Kunst des Obstanbaus erbte, ist im Laufe der Zeit eine durch und durch gesunde Stadt gewachsen. Einzigartig sind auch die Werderaner, die sich von Generation zu Generation mit den Traditionen ihrer Heimatstadt identifizierten. Angelockt vom mediterranen Flair und der Kinderfreundlichkeit unserer Stadt schlagen hier nun auch immer mehr smarte Akademiker aus den familienfeindlichen Metropolen Wurzeln. Menschen, die Werder mit ihrer Kreativität und ihrer Vertrautheit mit den globalen Wissensökonomien bereichern.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Ich arbeite als Landarzt und Geriater in Groß Kreutz und kenne dadurch die Sorgen und Nöte von jungen und alten Menschen aus allen Schichten unserer Heimat.

Was würden Sie lieber machen?
Ich bin ein popkonservativer Provinzler und möchte an keinem anderen Ort der Welt leben. Ich liebe es, für die Leute vom Land da zu sein und sie aus Not und Krankheit  heraus zu führen. Ehrliche und fleißige Menschen, die einfach nur ihre Arbeit schaffen und ihre Familien versorgen wollen. Menschen, die mir viel zurückgeben und mich letztlich auch selber erden.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Die Kulturgarage Werder in der Eisenbahnstraße.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Im Duval in der Michaelisstraße auf der Insel.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Im Garten von Attila Weidemann, mit dem ich im nordhessischen Rotenburg an der Fulda dieselbe Schule besucht habe.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Die „Schwarze Johanna“ von Stefan Lindicke

Sie – ganz speziell

Sie kommen ursprünglich aus Bebra, einer Kleinstadt in Nordhessen. Für das Medizinstudium sind Sie nach Berlin gezogen, um dann schlussendlich mit einer eigenen allgemeinmedizinischen Praxis in Groß Kreutz und einem Wohnort in Werder (Havel) sesshaft zu werden. Schlägt in Ihrer Brust noch ein hessisches Herz oder fühlen Sie sich bereits als Brandenburger?
Ich habe die Sommerferien meiner Kindheit auf dem Hof und den Feldern meines Großvaters in Waldhessen verbracht. Ende der 80er bin ich dann als GRUENER Revoluzzer, Medizinstudent und Indie-DJ aus der nordhessischen Provinz zu den Punk-Locations Berlins geflüchtet. Nur um dort im Laufe der Jahre festzustellen, dass ich im tiefsten Herzen immer noch ein stolzer Provinzler bin. Meine neue Brandenburger Heimat Werder bietet mir genau diese Bodenständigkeit und das bei gleichzeitiger Nähe zu den urbanen Hipster-Metropolen Potsdam und Berlin. Dagegen hat mein altes verschlafenes Bebra nicht einmal den Hauch einer Chance.

Sie gelten als scharfzüngiger Schnellredner mit trockenem Humor. Würden Sie diese Einschätzung bestätigen?
Natürlich nicht, denn – und das können Sie natürlich nicht wissen: Ich bin der Beste in Demut!

Sie sagen von sich selbst, dass Sie ein evangelikaler Exzentriker sind. Können Sie dies kurz erläutern?
Ich stamme aus einem tiefgläubigen, kleinbürgerlichen Elternhaus. Auf dem Gymnasium begann mich diese evangelikale Frömmigkeit mit ihrem engen Regelwerk jedoch wirklich zu nerven. Den sogenannten „alternative lifestyle“ fand ich damals wesentlich interessanter als Bibel und christliche Moral. Irgendwann war jedoch Schluss mit lustig. Es zogen dunkle Wolken auf und mitten in den Stürmen meines Lebens fand ich Anfang Dreißig zurück zu den Kraftquellen meines christlichen Glaubens.

Ein Exzentriker ist ja eine Person, die bewusst von den kulturellen Normen abweicht. Bei mir sieht das so aus: Evangelikale sind normalerweise theologisch UND kulturell konservativ. Ich dagegen bin theologisch konservativ und kulturell progressiv.
Ich bin seit meiner Taufe Mitglied der evangelischen Kirche. Werder war mir da aber – bis auf den evangelikalen Bibelkreis der landeskirchlichen Gemeinschaft in der Remise – immer ein wenig zu progressiv. Ich besuche daher mit meiner Frau Anna sonntags häufig zusätzlich noch eine theologisch konservative, reformierte Hipster-Freikirche in Potsdam.

Besonders auf Facebook sind Sie als Moderator oder Admin in verschiedenen Gruppen aktiv. Woraus resultiert Ihr persönliches Bestreben, Diskussionen um politische, kulturelle bzw. soziale Themen anzustoßen?
Ich habe mit meinem Bruder Alexander – mittlerweile Creativ Direktor einer Berliner Werbeagentur – Anfang der Nuller-Jahre bereits eine „Kulturplattform“ in Nordhessen aufgebaut. Diese Community bot der kreativen Jugend Waldhessens eine Präsentationsmöglichkeit, wies regelmäßig auf kulturelle Events hin und veranstaltete wilde Partys. Dieses Konzept habe ich auf Facebook mit der „Kulturplattform Werder“ auf die Situation Werders angepasst. Die Kulturplattform Werder informiert daher primär über die blühende Kulturszene unserer Region und fordert Kultur für wirklich ALLE.

Aktuell erreicht die kreative Klasse aus den urbanen Metropolen Werder. Dies bringt neben einigen Problemen aber auch ganz große Chancen mit sich. Die Kulturplattform fragt deshalb danach, was dieser Epochenwandel für unsere Heimatstadt bedeutet. Wir sehen uns dabei als Wanderer zwischen den Welten und wollen dabei helfen, den tiefen kulturellen Riss, der durch unser Land geht, zu heilen. Kreative Kosmopoliten und heimatverwurzelte Bodenständige wollen wir auf dem Gebiet der Kultur miteinander ins Gespräch bringen.

Ich selber bin ja auch ein Zugezogener. Ich habe diese einzigartige Stadt 2005 ausgesucht, weil hier „die Welt noch in Ordnung“ ist, weil hier Generationen vor mir eine gesunde lebenswerte Stadt gebaut haben. Ich bin dankbar, hier wohnen zu dürfen. Werder ist meine Heimat geworden und ich möchte an keinem anderen Ort leben!

Zur Administration der Gruppe „Politik in Potsdam, Mittelmark & Potsdam“ bin ich dieses Jahr eigentlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls steht diese Gruppe für Meinungsfreiheit und vertritt ein ganz breites politisches Spektrum. Dies ist gerade in Zeiten des Rechtspopulismus nicht immer leicht zu moderieren. Unser Motto stammt von Rosa Luxemburg und lautet: „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden“.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Werner Große

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Cornelia Koppetsch: Die Gesellschaft des Zorns: Rechtspopulismus im globalen Zeitalter. Eines der besten politischen Bücher der letzten Jahre, welches Rechtspopulisten UND Öko-Kosmopoliten den Spiegel vorhält.

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
– Helmut Schmidt, Staatsmann und gleichzeitig Held des kleinen Mannes, der dem RAF-Terrorismus und dem Sowjet-Kommunismus getrotzt hat und gegen den ich als GRUENER und Friedensbewegungs-Aktivist in den 80ern sehr oft demonstriert habe – aber auch das ist eine andere Geschichte. Ohne die sozialdemokratische Bildungsreform in den Siebzigern hätte ich als Facharbeiter-Kind wohl weder Abitur machen, noch studieren können.

– Dr. Timothy Keller (Buch: „Warum Gott?“), ein konservativer Theologe, der bis vor kurzem Pastor einer reformierten Gemeinde für die Kreativen der Kultur-Szene New Yorks war.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie? 
Film: Edgar Reitz: Heimat-Trilogie / Serie: The Affair.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Meinen treuen Labrador Retriever „Coco“.