Mein Werder (213): Frank W. Weber

Kurz & Knackig

Name: Frank W. Weber
Künstlername: ARATORA
Alter: 61
Wohnort: Werder
Wie lange leben Sie schon in Werder? seit 1979 dauerhaft
Haben Sie Kinder? Ich habe zwei leibliche Kinder, zwei Patchwork-Kinder, vier Schwiegerkinder und vier Enkelkinder.

Über unsere Blütenstadt Werder (Havel)

Wie würden Sie Werder einem Fremden beschreiben?
Als kleines gallisches Dorf von Asterix und Obelix, welches gegen die Übermacht der Römer ankämpfen muss.

Was arbeiten/machen Sie so den lieben langen Tag?
Kunst als Leben – Leben als Kunst

Was würden Sie lieber machen?
Das, was ich im jeweiligen Moment tue.

Haben Sie einen Lieblingsort in Werder – verraten Sie uns wo?
Es wäre blasphemisch, wenn ich jetzt nicht Stadtgalerie KUNST-GESCHOSS sagen würde.

Wo muss ein Gast unserer Stadt unbedingt gewesen sein?
Im Fußgängertunnel unseres Bahnhofes als Sinnbild für die entmenschlichte Urbanisierung einer Kleinstadt, wo jedes Tier seine gekritzelte Duftmarke setzt.

Rummel oder Muckergarten? Wo ist Ihr Lieblingsort auf der Baumblüte?
Obstbauerngarten, oder unter unserer blühenden Traubenkirsche.

Und welchen Obstwein bevorzugen Sie?
Das teste ich alljährlich durch, irgendwie bleibe ich dann doch bei den dunkleren Sorten hängen.

Sie – ganz speziell

Seit über 40 Jahren leben Sie nun schon in Werder. Wie hat sich das Verständnis von Kunst und Kultur im Laufe dieser vier Jahrzehnte in der Blütenstadt verändert?
Nun, ich denke da zuerst an Lebenskunst und Alltagskultur. Die „Kulturlosigkeit“ hatte ja u.a. Fontane den Werderschen als Kainsmal auf die Stirn gebrannt. Die bodenständigen Menschen sind aber wandlungsfähig und wenn sie nicht gezwungen werden, sind sie offen für alles – das schätze ich an meinen alteingesessenen Mitmenschen. Der Ton macht die Musik! Ellenbogenmanieren und inhaltsloses Geschwätz mit Totschlagargumenten sind den Menschen hier im Grunde fremd und das führt zu heftigen Missverständnissen. Die Werderschen sind sehr tolerant und brauchen keinen Aktionismus und Besserwisserei. Wenn ich mit Menschen kommunizieren will, muss ich deren Sprache sprechen, das ist auf der ganzen Welt so.

Sie sind seit über elf Jahren Kurator der Stadtgalerie Kunst-Geschoss. Worauf dürfen sich die Besucher in diesem Jahr freuen?
Fünf Ausstellungen, von lokal und das im erweiterten Sinn gleich drei mal, national mit einer Retrospektive eines bekannten Berliner Künstlers zum 85. Geburtstag und international mit einem jungen Künstler aus China. In den Ausstellungen sind über das Jahr Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie dabei – überraschen lassen, es wird spannend.

Worauf legen Sie bei der Arbeit als Kurator besonderes Augenmerk?
Auf eine gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen und die klare Sprache in der Ausstellungsgestaltung. Ich bin selbst bildender und konzeptioneller Künstler und bin national und international sehr gut vernetzt. Ich versetze mich da sowohl in die Künstler als auch in die Besucher.

Sie bezeichnen sich selbst als Querdenker. Wie drückt sich das quer denken genau aus?
Bis zum Ende lesen, dann wird das schon klarer. Nichts als gegeben hinnehmen, erst mal die Inhalte auf den Kopf stellen und beim Denken nicht linear zum Ziel, sondern auf dem Weg dahin nach rechts und links denken und in der Lage sein, den Faden nicht zu verlieren. Ich bin als Künstler ein visueller Mensch und denke auch in Worten räumlich. Außerdem bin ich in Querfurt geboren, am 12.12. exakt um 5 vor 12 mittags, das sind doch Vorzeichen. Das mit dem Geburtsort Burg und Weinkeller ist marginal.

Können Sie uns kurz den Weg von der Idee zum fertigen Bild skizzieren?
Für mich ganz einfach, ich sagte ja, ich bin visuell im Denken. Ich habe meine Bilder komplett im Kopf fertig, tausende davon. Kunst ist Handwerk und wer das Handwerk nicht beherrscht, sollte üben, üben, üben oder dann doch erkennen, dass er/sie was anderes machen sollte. Kunst ist Reduktion im Denken, und klare inhaltliche Ausarbeitung ist der Weg. Kunst kann zu Therapiezwecken genutzt werden, wer sich solcher Art beschäftigt, ist aber noch lange kein Künstler.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Gibt es hier eine familiäre „Vorbelastung“?
Mein Vater (†1993) war „Aquareller“, ich besitze heute noch seine Farbkästen und seine „Faber Castell“ Blechschachtel aus den Vierzigern mit Bleistiftstummeln darin. Mit denen habe ich als Kleinkind angefangen zu zeichnen. Als Kindergartenkind sollte ich einen Umzug zum 1. Mai malen, ich habe mich voll ausgelassen. Geschmückte Pferdewagen, Menschen die hintereinander her gehen mit Fahnen in rot, blau und quer gestreift. Das gelungene Bild kam in eine Ausstellung und in meinem Beisein wurde es von einem Mann mit goldenem Abzeichen am Revers herunter gerissen und er gestikulierte wortstark mit meiner Kindergärtnerin. Ich hatte das Emblem mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz nicht mit gemalt, es erschien mir zu kompliziert. Was habe ich gelernt? Die Kunst besteht im Weglassen! Dies war ein Schlüsselerlebnis meines künstlerischen Lebens.

Was wir sonst noch wissen wollen …

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
1. der Mensch sollte sich auf sein Sein und nicht auf Haben besinnen
2. die Menschheit sollte lernen, erst zu denken und dann zu reden
3. ich wünsche weniger blinden Aktionismus, mehr Respekt und Demut vor der Leistung anderer und der Natur

Welche berühmte Person würden Sie gern einmal treffen?
Was ist berühmt? Andy Warhol hatte einmal gesagt: „In Zukunft wird jeder Mensch für 15 Minuten berühmt sein!“

Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
Die Frage wäre einfacher zu beantworten, welches ich gerade lese? Liegen tun da:
„Meister und Margarita“ und „Teufeliaden“ von Michail Bulgakow, „Und Marx stand still in Darwins Garten“, „Die Fehlgeburt einer Republik“, „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, „Ein Gentlemen in Moskow“, „Der Circle“ …

Haben Sie Vorbilder? Welche und warum?
Alle Menschen, die geerdet, ehrlich und unverbogen sind.

Haben Sie einen Lieblingsfilm oder -serie?
10-teilige Serie „Meister und Margarita“ aus dem russischen Fernsehen im Originalton.

Haben Sie ein verborgenes Talent?
Wenn ich jetzt darauf antworten würde, wäre es nicht mehr verborgen, ich lass das mal dort als Überraschung für später.

Lieben Sie Tiere? Wenn ja, Katze oder Hund?
Menschen – ich halte es mit Joseph Beuys, Tiere und Pflanzen gehören in die Natur!